Gestern noch durchs hohe Gras gerannt, heute sitzt eine Zecke am Kopf. Als blinder Passagier aufgegabelt, krabbelt sie über das Fell, sucht sich eine geeignete Stelle, sticht zu und beginnt, sich am Blut des Hundes vollzusaugen. Nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei unseren Haustieren sollten die Blutsauger möglichst rasch entfernt werden. Mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte wird die Zecke möglichst nah an der Haut gefasst und langsam herausgezogen. Wichtig ist vor allem, den Körper dabei nicht zu quetschen. Der Grund für die Eile: Zecken können Krankheitserreger übertragen. Und sie sind nicht die einzigen ungebetenen Gäste, die Hunde und Katzen befallen. Auch Flöhe können zum lästigen Spassverderber werden und starken Juckreiz auslösen. Doch wie wir unsere Fellnasen vor diesen Plagegeistern schützen, kann weitreichendere Folgen haben, als vielen Tierhaltern bewusst ist.

Vorab sollte stets das individuelle Risiko des Tieres berücksichtigt werden. Ein Hund, der regelmässig durch Wiesen, Wälder und andere zeckenreiche Ge-biete streift, braucht einen anderen Schutz als eine Katze, die kaum ins Freie geht. Zur Vorbeugung gehören deshalb zunächst einfache Massnahmen: das Fell regelmässig absuchen und entdeckte Zecken möglichst rasch entfernen. Reicht dies angesichts des individuellen Risikos nicht aus, können Antiparasitika zum Einsatz kommen. Sie werden entweder äusserlich als Spot-on, Spray oder Halsband angewendet oder als Tablette verabreicht. Je nach Wirkstoff töten sie die Parasiten, sobald diese mit dem Tier in Kontakt kommen oder Blut saugen.

Gift für Insekten

Einer dieser Wirkstoffe ist Fipronil. Das Insektizid und Akarizid aus der Gruppe der Phenylpyrazole greift bei Insekten und Spinnentieren das Nervensystem an und führt schliesslich zu ihrem Tod. Während Fipronil in der Schweiz seit 2014 nicht mehr als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden darf, ist der Wirkstoff als Tierarzneimittel für Hunde und Katzen weiterhin zugelassen. Problematisch wird es, wenn Fipronil in die Umwelt und insbesondere in Gewässer gelangt. Messungen im Rahmen der nationalen Beobachtung der Oberflächengewässerqualität zeigen, dass der Wirkstoff in Schweizer Fliessgewässern vielerorts das chronische ökotoxikologische Qualitätskriterium (CQK) überschreitet. 2022 führte kein anderer Wirkstoff, der als Biozid, Tierarzneimittel oder Pflanzenschutzmittel zugelassen war, zu so vielen Überschreitungen des CQK wie Fipronil. Das tatsächliche Ausmass wurde allerdings erst durch sensitivere Analysemethoden sichtbar. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass die Konzentrationen bereits zuvor ähnlich hoch waren, mit den damaligen Messmethoden jedoch nicht ausreichend erfasst werden konnten.

Der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) und das Wasserforschungsinstitut Eawag gingen in einer gemeinsam durchgeführten Untersuchung der Frage nach, woher die hohen Fipronil-Konzentrationen in den Gewässern stammen. Es zeigte sich, dass Fipronil schweizweit kontinuierlich über Abwasserreinigungsanlagen in die Fliessgewässer gelangt. In den untersuchten Gewässern unterhalb solcher Anlagen wurde der Wirkstoff deutlich häufiger und in höheren Konzentrationen gefunden als in Gewässern ohne solche Anlagen. Als wahrscheinlichste Quelle machen die Forschenden nach heutigem Wissensstand Floh- und Zeckenmittel für Heimtiere verantwortlich. Sie schätzen grob, dass jährlich rund zehn Kilogramm Fipronil aus Abwasserreinigungsanlagen in Schweizer Gewässer gelangen könnten.

Wurde einer Katze oder einem Hund Fipronil als Spray oder Spot-on aufgetragen, kann der Wirkstoff noch viele Tage später beim Streicheln an den Händen haften bleiben. Auch abgestossene Haare, Hausstaub, Kleidung, Decken und andere Textilien können Fipronil aufnehmen. Beim Händewaschen, Putzen oder Waschen gelangt der Wirkstoff schliesslich ins Abwasser. Dieser indirekte Eintrag ist laut der Untersuchung für die Gewässerbelastung deutlich bedeutender als das direkte Baden eines behandelten Hundes in einem Bach oder See. Zwar kann auch dabei Fipronil ins Wasser gelangen, weshalb behandelte Tiere in den ersten vier Wochen nach der Anwendung nicht in Gewässern baden sollten. Für die schweizweite Belastung spielt dieser Eintragsweg jedoch vermutlich eine geringere Rolle.

Forderung nach strengeren Regeln

Die Problematik beschäftigt inzwischen auch die Politik. Der Thurgauer SVP-Ständerat Jakob Stark und der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch reichten bereits 2024 eine Interpellation ein, in welcher sie wissenschaftliche Abklärungen sowie eine mögliche Einschränkung oder ein Verbot von Fipronil und Imidacloprid forderten. Jositsch ist zugleich Präsident des Schweizerischen Fischerei-Verbandes (SFV). Für den Schutz der Gewässer fordert dieser eine vertiefte Umweltprüfung für Heimtier-Antiparasitika – eine solche ist für diese Mittel bislang nicht vorgeschrieben. Zudem fordert der Verband zumindest eine Verschreibungspflicht für Antiparasitika, eine wirksame Eindämmung des Onlinehandels und eine bessere Information der Tierhaltenden über geeignete Alternativen.

Doch welche Alternativen gibt es tatsächlich? Der SFV nennt neben dem regelmässigen Absuchen und Entfernen von Zecken natürliche Repellentien wie Kokos-, Neem-, Zedernholz-, Lavendel- und Zitronellenöl sowie Nahrungsergänzungsmittel wie Bierhefe oder Schwarzkümmelöl. Wissenschaftlich fällt die Bilanz jedoch ernüchternd aus. Einige pflanzliche Wirkstoffe können Zecken oder andere Parasiten unter Laborbedingungen zwar abschrecken, ein zuverlässiger Schutz von Hunden und Katzen im Alltag ist für diese Mittel jedoch bislang nicht ausreichend belegt. Eine Auswertung der bisherigen Forschung durch Veterinärmediziner und Parasitologinnen im Fachmagazin «Veterinary Parasitology» kommt ebenfalls zum Schluss, dass auf chemischen Parasitenschutz nicht pauschal verzichtet werden sollte. Das regelmässige Absuchen sowie das manuelle Entfernen können das Risiko reduzieren, reichen je nach Situation aber nicht aus, um insbesondere die Übertragung von Krankheitserregern durch Zecken zuverlässig zu verhindern.

Was tun bei einem Befall?- Zecke: Zecke möglichst schnell mit einer Zeckenzange oder -karte samt Mundwerkzeugen entfernen. Nicht quetschen und keine Öle oder Alkohol verwenden. Anschliessend sicher entsorgen.
- Flöhe: Bei starkem Befall täglich saugen und Liegeplätze regelmässig bei mindestens 60 °C waschen. Auch die Umgebung behandeln, um Eier und andere Entwicklungsstadien zu beseitigen.