Bio26 in Freiburg schreibt erstmals Gewinn mit regionalen Bio-Produkten

Die Freiburger Genossenschaft Bio26 bündelt das Angebot von rund 70 regionalen Bio-Betrieben unter einem Dach. Doch der Weg hin zu den ersten schwarzen Zahlen war für das Pionierprojekt nicht einfach.

Vor vier Jahren entstand mitten in Freiburg ein zukunftsträchtiger Lebensmittelladen. Wer Bio-Produkte aus der Region kaufen möchte, muss nicht mehr sämtliche Hofläden der Region abklappern, sondern kann alles an ein und demselben Ort beziehen. Da die Lebensmittel direkt von den Höfen stammen, fallen hohe Margen an Zwischenhändler weg, was einen fairen Erlös für Produzentinnen und Produzenten ermöglicht. Wie das funktioniert und welche Herausforderungen ein solches Pionierprojekt mit sich bringt, erklärt Helene Zenhäusern, Kommunikationsverantwortliche und Vorstandsmitglied bei Bio26.

Frau Zenhäusern, was verändert sich für Bio-Betriebe, die bei Ihnen mitmachen?

Bio-Betriebe haben mit Bio26 eine Verkaufsstelle für den Direktverkauf mitten in der Stadt Freiburg. Im Gegensatz zum Grosshandel, der die Preise für die Bäuerinnen und Bauern diktiert, bestimmen bei Bio26 die Produzentinnen und Produzenten den Preis. Zusammen mit unserer fixen Marge, mit der wir die Kosten für Infrastruktur und Betrieb decken, ergibt das einen fairen Preis für alle. Wichtig ist dabei, dass der Endpreis für Früchte und Gemüse nicht über dem Preis des Wochenmarktes liegt.

Geht das für die Genossenschaft finanziell auf?

In den ersten Jahren haben wir viel Lehrgeld gezahlt und rote Zahlen geschrieben. Mit vereinten Kräften konnten wir den Verlust aber Jahr für Jahr verringern. Für das Geschäftsjahr 2025 verzeichneten wir nun erstmals einen kleinen Gewinn. Wir sind bereit, auch weiterhin viel Energie zu investieren, um zu beweisen, dass es möglich ist, einen fairen Preis für die Bio-Betriebe zu erwirtschaften und dieses Projekt langfristig zu etablieren.

Was trägt das Bistro zur Rechnung bei?

Es ist noch viel schwieriger, ein Bistro mit fast ausschliesslich biologischen Produkten rentabel zu führen, als einen Laden. Auch hier haben wir in den vergangenen Jahren viel gelernt und grosse Fortschritte gemacht. Das Bistro ist ein zentrales Element unseres Projekts, weil es einen grossen Beitrag dazu leistet, die Produkte des Ladens bekannt zu machen und Food Waste zu vermindern. Es ergeben sich viele Synergien, auch beim Personaleinsatz. Das Bistro hat sich zu einem beliebten Treffpunkt im Quartier entwickelt.

Die Genossenschaft hatte bereits Anfragen von Restaurants. Was fehlt noch, damit Sie diesen zusagen können?

Einen «en Gros»-Lieferdienst für Restaurants aufzubauen, ist fast ein neues Projekt. Wir beliefern zurzeit ein Restaurant in Freiburg und haben weitere Anfragen, denen wir aber bisher nicht nachkommen konnten.

Weshalb haben Sie auch Importprodukte im Angebot?

Von den übers Jahr gezählt mehr als 1000 Bio-Produkten, die Bio26 anbietet, stammen 94 Prozent aus unserem Gebiet. Lediglich 3,5 Prozent stammen von anderen Schweizer Produzentinnen und Produzenten und 2,5 Prozent kommen aus dem Ausland. Es sind dies alles Produkte, die für viele von uns alltäglich geworden sind und mit denen wir unserer Kundschaft den Weg in einen weiteren Laden abnehmen. Dazu gehören Zitrusfrüchte und Avocados von einer befreundeten Bio-Genossenschaft aus Kalabrien – aber nur, wenn sie dort Saison haben. Auch die Rohstoffe der lokalen Kaffeerösterei und Schokoladeproduktion, mit denen wir zusammenarbeiten, stammen von ausländischen Bio-Betrieben. Wir machen solche Kompromisse vor allem, um auf eine Nachfrage zu reagieren, unsere Verkaufszahlen zu steigern und das Überleben des Projektes langfristig zu sichern.

Vermutlich wünschen sich viele einen Laden wie den Ihren auch in anderen Regionen. Was denken Sie, was es braucht, damit es funktioniert?

Es braucht sehr viel Engagement von vielen Leuten. Ohne die finanzielle Unterstützung der heute über 430 Genossenschafterinnen und Genossenschafter und rund 80 Bio-Betrieben hätte das niemals realisiert werden können. Auch heute noch leisten die Mitglieder des Vorstands viele ehrenamtliche Stunden. Zudem braucht es engagierte und kompetente, also ausgebildete Personen für die Leitung des Ladens und des Bistros.

Wie finden sich diese Leute?

Die sieben Gründungsmitglieder konnten bereits auf ein grosses Netzwerk zählen. Sie alle engagieren sich seit Jahrzehnten für eine nachhaltige Landwirtschaft, sind auf dem Wochenmarkt präsent, im Biokorb und bei anderen Initiativen. Es ist sicher einer der Schlüssel zum Erfolg von Bio26, dass die Produzentinnen und Produzenten von Anfang an von ihrer Bekanntheit und Glaubwürdigkeit profitieren und so diese grosse Unterstützung mobilisieren konnten. Wir sind überzeugt, dass ein ähnliches Projekt auch in anderen Regionen entstehen kann – und wenn wir mit unseren Erfahrungen mithelfen können, machen wir das sehr gerne. Die Initiative muss aber klar aus den einzelnen Regionen kommen.

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