Das diesjährige Finale des Schweizer Fussball-Cups ist Geschichte. Im Stadion Wankdorf in Bern konnten sich die Spieler des FC Basel durchsetzen – auf Kunstrasen. Gerade bei internationalen Spielen sorgt dieser jedoch immer wieder für Diskussionen, da Profis normalerweise auf Naturrasen spielen. Dennoch findet der künstliche Belag in Städten wie Bern zunehmend Anklang. Immer öfter werden neue Kunstrasenfelder gebaut oder bestehende Naturrasenplätze ersetzt. Der ehemalige Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried sagte hierzu noch anlässlich der neuen Rasensportstrategie der Stadt: «Auf Kunstrasen kann man häufiger trainieren als auf Naturrasen.»
800 zusätzliche Trainingsstunden
Tatsächlich ermöglichen Kunstrasen allein in der Stadt Bern rund 800 zusätzliche Trainingsstunden pro Jahr – nahezu doppelt so viele wie Naturrasen. Letztere müssen insbesondere in der kalten Jahreszeit geschont und intensiver gepflegt werden. Das beeinflusst nicht nur die Nutzungsdauer, sondern auch die Umweltbilanz. Trotz ihrer Vorteile sind Kunstrasen jedoch umstritten: Die verwendeten Plastikkörnchen – das sogenannte Füllgranulat – können in die Umwelt gelangen und diese belasten. Zudem müssen Kunstrasenplätze etwa alle zehn Jahre ersetzt und fachgerecht entsorgt werden. Ihre betonierte Unterlage trägt ausserdem zur Erwärmung der Umgebung bei – im Gegensatz zu Naturrasen, der kühlend wirkt.
Um den Umwelteinfluss der unterschiedlichen Sportrasenarten genauer zu bewerten, gab die Stadt Zürich eine Ökobilanzstudie bei der Zürcher Hoch-schule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Auftrag. Das Ergebnis: Unverfüllte Kunstrasen – also solche ohne Granulat – schneiden unter Berücksichtigung der hohen Nutzungsintensität am besten ab. Sie bieten auch bei Nässe und in Übergangszeiten eine hohe Spielbarkeit und ermöglichen daher mehr Nutzungsstunden als Naturrasen. Die niedrigste Umweltbelastung pro Jahr und Spielfeld verursacht weiterhin der bodennahe Naturrasen – allerdings ist er auch am wenigsten belastbar. Eine Optimierung der Pflege, etwa durch gezielteren Düngereinsatz oder den Einsatz von Mährobotern, könnte seine Bilanz zudem verbessern. Verfüllte Kunstrasen – also solche mit Granulat – hingegen gelten aufgrund ihrer schlechten Umweltbilanz als Auslaufmodell. In Zürich werden sie daher bei Neu- oder Ersatzbauten konsequent nicht mehr eingesetzt.
Fazit
Die Wahl zwischen Kunst- und Naturrasen ist längst keine rein sportliche Frage mehr für die Städte, sondern eine Entscheidung mit ökologischer und gesellschaftlicher Tragweite. Entscheidend ist dabei nicht der Belag allein, sondern wie intensiv ein Platz genutzt wird: Während unverfüllte Kunstrasen bei hoher Auslastung ökologisch am besten abschneiden, bleibt der bodennahe Naturrasen bei geringer Nutzung die nachhaltigste Option. Die Zukunft liegt womöglich in Lösungen, die beide Ansätze intelligent kombinieren.

