Gelbe Wolken im Anmarsch
Mehr Wüstenstaub in Europa: Das bedeutet der Trend für Mensch und Natur
Feiner Staub aus der Sahara erreicht Europa immer häufiger und in grösseren Mengen. Eine neue Studie zeigt, dass die Belastung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Das hat Folgen für die Gesundheit, die Umwelt – und könnte sich mit dem Klimawandel weiter verschärfen.
Während die Luft in Europa dank strengerer Umweltvorschriften vielerorts sauberer geworden ist, nimmt eine andere Form der Feinstaubbelastung zu: Wüstenstaub aus Nordafrika. Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) haben gemeinsam mit einem europäischen Netzwerk Messdaten aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet und kommen zu einem klaren Ergebnis: Die Konzentration von Saharastaub in Europa steigt.
Für ihre Untersuchung kombinierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von mehr als 100 Messstationen mit Methoden der künstlichen Intelligenz. In Südeuropa wurden durchschnittlich 5,3 Mikrogramm Wüstenstaub pro Kubikmeter Luft gemessen – mehr als doppelt so viel wie in Mittel- und Nordeuropa mit 2,1 Mikrogramm. Insgesamt nahm die Belastung in den untersuchten zehn Jahren um rund zehn bis 25 Prozent zu.
Nicht nur ein Wetterphänomen
Saharastaub sorgt immer wieder für spektakuläre Sonnenuntergänge oder einen gelblichen Schleier am Himmel. Doch die feinen Partikel sind mehr als ein optisches Ereignis. Sie gehören zum Feinstaub und können tief in die Atemwege gelangen.
Besonders problematisch sind Tage mit hohen Staubkonzentrationen. Epidemiologische Studien zeigen, dass an solchen Tagen mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegsproblemen sterben als an Tagen mit geringer Staubbelastung. Langfristige Auswirkungen wie Asthma oder chronische Bronchitis werden derzeit weiter untersucht.
[IMG 2]
Warum nimmt der Wüstenstaub zu?
Als Hauptursache nennen die Forschenden die zunehmende Austrocknung der Sahara. Gleichzeitig verändern sich die Wind- und Wetterlagen, sodass mehr Staub bis nach Europa transportiert wird. Zwar lässt sich der Einfluss des menschengemachten Klimawandels auf diese Entwicklung noch nicht vollständig beziffern, nach Einschätzung des Forschungsteams dürfte die Erwärmung die Ausbreitung trockener Gebiete jedoch begünstigen und damit auch die Staubbelastung erhöhen.
Interessant ist dabei: Die Zahl der Staubereignisse hat sich laut Studie kaum verändert. Die einzelnen Ereignisse sind jedoch intensiver geworden und transportieren heute deutlich mehr Staub als noch vor wenigen Jahren. Besonders betroffen sind Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, aber auch Teile Westfrankreichs.
Auch Tiere können betroffen sein
Die Studie konzentriert sich auf Auswirkungen für den Menschen. Doch Feinstaub belastet grundsätzlich auch Tiere. Haustiere mit Atemwegserkrankungen oder Herzproblemen sowie ältere Tiere könnten an Tagen mit hoher Staubbelastung empfindlicher reagieren. Bei Nutztieren und Wildtieren werden mögliche Auswirkungen bisher kaum untersucht.
Tierhalterinnen und Tierhalter sollten deshalb bei sichtbaren Saharastaubereignissen aufmerksam sein. An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung kann es sinnvoll sein, körperlich anstrengende Aktivitäten – etwa lange Spaziergänge oder Hundesport – auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.
Neue Grundlage für Warnsysteme
Die Forschenden sehen ihre Datensammlung als bislang umfassendste Untersuchung zu Wüstenstaub in Europa. Durch die Kombination klassischer Messungen mit künstlicher Intelligenz konnten sie erstmals eine detaillierte Karte der bodennahen Staubbelastung für ganz Europa erstellen. Diese könnte künftig nicht nur die Forschung unterstützen, sondern auch die Grundlage für Warnsysteme bilden – ähnlich wie sie heute bereits bei anderen Luftschadstoffen existieren. Davon würden insbesondere empfindliche Menschen profitieren. Auch die Solarenergie könnte besser auf staubbedingte Leistungseinbussen vorbereitet werden.
[IMG 3]
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren