Der gelegentliche Gang zum Tierarzt bleibt wohl keinem Tierhalter und seinem vierbeinigen Schützling erspart. Nebst Routineuntersuchungen, Kastrationen und Impfungen möchte man diese Besuche natürlich möglichst vermeiden, nicht zuletzt, um den Stress für das Tier zu umgehen. So ist bei Schürfungen, Bindehautentzündungen und anderen vermeintlich kleinen Wehwehchen die Versuchung gross, einen Griff in die Hausapotheke zu tätigen und die Leiden mit gängigen Medikamenten für Menschen zu behandeln. Was für Herrchen gut ist, kann für Hund und Katze nicht falsch sein, oder?

Gérard Boehm, leitender Apotheker des Tierspitals Zürich, warnt jedoch eindringlich vor angeblich harmlosen Mittelchen: «Die Anzahl der Medikamente aus der Hausapotheke, die wir für Tiere verwenden können, ist sehr gering!» So darf Paracetamol – in Absprache mit dem Tierarzt – zwar bei Hunden, jedoch nicht bei Katzen angewendet werden. Katzen verfügen über eine sehr geringe Aktivität bestimmter Enzyme, die für den sicheren Abbau von Paracetamol wichtig sind. Dadurch entstehen bei ihnen vermehrt giftige Stoffwechselprodukte, sodass bereits kleine Mengen Paracetamol zu schweren Vergiftungssymptomen bis hin zum Tod führen können.

«Zusammen mit Paracetamol sind Ibuprofen und andere nichtsteroidale Entzündungshemmer für die häufigsten Vergiftungen bei Haustieren verantwortlich», warnt Boehm. Auch Tiere, die versehentlich – zum Beispiel offen herumliegende – Antidepressiva, Benzodiazepine oder Antihypertensiva wie Kalziumkanalblocker gefressen haben, landen schnell in der Notaufnahme der Tierspitäler.

Oft unterschätzt werden zudem Vitaminpräparate. Als «gesund» geltende Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-D-Tabletten oder -Tropfen können für Haustiere fatal sein. «Eine Vitamin-D-Vergiftung kann bei Hunden und Katzen zu einer vorübergehenden Hyperkalzämie – einer erhöhten Kalziumkonzentration im Blut – mit nachfolgender Nierenschädigung führen. Die Tiere müssen stationär aufgenommen und mit Gegenmitteln sowie Infusionen und täglichen Blutuntersuchungen behandelt werden.»

Grünes Licht gibt Gérard Boehm jedoch bei alkoholfreien Desinfektionsmitteln und Wundsalben wie beispielsweise Bepanthen: «Diese können bei kleinen Wunden oder Schürfungen angewendet werden.» Alle anderen Medikamente sollten nur in Absprache mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin verabreicht werden. Ansonsten richtet man mehr Schaden an, als man seinem Tier Gutes tut.