Plötzlich sind sie da. Stecknadel-grosse Punkte huschen zwischen den Wasserpflanzenblättern an der Oberfläche umher. Die winzigen Fischchen sind nicht aus Laich geschlüpft, sondern lebend zur Welt gekommen. Es handelt sich um kleine Grüne Schwertträger.
Diese Winzlinge haben ein Empfinden und Vorlieben. In einem Versuch wurden sie in ein Aquarium gesetzt, dessen linker Teil mit natürlichen Wasserpflanzen und dessen rechter Teil mit Kunstpflanzenbepflanzt war. Die Mitte war leer. Nach fünftägiger Eingewöhnungszeit der Jungfische, die frisch nach der Geburt eingesetzt wurden, begann die Testphase. Die Kleinen bevorzugten den mit richtigen Wasserpflanzen versehenen Aquarienteil. «Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass bereits fünf Tage alte Jungfische natürliche Reize wahrnehmen können», berichtet fischwissen.ch, die Fachstelle für das Wohl von Fischen. Im Gegensatz zu den Lebendgebärenden,bauen manche Fische Nester. Labyrinth-fische etwa konstruieren mit Pflanzenteilen komplexe Schaumnester an der Wasseroberfläche. Eine sichere Stätte für den Laich, die bewacht wird. Auch der einheimische Stichling konstruiert ein Nest,jedoch unter Wasser. Er verbaut mit einem Nierensekret Pflanzenteile. Nestbau und die äusserst komplexe Brutpflege obliegen den Männchen.

Buntbarsche kümmern sich generell um ihren Nachwuchs und beschützen die Jungfische. Der farbenprächtige Diskusfisch aus dem Amazonasbecken ist ein Parade-beispiel dafür. Die Jungen, die aus Laich schlüpfen, ernähren sich zuerst vom nahrhaften Hautsekret der Elterntiere.
Eine weitere Beobachtung aus dem Aquarium: Fische erzeugen Laute, beispielsweise die Prachtschmerle. Mit Knacklauten kommuniziert dieser asiatische Schwarmfisch mit Artgenossen besonders dann, wenn er Nahrung aufnimmt oder Rangkämpfe austrägt. Guramis krächzen, Clownfische zirpen und Karpfen quietschen unter Wasser.
Fische im Aquarium merken sich Personen und Fütterungszeiten. Wenn sie neu in ein Gemeinschaftsaquarium eingesetzt werden und andere aus Neugierde heranschwimmen, schiessen die Neuankömm-linge ins Wasserpflanzendickicht. Sie kennen den Lebensraum nicht und flüchten, denn vielleicht nähert sich da ein Feind. Nach rund einer Woche haben sie den neuen Lebensraum erkundet, schwimmen problemlos mit den anderen Mitbewohnern im Pulk und sind nicht mehr schreckhaft. Sie haben gelernt: Hier werde ich nicht verfolgt.
Fische lernen von Artgenossen. Wirdetwa jungen Steinbarschen ein für sieunbekanntes Beutetier präsentiert, rühren sie es nicht an. Beobachten sie jedoch einen älteren Steinbarsch, der daran frisst, dann machen sie sich auch darüber her.
Zielsicheres Tümpelspringen
Fische sind bereit zur Kooperation, beispielsweise die Wächtergrundel mit dem Knallkrebs. Wächtergrundeln kommen in verschiedenen Gattungen in tropischen Meeren vor, Knallkrebse sind eine artenreiche Garnelenfamilie. Die Krebse graben lange Gänge in den Meeresgrund, die Grundel bewacht sie. Bevor der Krebs seineBehausung verlässt, findet er durch Berührung der Grundel heraus, ob die Luft, respektive das Wasser, rein ist. Kommt ein Feind, verschwinden beide in der schützenden Höhle.
Dass Schimpansen, Papageien und Krähen Werkzeuge benutzen, so beispielsweise einen Amboss zum Öffnen von Nüssen, ist vielfach beschrieben worden. Doch auch unter Wasser trägt sich Ähnliches zu. Um Schnecken und Muscheln freizulegen, blasen Lippfische den Sand weg. Dann packen sie die Beute mit ihrem Mund und werfen das Schalentier energisch gegen einen dafür ausgesuchten, vom Sand befreiten Stein. So wird die Schale der Beute zertrümmert. Nicht nur Elefanten erkennen sich im Spiegel, sondern auch Putzerlippfische. Dies habe ein Versuch an der Osaka Metropolitan University gezeigt, erklärt Roger Graf. Der Umweltfachmann des Tierschutz-Kompetenzzentrums Kompanima aus Winterthur hat sich intensiv mit Fischen auseinandergesetzt. Die Meeresfische erkannten beim Blick in den Spiegel sogar künstlich auf-gemalte Markierungen an ihrem Körper und versuchten, sie abzukratzen.

Roger Graf macht auf eine weitere Entdeckung in der Gezeitenzone aufmerksam. Er erzählt über die Krausflossen-Grundel: «Sie bleibt bei Ebbe in kleinen Tümpeln. Bei Gefahr springt sie von einem dieser Kleinstgewässer zum anderen.» Dabei könne sie die Lage der Pfützen nicht sehen. «Die Tiere merken sich bei Flut die Lagen der tiefer liegenden Bereiche am Meeresgrund, wo bei Ebbe die Tümpel zu liegen kommen!» Die Fische könnten sich auch nach 40 Tagen noch daran erinnern. Roger Graf merkt an: «Werden die Grundeln in einem fremden Tümpel ausgesetzt, springen sie nicht weg ins Unbekannte, auch wenn sie stark belästigt werden.» Wunder unter Wasser, die ebenso komplex sind wie diejenigen, die sich vor unseren Augen an Land abspielen.

