Schweizer Sommer 2026
Wenn das Wasser fehlt: So leiden Tiere unter der Dürre
Ausgetrocknete Bäche, warme Flüsse und dürre Weiden: Der heisse und trockene Sommer 2026 setzt der Tierwelt in der Schweiz stark zu. Besonders Fische und Bodenlebewesen geraten unter Druck. Auf den Alpen fehlt derweil mancherorts nicht nur das Futter, sondern auch das Wasser für die Nutztiere.
Braune Blätter mitten im Sommer, ausgetrocknete Böden und ungewöhnlich wenig Wasser in Flüssen und Seen: Die Trockenheit hat die Schweiz im Sommer 2026 fest im Griff. Bereits im Juli wurden an zahlreichen Flüssen rekordtiefe Werte gemessen. Beim Aabach in den Kantonen Luzern und Aargau etwa sank der Wasserstand auf den tiefsten Stand seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen. Auch der Hallwilersee führte im Juli so wenig Wasser wie noch nie zu dieser Jahreszeit.
Verantwortlich ist eine ungünstige Kombination mehrerer Faktoren, informiert die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Im Winter fiel in den Alpen wenig Schnee, seit April blieben die Niederschläge in weiten Teilen Mitteleuropas deutlich unter dem Durchschnitt und mehrere Hitzewellen sorgten gleichzeitig für eine starke Verdunstung. Weil die Trockenheit bereits seit mehr als vier Monaten anhält, kann laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL inzwischen von einer Dürre gesprochen werden.
Fischen fehlt der kühle Rückzugsort
Für Tiere in Bächen und Flüssen ist die Situation besonders kritisch. Wenig Wasser erwärmt sich schneller – und hohe Wassertemperaturen können für Fische lebensgefährlich werden. Ab etwa 25 Grad steigt laut WSL die Sterblichkeit bei den meisten Fischarten deutlich an. Gleichzeitig stehen die Tiere unter Stress und können sich schlechter fortpflanzen.
Normalerweise können Fische während Hitzeperioden kühlere Bereiche eines Gewässers aufsuchen. Doch mit sinkenden Wasserständen verschwinden solche Rückzugsorte zunehmend. Der Schweizerische Fischerei-Verband berichtet gemäss WSL bereits von zahlreichen Rettungsabfischungen und aussergewöhnlich hohen Fischsterben.
Ein kräftiges Sommergewitter löst das Problem nicht. Zwar reagieren Bäche und Flüsse vergleichsweise schnell auf Regen. Damit sich auch tiefere Bodenschichten und das Grundwasser erholen, braucht es jedoch länger anhaltende und grossflächige Niederschläge. Zu heftiger Regen kann sogar kontraproduktiv sein: Fällt in kurzer Zeit sehr viel Wasser, kann der Boden nicht alles aufnehmen und ein grosser Teil fliesst oberflächlich ab.
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Kühe müssen früher von der Alp
Auch Nutztiere bekommen die Auswirkungen zu spüren. Auf verschiedenen Alpen sind Wasser und Futter knapp geworden. Etliche Alpbetriebe mussten ihre Kühe deshalb 2026 unerwartet früh ins Tal zurückbringen. Andere Landwirtschaftsbetriebe greifen bereits im Sommer auf Futtervorräte zurück, die eigentlich für den Winter vorgesehen waren. Einzelne Betriebe reduzieren laut WSL aufgrund der angespannten Situation sogar ihre Tierbestände.
Gleichzeitig verschärfen sich die Konflikte um das verbliebene Wasser. Landwirtschaft, Energieproduktion, Trinkwasserversorgung und Natur sind darauf angewiesen. In einigen Regionen gelten deshalb Einschränkungen für die Wasserentnahme aus Flüssen, wodurch landwirtschaftliche Flächen nicht mehr wie gewohnt bewässert werden können.
Langfristig dürfte sich dieses Problem verschärfen. Klimamodelle weisen darauf hin, dass Schweizer Fliessgewässer künftig im Winter tendenziell mehr und im Sommer weniger Wasser führen werden. Ausgerechnet im Sommer ist der Wasserbedarf jedoch besonders hoch.
Regenwürmer gehen in den «Sommerschlaf»
Weniger sichtbar, aber ökologisch ebenso bedeutsam, sind die Folgen unter unseren Füssen. Fehlt dem Boden Wasser, leiden zahlreiche Organismen, die für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar sind. Bakterien, Pilze und Bodentiere bauen organisches Material ab und sorgen dafür, dass Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar werden. Bei starker Trockenheit laufen diese Prozesse nur noch eingeschränkt ab.
Besonders empfindlich reagieren Regenwürmer. Sie sind auf feuchte Böden angewiesen, weil der Gasaustausch über ihre dünne, feuchte Haut erfolgt. Ihr Temperaturoptimum liegt laut WSL bei ungefähr 10 bis 18 Grad. Wird es zu heiss und trocken, graben sie sich tiefer ein, rollen sich zusammen und fallen in eine Art Sommerschlaf, die sogenannte Ästivation.
Dieser Trick funktioniert allerdings nur begrenzte Zeit. Während der Ruhephase nehmen die Tiere keine Nahrung auf, benötigen aber weiterhin Energie für ihren Stoffwechsel. Dauert die Dürre zu lange oder können sie nicht in ausreichend tiefe und feuchte Bodenschichten ausweichen, drohen sie zu verhungern oder auszutrocknen.
Wie gravierend wiederkehrende Dürren sein können, zeigt ein Langzeitversuch der WSL im Walliser Pfynwald: Unter anhaltenden Dürrebedingungen sank dort die Dichte von Regenwürmern und verwandten kleinen Ringelwürmern um das Fünf- bis Achtfache. Wiederholte trockene Sommer können damit die Artenvielfalt im Boden und wichtige Funktionen des gesamten Ökosystems beeinträchtigen.
Auch der Wald leidet
Oberhalb des Bodens sind die Folgen inzwischen ebenfalls unübersehbar. An manchen Orten verfärbten sich Bäume bereits ab Mitte Juni. Besonders Buchen reagieren empfindlich. Unter akutem Trockenstress können sie sogar noch grüne Blätter abwerfen. Damit reduzieren sie zwar den Wasserverlust, verlieren aber gleichzeitig ihre Möglichkeit zur Photosynthese und stellen ihr Wachstum ein.
Die Dürre birgt zudem eine weniger bekannte Gefahr: den sogenannten sommerlichen Astbruch. Bäume können bei anhaltender Hitze und Trockenheit nicht nur Blätter, sondern plötzlich ganze Äste verlieren. Betroffen sein können unter anderem Ahorn, Buche, Eiche, Kastanie und Platane, aber auch Föhren. Tückisch ist, dass die Äste von aussen gesund aussehen können, bevor sie unvermittelt abbrechen.
In Parks und Wäldern sollte man behördliche Warnhinweise deshalb ernst nehmen. Besonders unter grossen alten Bäumen kann das Risiko in stark von der Trockenheit betroffenen Gebieten erhöht sein.
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Die Dürre dürfte kein Ausnahmefall bleiben
Die Folgen des Sommers 2026 reichen damit von den Gewässern über Wiesen und Wälder bis tief in den Boden. Und sie könnten einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben. Seit den frühen 2000er-Jahren treten solche Ereignisse laut WSL gehäuft auf, in den vergangenen zehn Jahren hat sich diese Entwicklung verstärkt.
Hinzu kommt, dass mit schwindenden Gletschern und einer abnehmenden Schneedecke natürliche Wasserspeicher verloren gehen. Gerade während heisser und trockener Sommer konnten Schnee- und Gletscherschmelze fehlende Niederschläge bisher teilweise ausgleichen. Dieser Puffer wird kleiner.
Für Tiere bedeutet das: Lebensräume, in denen Wasser heute selbstverständlich erscheint, können zeitweise zu Mangelgebieten werden. Die Dürre von 2026 zeigt deshalb nicht nur, wie abhängig Landwirtschaft und Energieversorgung vom Wasser sind. Sie macht ebenso deutlich, dass ausreichendes und kühles Wasser eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für die heimische Tierwelt ist.
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