Ziervogellexikon
Gürtelgrasfink: Die Amadine aus der Feuchtsavanne Australiens
Gürtelgrasfinken oder Gürtelgrasamadinen zeichnen sich durch eine pechschwarze Kehle aus. Sie entstammen der gleichen Gattung wie die ähnlich aussehenden Spitzschwanzamadinen. Auch der enge Paarzusammenhalt ist gleich wie bei den Spitzschwanzamadinen.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Poephila cincta
Unterarten: Drei Unterarten in Australien, Nominatform Poephila cincta cincta aus dem östlichen Queensland mit weissem Bürzel; Poephila cincta atropygialis kommt aus dem nördlichen Queensland und bewohnt mit Ausnahme des äussersten Nordens die Cape York Halbinsel; Poephila cincta nigrotecta stammt aus dem nördlichsten Teil der Cape York Halbinsel. Die Unterarten unterscheiden sich nur marginal, hauptsächlich aufgrund der Bürzelfarbe, die bei den beiden Unterarten schwarz ist. In der Schweiz wird lediglich vom Gürtelgrasfink oder der Gürtelgrasamadine gesprochen, nicht von Unterarten, und es wird die Nominatform gepflegt. Die Verbreitungsgebiete der Unterarten überschneiden sich in der Natur.
Herkunft: Nordost-Australien
Grösse: 17 cm
Wildfarbe: schwarze Kehle und ebensolche Zügel, grauer Kopf, Brust rötlichbraun, Flügel dunkelbraun, Schwanz schwärzlich, Füsse rot
Mutationen: verschiedenste Farbformen wie braun, isabell, falbe
Geschlechtsunterschiede: Weibchen gleichen den Männchen, haben aber meistens einen kleineren, respektive schmaleren schwarzen Kehllatz und manchmal sind sie auch allgemein blasser gefärbt. Nur die Männchen singen. Der Kehllatz des Männchens kann als birnenförmig bezeichnet werden.
Ringgrösse: 2,5 mm
Lebenserwartung: bis 10 Jahre
Platzansprüche: Käfig von 1,20 x 0,50 x 1 Meter für ein Paar oder Voliere
Ausstattung: Grasstubben, Schilf, strauchartige Äste, Sand, Badestelle
Stimme: monotone Laute nur durch das Männchen
Haltung: ohne Nistmöglichkeiten sehr verträglich im Schwarm in einer Voliere, zur Zucht paarweise. Nicht mit Maskenamadinen und Spitzschwanzamadinen vergesellschaften.
Herkunft und Geschichte
Der Gürtelgrasfink lebt in feuchten Savannengebieten. Er ist sehr an Wasser gebunden und meidet menschliche Siedlungen. Das führt dazu, dass die Art im Bestand abnimmt. Gürtelgrasfinken leben in dichtem Gras- und Baumbewuchs und in Schilfbeständen an Gewässern. Die Nominatform wurde 1861 erstmals nach England eingeführt und 1869 durch Carl Hagenbeck nach Deutschland. Waren Gürtelgrasfinken zu Beginn, als sie importiert wurden, empfindlich, sind die Bestände heute gefestigt und vertragen auch das Klima in Europa nördlich der Alpen gut. Das heisst, dass sie in Vogelhäusern bei Temperaturen mit 15 °C gehalten werden können. Bei Gürtelgrasfinken werden teilweise deutlich voluminösere Schauvögel gezüchtet. Das ist eine problematische Entwicklung. Es sollte darauf geachtet werden, dass mit Vögeln der Naturform gezüchtet wird und nicht mit übertrieben grossen Vögeln, da diese an gesundheitlichen Problemen leiden können.
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Eignung als Heimtier
Gürtelgrasfinken sind sehr geeignete Pfleglinge, die sich an den Menschen gewöhnen und sogar zutraulich werden. Manche nehmen sogar Leckerbissen aus der Hand. Ihr Gefieder wirkt immer schön und fast seidig.
Erwerb
Gürtelgrasfinken können an Vogelbörsen oder direkt beim Züchter erworben werden. Züchter in der Schweiz sind meist Mitglieder bei den Verbänden Exotis und Ziervögel Schweiz.
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Ernährung und Pflege
Gürtelgrasfinken ernähren sich in der Natur von Grassamen. Sie können mit einem handelsüblichen Mischfutter für Prachtfinken ernährt werden. Darin enthalten ist Silberhirse, Glanz, Japanhirse, Senegal- und Mannahirse. Kolbenhirse rot und weiss mögen sie besonders. In der Zuchtzeit sollte auch ein Keimfutter gereicht werden. Ganz wichtig für Gürtelgrasfinken sind Gräser aus der Natur, die besonders von April bis anfangs Juli erhältlich sind. Auch an Hühnerdarm und Löwenzahn wird gerne herumgepickt. Kalk, Grit und Mineralien zur freien Aufnahme müssen immer vorhanden sein. Ein Eifutter kann sporadisch auch angeboten werden, obwohl die Gürtelgrasfinken meist nicht viel davon aufnehmen. Auch nach Gurke und Apfel picken sie. Als Leckerbissen können gefrostete Pinkymaden und Buffalos gereicht werden. Gürtelgrasfinken brauchen stetig eine Badestelle mit frischem Wasser. Ideal ist, wenn das Wasser mit einem Aquarienfilter bewegt werden kann. Gürtelgrasfinken können sehr gut in einer gemischten Australienvoliere mit anderen Arten gehalten werden, wenn ihnen keine Zuchtmöglichkeiten gewährt werden. Allerdings sollten Masken- und die nahe verwandten Spitzschwanzamadinen nicht mit Gürtelgrasfinken vergesellschaftet werden. Die Gürtelgrasfinken sind in der Regel am Dominantesten und würden die beiden anderen Arten unter Stress versetzten. Zur Zucht sollten sie als Paar immer separiert werden. Vieles bei der Pflege der Gürtelgrasfinken stimmt mit den Angaben bei der Spitzschwanzamadine überein.
Zucht
Das Paar hält eng zusammen. Darum ist es von Vorteil, wenn sich die Paarpartner aus einer Gruppe aussuchen können. Zur Zucht sollte das Paar separat gehalten werden. Ansonsten plündern die Gürtelgrasfinken das Nistmaterial anderer Nester. Sie haben ein starkes Nestverteidigungsverhalten, das in einer Gesellschaftsvoliere für die anderen Arten zum Problem wird. Besonders die Männchen sind dann sehr territorial. Gürtelgrasfinken bauen Nester aus Kokos- und Sisalfasern in ein dichtes Schilfdickicht oder in halb offene, manchmal auch in geschlossene Nistkästen. Die Nester werden mit feinen Gräsern und Federchen ausgepolstert. Das Weibchen legt fünf bis sieben Eier, die während zwölf Tagen bebrütet werden. Wenn das Paar die Jungen füttert, ist es wichtig, dass auch Keimfutter und halbreife Sämereien gereicht werden. Ebenso gehören dann dosiert Pinkys und Buffalos zum Futter. Zu viel des tierischen Eiweisses darf nicht gereicht werden, da es sonst zu Leberschäden führt. Nach einer Nestlingszeit von drei Wochen fliegen die Jungen aus. Die Jungen sollten aber noch sicher fünf Wochen bei den Eltern bleiben können, da sie von ihnen weiterhin betreut und geführt werden. Es ist gut möglich, dass das Paar nachher nochmals eine Brut zeitigt.
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Lustig
Faszinierend ist die enge Zusammengehörigkeit des Paars, das alles zusammen unternimmt, ob baden, Gefiederpflege, Futtersuche oder ruhen. Die Gefiederpflege erfolgt auch gegenseitig, so wie das von Papageien bekannt ist. Bei Prachtfinken ist dieses Verhalten nicht so häufig zu beobachten.
Namensgebung
John Gould (1804 – 1881) führte die Art 1837 in die Wissenschaft ein. Gould half in jungen Jahren seinem Onkel in den königlichen Gärten von Windsor. Er wurde zum bekannten Ornithologen und Tiermaler und unternahm mit seiner Frau und einigen seiner Kinder eine Australienreise. Das lateinische Wort cincta heisst umgürtet.
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Besonderheit
Nicht viele Prachtfinkenarten werden im CITES geführt. Dabei handelt es sich um ein internationales Handelsabkommen für geschützte Tier- und Pflanzenarten, das manchmal auch Washingtoner Artenschutzabkommen genannt wird. Der Gürtelgrasfink ist eine der wenigen Ausnahmen. Er wird auf Liste II geführt. Der Bestand in Australien nimmt ab, sicher auch wegen Lebensraumverlust und dem immer weiteren Vordringen des Menschen in bisher unberührte Natur. Schon lange werden keine wild gefangenen Vögel mehr in die Schweiz eingeführt. Die Listung im CITES hat aber zur Folge, dass bei einem europäischen Grenzübertritt CITES-Papiere für Gürtelgrasfinken vorhanden sein müssen, auch wenn sie schon seit vielen Generationen nachgezüchtet werden.
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