Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Poicephalus meyeri
Unterarten: Sechs Unterarten, die nicht unumstritten sind. In den Überschneidungszonen vermischen sich die Unterarten, die sich durch die Gelbanteile im Gefieder sowie die Ausprägung des dunkelbraunen bis schwarzen Grundgefieders unterscheiden. Darum gibt es bereits in der Natur Mischformen. In Menschenobhut wurden Unterarten in der Zucht oft vermischt. Folgende Unterarten sind derzeit valide: Nominatform Meyers Goldbugpapagei (Poicephalus meyeri meyeri) aus Eritrea, Äthiopien, Südsudan, Zentralafrikanische Republik; Uganda-Goldbugpapagei (Poicephalus meyeri saturatus) aus Uganda, rund um den Victoriasee verbreitet; Ostafrikanischer Goldbugpapagei (P. m. matschiei) aus Kenia, Tansania; Namibia-Goldbugpapagei (P. m. damarensis) aus Namibia und Angola; Südafrikanischer Goldbugpapagei (P. m. transvaalensis) aus Südafrika, Botswana, Simbabwe und Zambia.
Herkunft: siehe oben
Grösse: 21 bis 24 cm
Wildfarbe: grüner Bauch, Hals und Kopf dunkelbraun bis schwarz, Rücken und Flügeldecken dunkelbraun bis schwarz, goldener Bug und Stirne
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 7,0 bis 8,5 mm
Lebenserwartung: über 30 Jahre
Platzansprüche: kombinierte Innen- und Aussenvoliere oder Zimmervoliere mit den ungefähren Massen von 2 Meter Länge x 1,5 Meter Tiefe x Zimmerhöhe
Ausstattung: zahlreiche natürliche Äste, frische, belaubte Äste, Wurzelstock, Badeschale, Bodensubstrat wie Holzschnitzel, Sand, Erde
Stimme: schrilles, hohes Schreien
Haltung: paarweise, im Winter nicht unter 7 °C. Zwei Männchen können auf die Dauer nicht zusammen gehalten werden.

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Herkunft und Geschichte

Das goldbraune, hohe Gras wiegt sich im Wind wie Wellen im Meer. Erste Sonnenstrahlen gleissen am frühen Morgen über die Savanne der Serengeti in Tansania. In diesem Teil des grossen Nationalparks ragen nur ganz vereinzelt kleinwüchsige Akazien aus dem Gras. Die Kopje aber bildet eine Insel im Grasmeer. Dabei handelt es sich um Granitfelsen, die in der Landschaft liegen, als wären sie von Riesen wie Murmeln hingeworfen worden. Rund um diese Felsen gedeihen Büsche, Sträucher und weitere Pflanzen wie etwa der Sandpapierbaum. Charakteristisch sind die Kandelabereuphorbien, die am Fuss der Felsen wachsen und in den Himmel aufragen wie lange, dürre Finger. Auf den Felsen sammelt sich in der Nacht Tau, der herunterrieselt. So wird die Erde um die Felsen, im Gegensatz zur topfebenen Landschaft, intensiver befeuchtet. Ein Grund für die paradiesartig anmutende Vegetation. «Achtung, am Morgen liegen hier oft Löwen», wispert Hussein Iddi beim Verlassen des Fahrzeugs. Der langjährige und erfahrene Safariführer späht auf die Felsen und setzt noch nach: «Am Morgen ist das Gras der Savanne Nass vom Tau, das mögen sie nicht.» Die Grosskatzen würden dann lieber auf den sonnenbeschienenen Felsen warten, bis es trocken werde. Die Luft scheint aber heute rein zu sein. Nur ein hohes, schrilles Kreischen hallt über die Landschaft. Da flattert ein Meyers- oder Goldbugpapagei aus einem Busch direkt auf den Felsen. Das Papageichen stolziert dort herum – und beginnt an etwas zu knabbern. Nun fliegt ein zweiter herbei. Mit dem Fernglas ist zu erkennen, dass die Papageien etwas fressen. Was finden die Krummschnäbel auf diesem nackten Felsen an Nahrung? Später auf dem Felsen oben wird klar, was geschah. Die Vertreter der Gattung der Langflügelpapageien frassen an unverdauten Samen aus dem Kot eines Tieres. Gleichzeitig wieseln nämlich Buschschliefer über den Felsen. Bei Unsicherheit verstecken sie sich in den Ritzen. Handelt es sich um ihren Kot? Sie fressen Samen und Blättern und sehen dem Klippschliefer sehr ähnlich. Identifikationsmerkmal ist ein heller Fellfleck über dem Auge. Später, nach Konsultation verschiedener Spezialisten, stellt sich heraus, dass es sich vermutlich eher um den vertrockneten Kot von Pavianen handelte, den die Meyerspapageien nutzten, um daraus die unverdauten Samen zu knacken. Offenbar machten auch diese Affen auf ihrem Gang durch die Savanne hier Halt.

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Die Savanne ist der typische Lebensraum der Meyerspapageien, ob nun in Eritrea, dem nördlichsten Verbreitungspunkt, oder in Südafrika, dem südlichsten Verbreitungsgebiet. Das Paar bei der Kopje lebt nicht immer dort. Es ist eine Angewohnheit vieler Meyerspapageien, im Gebiet umherzuziehen, immer auf der Suche nach geeigneter Nahrung. Bei Kopjes gibt es stets etwas zum Futtern, wenn manchmal auch nur Samen aus vertrockneter Pavianlosung. Meyerspapageien halten sich auch in Savannenteilen mit weitaus mehr Vegetation auf, beispielsweise im Tarangire-Nationalpark Tansanias. Dort nestelt beispielsweise ein Paar an Samen eines Sandpapierbaums. Die Vögel sind im Blattwerk ausserordentlich gut getarnt. Der Meyerspapagei ist die einzige Papageienart Afrikas, die ein so grosses Gebiet bewohnt. 1855 wurde die Art erstmals im Zoo London gezeigt. Nach Deutschland kamen die ersten Exemplare über die Vogelhändlerin Christiane Hagenbeck im Jahr 1877. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber gelangen vermehrt auch Nachzuchten. Der Züchterin Rosy Heller-Sarasin gelang 1973 die Schweizer Erstzucht innerhalb des Vogelzuchtverbands Exotis.

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Eignung als Heimtier

Meyerspapageien sind ausgezeichnete Volierenvögel. Ihre Stimmen sind zwar hoch und schrill, doch im Vergleich zu anderen Papageienarten nicht so laut. Darum kann auch eine Haltung eines Paars in einer Zimmervoliere gelingen.

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Erwerb

Meyerspapageien sollten direkt beim Züchter erworben werden. Züchter sind meist Mitglieder der Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz. Die Exotis führt auch eine Bestandesliste. Dort ist ersichtlich, wer die Art pflegt und wie viele Jungvögel gezüchtet wurden.

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Ernährung und Pflege

Meyerspapageien in der Natur ernähren sich von Samen, kleinen Nüssen und wenigen Früchten. Ihr Lebensraum, die Savanne, gibt eher spärlich Früchte her. Im Futterhandel gibt es heute Samenmischungen für afrikanische Langflügelpapageien. Sie sind gut geeignet zur Ernährung von Meyerspapageien. Grundsätzlich haben sie einen hohen Energiebedarf. Ein Grundfutter kann wie folgt aussehen: 20 % Sonnenblumenkerne weiss und gestreift, 15 % Kardi, 10 % Hafer, 10 % Weizen, 10 % verschiedene Hirsearten, 10 % Buchweizen, 10 % Pinienkerne, 10 % Melonenkerne, 5 % Leinsamen. Während einigen Monaten im Jahr sollten die Körner auch gekeimt gereicht werden, denn der Keimprozess setzt wichtige Vitamine frei. Essenziell ist auch ein reichhaltiges Angebot an Gemüse und Früchten, wenn sie dies im Lebensraum auch nur spärlich finden. Weiter bereichern Gaben aus der Natur den Speiseplan wie Holunder und Gräser. Sepiaschalen decken den Bedarf an Kalk. Zudem sollten Grit, Mineralien und pulverisierter Kalk stets zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen.

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Zucht

Interessanterweise neigen Meyerspapageien dazu, eher in Boxen zu züchten. Der Züchter Serge Nussbaumer aus Bevaix (NE) hielt Meyerspapageien, sowie andere Vertreter der Langflügelpapageien, in herkömmlichen Volieren – ohne grosse Zuchterfolge. Sobald er sie aber in Boxen in einem dunkleren Raum setzte, schritten sie zur Brut, dies meist im Winter. Ein absoluter Spezialist für Langflügelpapageien war Rudi Kock aus Heist nördlich von Hamburg. Leider ist er zwischenzeitlich verstorben. In seinem Hintergarten betrieb er 30 Jahre lang eine Zucht ausschliesslich mit Unterarten der Meyerspapageien. «Sie gefallen mir am besten», sagte er. Darum werfen wir hier einen Blick in seine ehemalige Anlage: Ein Gang führte in ein Vorzimmer, das Kock als Futterküche und Werkstatt nutzte. Weiter folgten linkerhand die Innenabteile seiner Papageienvolieren. Die Innenvolieren massen 1,55 x 1,15 x 2 Meter. Vom Gang aus wurden sie mit Fluoreszenröhren beleuchtet. Die Temperatur wurde im Winter auf 10 °C gehalten. Das Vogelhaus wurde über die gleiche Heizung wie das Wohnhaus erwärmt. Rudi Kock sagte: «Da die afrikanischen Papageien im Winter brüten, habe ich in allen Nistkästen Nistkastenheizungen. Meistens zeitigen meine Paare aber im Sommer und im Dezember je ein Gelege.» Diese Brutfreudigkeit in allen Jahreszeiten schien darauf zurückzuführen zu sein, dass Meyers Papageien mit ihrem ungefähr 4400 Kilometer in der Nordsüdausdehnung und ca. 2400 Kilometer in der Westostausdehnung extrem grossen Verbreitungsgebiet in Afrika zu allen Jahreszeiten brüten. Zudem sind sie von 200 bis zu 2200 Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Das schreiben Dieter Hoppe und Peter Welcke in ihrem Buch «Langflügelpapageien», das 2006 im Ulmer-Verlag, Stuttgart, erschien. Innen reichte der Papageienliebhaber Kock das Futter in drehbaren Futtertüren. Er fütterte ein trockenes Körnergemisch von Versele Laga für afrikanische Papageien und meistens Äpfel. «Ich bin nicht so sehr ein Früchteliebhaber», sagte er, der mit dieser Fütterungsmethode langfristigen Erfolg hatte. Lediglich noch Eifutter reichte er zusätzlich.

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Bei Rudi Kock brüteten die Meyerspapageien in herkömmlichen länglichen Bretternistkästen. Der Züchter Serge Nussbaumer verwendete fünfeckige, hochformatige Kästen. Als Nistkasteneinlage eignen sich Buchenholzschnitzel oder Sägespäne. Meistens werden drei Eier gelegt. Nach Ablage des zweiten Eis beginnt das Weibchen mit dem Brüten. Die Brutdauer liegt bei gut 27 Tagen, die Nestlingszeit liegt bei etwa 11 Wochen. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch etwa fünf bis sechs Monate von den Eltern gefüttert, während sie zur selbständigen Ernährung übergehen.

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Lustig

Bei der Balz lässt das Männchen die Flügel hängen, wobei der goldgelbe Bug leuchtet. Es schnalzt, trippelt und dreht sich auf der Sitzstange hin und her. Nach Möglichkeit, respektive wenn es das Weibchen will, übergibt ihm das Männchen nun Futter, das es hervorwürgt. Nach diesem Prozedere kann eine Paarung erfolgen.

Namensgebung

Der Meyerspapagei wurde nach Dr. Bernhard Meyer benannt. Er war Förderer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Deutschland und Mitverfasser des 1805 erschienenen Werks «Naturgeschichte der Vögel Deutschlands». Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1827 durch Philipp Jakob Cretzschmar, den Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft.

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Besonderheit

Die Farbgebung der Unterarten der Meyers Papageien in verschiedenen Altersstadien sind komplex. So hat Rudi Kock festgestellt, dass sie teilweise anders gefärbt sind, wenn sie jung sind. Beim Ostafrikanischen Meyers Papagei beispielsweise sind die Flügelunterseiten beim Weibchen gelb gefärbt. Wenn es erwachsen ist, verliert sich diese Färbung. Er konnte bei Jungvögeln dieser Unterart auch die Geschlechter unterscheiden. «Wenn nur die Federspitzen unter den Flügeln gelb sind, dann handelt es sich um ein Männchen», sagte der Kenner und erklärte, wie sich die Unterart Saturatus von den übrigen unterscheidet. Damit ist der Uganda Meyerspapagei gemeint. Er hat eine grasgrüne Brust und verschiedene gelbe Federn am Kopf. Kock wusste auch, dass junge Ostafrikanische Goldbugpapageien Gelb am Oberflügel haben, die Angola-Goldbugpapageien aber als Jungvögel kein Gelb aufweisen. «Erst wenn sie 13 bis 14 Monate alt sind, zeigen sich gelbe Federchen», sagte Kock, der auch Mischlinge erkannte, die es leider oft gibt bei den Goldbugpapageien. Dazu sagte er beispielsweise: «Wenn das Gelb am Oberflügel bei jungen Ostafrikanische Meyers Papageien verwaschen ist, dann handelt es sich um Hybriden.» Höchst erstaunlich ist auch, dass die Namibia-Meyers Papageien nach den Beobachtungen Kocks erst nach sieben Jahren gelb am Kopf ausbilden.

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Grundsätzlich hatte Rudi Kock festgestellt, dass Jungvögel, die er von Hand aufzog, dunkler im Gefieder waren. Normalerweise liess er aber seine Altvögel die Jungen selber aufziehen. Wenn sie selbständig waren, etwa im Alter von fast einem halben Jahr, hielt er sie zusammen im Schwarm. Das ging jeweils während zwei bis drei Jahren gut. «Die Geschwisterpaare schlafen immer zusammen», sagte der gute Beobachter. Er wusste aber auch, dass die Gemeinschaftshaltung zeitliche Grenzen hat: «Wenn die Männchen zwei bis drei Jahre alt sind, muss ich sie trennen, denn sonst beissen sie sich tot.»