Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Loriculus galgulus
Unterarten: keine
Herkunft: Thailand, Malaysia, Singapur und Teile Indonesiens wie Sumatra und Borneo
Grösse: 12 cm
Wildfarbe: grünes Grundgefieder, blaues Krönchen, purpurroter Kehlfleck und Rumpf
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: Bei den Weibchen ist das Krönchen wässrig blau und der purpurrote Kehlfleck fehlt ganz. Sie sind vornehmlich grün befiedert.
Ringgrösse: 4 mm
Lebenserwartung: Dr. Peter Dollinger erwähnt im Zootierlexikon ein Höchstalter von 21 Jahren. Ein Durchschnittsalter könnte zwischen 10 und 15 Jahren liegen.
Platzansprüche: Vitrine oder Boxe von ca. 1,20 x 0,50 x 1 Meter für ein Paar oder Voliere von 2 x 1 x 2 Meter für eine kleine Gruppe.
Ausstattung: zahlreiche Äste, immer auch belaubt während der warmen Jahreszeit, Lianen.
Stimme: hohe, wispelnde und zischelnde Laute
Haltung: paarweise oder als Gruppe. Die Art ist sehr sozial.

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Herkunft und Geschichte

Welch ein Glück, ein Blaukrönchen in seiner natürlichen Umgebung zu sehen! Ein solch kleines Papageichen im Grün von Baumkronen auszumachen ist fast unmöglich, denn sein Gefieder schillert ebenso frisch Grün wie das Laub tropischer Bäume. Obwohl es in Singapur im Botanischen Garten grosse Pflanzenparadiese gibt und Blaukrönchen eigentlich in diesem Gebiet leben ist es doch sehr schwierig, sie dort zu sehen. Sie klettern meist in den Ästen der Kronenschicht, und wenn sie sich zum Ruhen oder Schlafen kopfüber daran aufhängen, werden sie gänzlich unsichtbar. Meist sind mehrere von ihnen unterwegs. 

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Sie kommen von Wäldern in Meeresnähe bis in Gebirgswälder auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel vor. Bereits 1869 wurden Blaukrönchen erstmals im Zoo von London gezeigt. Importierte Vögel wurden aber nie alt, da sie nicht richtig ernährt wurden und darum schnell verstarben. Blaukrönchen züngeln Nektar und Pollen aus Blüten und naschen von Früchten in Baumkronen. Manchmal nehmen sie auch das Mesokarp von Nüssen. Erst rund 100 Jahre nach dem Erstimport gelang in Deutschland die Erstzucht. 1975 gelang sie erstmals in der Schweiz der Züchterin Frieda Augsburger. Sie beschrieb die Haltung und Zucht im «Gefiederter Freund», der Verbandszeitschrift des Vogelzuchtverbands Exotis. Auch in ihrer Heimat sind Blaukrönchen beliebte Käfigvögel. 

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Eignung als Heimtier

Blaukrönchen sind nur für Spezialisten geeignet. Ihre Ernährung ist anspruchsvoller als diejenige eines Körnerfressers, da sie zweimal täglich erneuert werden muss. Sie hat auch zur Folge, dass der Kot von Blaukrönchen dünnflüssig ist. Das heisst, dass die Unterbringung entsprechend sein muss. Scheiben oder Wände müssen täglich abgewaschen werden können. Aus Holz hergestellte Volieren eignen sich überhaupt nicht für Blaukrönchen. Wer eine entsprechende Vitrine bauen oder errichten lassen kann, die auch ausreichend Frischluftzufuhr erhält, kann darin Blaukrönchen pflegen. Er hat mit diesen Papageichen eine äusserst interessante Art in Pflege.

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Erwerb

Blaukrönchen werden nicht oft gehalten und können in der Schweiz nur über Spezialisten gefunden werden. Sie sind meist Mitglieder von Vogelzuchtverbänden wie der Exotis oder von Ziervögel Schweiz. 

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Ernährung und Pflege

Blaukrönchen müssen vielseitig ernährt werden. Lorinektar muss stets flüssig zur Verfügung stehen. Es gibt heute kommerzielle Produkte im Futterhandel, die entsprechend mit handwarmem Wasser angerührt werden können. Auch Pollen gehören zur Nahrung. Kleingeschnittene Früchte wie Apfel, Birne, Mango, Papaya, Trauben und viele weitere Sorten, Gemüse sowie Keimfutter bereichern den Speiseplan. Blaukrönchen sind auch Insektenfresser. Aus morschen Baumhöhlen holen sie Kerbtiere. Darum ist ein Futter für Insektenfresser angebracht. Als Leckerbissen verspeisen sie gerne Wachsmotten. 

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Da das flüssige Lorifutter schnell verderben kann, sollte es zweimal täglich frisch vorgesetzt werden. Es sollte auch mit einem Nektarprodukt ergänzt werden. Mineralien und Kalk müssen zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Blaukrönchen benötigen zahlreiche Äste zum Klettern und sollten auch regelmässig belaubte Äste aus dem Wald erhalten. Sie können in Wasser eingestellt werden. So hält sich beispielsweise das Buchen- und Ahornlaub länger. Blaukrönchen lieben es, im Blattgrün herumzuklettern. Es sollte regelmässig besprüht werden. Blaukrönchen bevorzugen es, in den nassen Blättern zu baden, da sie nur sehr ungern den Boden aufsuchen. Eine Wasserschale gehört allerdings ebenfalls in ihre Voliere. Blaukrönchen sollten schon aufgrund ihrer Ernährung bei mindestens 15 °C gehalten werden. 

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Zucht

Blaukrönchen können in grösseren Volieren auch zu mehreren Paaren gepflegt werden. Es kristallisiert sich meist ein dominantes Paar heraus, das sich dann den besten Nistkasten aussucht. Es ist aber kaum so, dass das dominierende Paar andere wegjagen würde. So war es auch in der Voliere am Mythenquai in Zürich, wo seit 1985 ununterbrochen Blaukrönchen gehalten werden. Drei Paare lebten in einer vitrinenartigen Voliere im Innenraum. Die langjährige Leiterin der Voliere, Elisabeth Schlumpf, berichtet, dass sich das dominantere Paar den Nistkasten aussuchte und zuerst mit der Brut begann. Sie erzählt: «Kaum war das dominante Paar beschäftigt mit der Eiablage und das Männchen mit dem Aufpassen und Füttern des Weibchens, belegte das zweite Zuchtpaar den freien Nistkasten.» Elisabeth Schlumpf konnte nie auch nur die kleinste Aggression zwischen den Männchen beobachten, und dies bei einem Nistkastenabstand von nur gerade mal etwa 50 Zentimeter! Manchmal hätten die Männchen sogar gegenseitig die Nisthöhlen betrachtet. 

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Das Weibchen kommt einmal am Tag aus dem Kasten, um Kot abzusetzen und um Futter aufzunehmen. Das Männchen wartet auf diesen Moment mit grosser Freude, präsentiert sich von seiner schönsten Seite und übergibt dem Weibchen Wachsmottenlarven, die es vorher in seinem Kropf zu Brei verarbeitet hat. Das festigt die Paarbeziehung. Das Weibchen bebrütet die drei bis vier Eier während 18 bis 22 Tagen. Elisabeth Schlumpf hat beobachtet, dass das Männchen während des Schlupfs der Jungen sehr nervös wird und immer wieder zum Kasten hereinäugt. Das Männchen füttert nun seine Partnerin durch das Einflugloch sehr intensiv. Elisabeth Schlumpf hat beobachtet, dass es auch in den Nistkasten zu den Jungen schlüpft. Die Nestlingszeit dauert 27 bis 31 Tage. Grundsätzlich meiden Blaukrönchen den Boden, und so sind auch die Jungen sehr bemüht, nach dem ungeschickten Ausfliegen sofort vom Boden in die Höhe zu klettern. Wichtig sind darum in dieser Phase Äste, die bis auf den Boden reichen. Sind noch andere Jungvögel in der Voliere von Vorbruten oder von Bruten anderer Paare, helfen sie nun, die frisch ausgeflogenen Jungen zu füttern. Jungvögel sehen aus wie Weibchen mit Ausnahme des Schnabels, der im Jugendstadium noch elfenbeinfarben ist, anstatt schwarz, und sich im Verlauf des ersten Lebensjahrs umfärbt. Männchen färben so ungefähr ab dem zehnten Lebensmonat um. Das heisst, dass sich in dieser Zeit die ersten roten Federn an der Kehle zeigen.

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Lustig

Während der Balz können die Männchen die purpurroten Kehlfedern hervorstülpen. Sie zeigen sich damit dem Weibchen von ihrer besten Seite und signalisieren, dass sie vor Gesundheit strotzen. Ein solches Männchen sieht spektakulär aus. Weibchen nagen Rinde und Blätter ab und tragen sie im Gefieder, meist in den Flügeln, in den Nistkasten ein, gleich wie manche Agapornidenarten, etwa Rosenköpfchen und Taranta-Papageien. Dieses Verhalten und die ähnlichen Proportionen lassen auch die Vermutung zu, dass die beiden Altweltgattungen Loriculus und Agapornis eine weite Verwandtschaft aufweisen. 

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Namensgebung

Carl von Linné beschrieb das Blaukrönchen erstmals 1758 wissenschaftlich. Der Schwede Carl von Linné begründete das zoologische System der Nomenklatur. Das Blaukrönchen wurde aber bereits durch den englischen Ornithologen und Tiermaler George Edwards in einem Werk, das zwischen 1743 und 1764 erschien, abgebildet. Die Gattung Loriculus wurde 1850 durch den in Kalkutta tätigen englischen Zoologen Edward Blyth begründet. 

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Besonderheit

Blaukrönchen hängen sich zum Ruhen und Schlafen kopfüber auf. Das erklärt auch den deutschen Überbegriff Fledermauspapageien. Sie gehören nämlich zur Gattung der Fledermauspapageien (Loriculus). In dieser Gattung werden 14 Arten geführt. Blaukrönchen können in der Schweiz in zwei öffentlichen Sammlungen beobachtet werden. Im Vogelhaus des Zoo Basel fliegen sie frei in der Halle. Im Hintergrund werden sie in Volieren gezüchtet. Auch im Innenraum der Voliere am Mythenquai in Zürich werden Blaukrönchen gehalten und gezüchtet. Der Innenraum ist meistens zwischen 10 und 12 Uhr sowie 14 und 16 Uhr geöffnet. Die Blaukrönchenfamilie lebt in einer Vitrine. Es ist besonders schön, dass dieser besondere Kleinpapagei Asiens, der sich zum Schlafen kopfüber aufhängt wie eine Fledermaus, in zwei öffentlichen Anlagen in der Schweiz bewundert werden kann. 

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