Ziervogellexikon
Lachtaube: Seit Jahrtausenden Gefährtin des Menschen
Lachtauben sind von alters her Begleiter des Menschen. In der Schweiz sind sie aber als sanfte und interessante Heimtiere etwas in Vergessenheit geraten. Das ist schade, denn es handelt sich um ideale Heimvögel. Eine intelligente Taube mit grosser Geschichte.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Streptopelia roseogrisea
Unterarten: zwei, Streptopelia roseogrisea roseogrisea Nominatform von Mauretanien bis Äthiopien; Streptopelia roseogrisea arabica von den Küstengebieten Eritreas bis nach Arabien
Herkunft: weite Teile des nördlichen Afrikas, arabische Halbinsel
Grösse: 30 cm
Wildfarbe: dunkelgrau, bräunlich bis weisslich
Mutationen: zahlreiche wie gescheckt, geperlt, isabell, grau, pastell
Geschlechtsunterschiede: äusserlich kaum, jedoch unterscheiden sich die Geschlechter im Verhalten. Das Balzverhalten der Männchen ist typisch.
Ringgrösse: 6,5 mm
Lebenserwartung: über 20 Jahre
Platzansprüche: für ein Paar 1,5 x 0,5 x 1 Meter oder besser Zimmervoliere
Ausstattung: verschiedene Naturäste, Lachtauben freuen sich über belaubte Äste aus der Natur.
Stimme: Gurren, das an ein Lachen erinnert
Haltung: paarweise, sind auch frostverträglich. Besser ist eine frostfreie Unterbringung im Winter.
Herkunft und Geschichte
Lachtauben haben eine Jahrtausende alte Geschichte in Menschenhand. Sie wurden im arabischen Raum domestiziert. Manche Quellen nennen auch Indien als Land, wo sie seit dem Altertum gehalten werden. Gut möglich, dass sie vor tausenden von Jahren bereits über Handelswege nach Indien gelangten. Die Taube hat eine hohe symbolische Bedeutung in den der im arabischen Raum entstandenen monotheistischen Religionen wie dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Im Alten Testament der Bibel steht, dass Noah während der Sintflut aus der Arche dreimal eine Taube fliegen liess. Beim ersten Mal kehrte sie zu ihm zurück, beim zweiten Mal flatterte sie mit einem Olivenzweig im Schnabel zurück, beim dritten Mal kam sie nicht mehr. Ein Zeichen für Noah, dass wieder Land vorhanden war und die Flut ein Ende hatte. Im Neuen Testament symbolisiert die Taube den Heiligen Geist. Gut möglich, dass es sich bei diesen Beschreibungen um Lachtauben gehandelt hat. Sie werden nämlich zutraulich. Diese Eigenschaft sowie die Sanftheit und das feine, filigrane Aussehen der Lachtauben haben wohl dazu geführt, dass sie schon im Altertum zu einem beliebten Ziervogel wurde. Ihre Geschichte in Menschenhand ist dermassen lang und traditionsreich, doch die Art scheint in der Ziervogelhaltung vergessen zu sein. Lachtauben werden in der Schweiz kaum je als Ziervögel gehalten. Das ist schade, denn sie eignen sich sehr gut dazu und bereiten viel Freude. Wilde Lachtauben sehen der Türkentaube sehr ähnlich. Unter Menschenobhut werden aber meistens Zuchtformen gehalten mit farblich verändertem Gefieder. Nach Europa gelangten Lachtauben erst spät. 1903 wurde die Art erstmals in Europa im Berliner Zoo gezeigt. Die Lachtaube bewohnt in ihrem Lebensraum trockene Gebiete wie Halbwüsten, Steppen und ausgetrocknete Flusstäler.
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Eignung als Heimtier
Lachtauben eigenen sich sehr gut als Heimtiere. Sie sind friedfertig untereinander und nicht laut, so dass Nachbarn nichts von ihnen hören. Ihr Ruf erinnert an das Lächeln von Damen. Die Ernährung dieses Körnerfressers ist einfach. Durch das Aufbrechen neuer Kiele und das Herumflattern entwickelt sich Staub, wie das bei der Vogelhaltung grundsätzlich der Fall ist. Die paarweise Haltung im Käfig gelingt gut. Die Tauben sollten dann täglichen Freiflug in der Wohnung erhalten. Wenn sie nur im Käfig gefüttert werden, kehren sie immer wieder dorthin zurück.
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Erwerb
Es ist nicht verständlich, warum Lachtauben nicht auch zum Angebot in Zoohandlungen gehören und in der Schweiz dermassen selten sind, denn es sind vorzügliche Heimtiere. Es ist gar nicht so einfach, zu Lachtauben zu kommen. Spezialisierte Mitglieder von Ziervögel Schweiz pflegen die Art aber und stellen sie auch aus. Die Lachtaube wird nämlich nicht zu den Rassetauben, sondern zu den Wildtauben und somit zu den Ziervögeln gezählt.
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Ernährung und Pflege
Pierre-Alain und Madeleine Leutwiler aus Cressier (NE) schwärmen für die Lachtauben. Sie hielten früher Sittiche und Papageien. Als sie ein Paar Lachtauben erhielten, waren sie so begeistert von dieser Art, dass sie die Haltung auf Wildtaubenarten umstellten. In ihren über 30 Volieren pflegen sie heute viele Mutationen der Lachtauben. Diese Art bildet fortan den Hauptteil ihrer Wildtaubenhaltung.
Für Wildtauben gibt es im Handel ein spezielles Futter. Es besteht meist aus Hirse, Weizen, Wicken, Spitzsaat und etwas Hanf. Die Tauben schlucken die Sämereien ganz. Wildtauben nehmen kein Grünfutter auf und kaum Früchte, ausser Trauben, die von einigen Exemplaren genommen werden. Während der Zuchtzeit sollten sie in einer separaten Schale ein kommerzielles Eifutter erhalten. Der Wildtaubenzüchter Pierre-Alain Leutwiler hat gute Erfahrungen mit dem Verfüttern eines Futters für Insekten fressende Vögel gemacht, das er auf den Boden streut. «Die Tauben nehmen es dort gerne auf. Es ist sehr gut für ihre Kondition», sagt er. Wenn er es in einer Schale neben dem Körnerfutter reicht, akzeptieren sie es aber nicht. Im Sommer wird Knoblauch in das Trinkwasser gegeben. Das wirkt gegen Würmer. Gut ist auch eine Badeschale. Taubensteine und Grit zur stetigen freien Aufnahme sind eine Selbstverständlichkeit. Lachtauben benötigen Steinchen für ihren Muskelmagen. Mit den Steinchen werden die ganz geschluckten Körner zerrieben. Lachtauben sind Sonnenanbeter. Tauben, welche in Innenräumen gehalten werden, sollte eine Lampe, die Wärme in Verbindung mit ultraviolettem Licht abgibt, installiert werden. Lachtauben setzen sich gerne darunter, sträuben das Gefieder und profitieren von Wärme und Licht und UV-Strahlen. Sie nehmen auch gerne ein Staubbad in trockenem Sand. In einer Zimmervoliere können sogar verschiedene Exemplare unterschiedlichen Geschlechts harmonisch zusammen leben.
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Zucht
Ein Lachtaubenpaar züchtet auch in einem Käfig und zieht bereitwillig die Jungen auf. Als Nest sollte ein Korb zur Verfügung gestellt werden, rät der Spezialist Pierre-Alain Leutwiler. «Es ist wichtig, dass er gross genug ist, sonst klappt es nicht.» Die Lachtauben sind nicht anspruchsvoll punkto Nestunterlage. Leutwiler verwendet halbierte Holznistkästen, in welche die Tauben ein loses Nest aus wenigen Zweigen bauen. Als Nestunterlage gibt ihnen der Taubenzüchter Heu. «Ich forme bereits eine Nestmulde vor», sagt er. Lachtauben legen immer zwei Eier, die Brutzeit dauert 18 bis 21 Tage und die Nestlingszeit 21 Tage. Drei Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungen selbständig. Die Jungen haben die Äuglein von Anfang an offen und sollten zwischen fünf bis sieben Tagen beringt werden. Pierre-Alain Leutwiler lässt nicht mehr als zwei Jahresbruten zu, um die Vögel nicht zu sehr auszulaugen.
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Lustig
Ein hohes, etwas affektiertes Lachen tönt aus einem Garten am Jurahang in Cressier (NE) zwischen dem Bieler- und dem Neuenburgersee. Sitzt da eine sommerliche Runde Damen zusammen, die es besonders lustig hat? Oder mokieren sich die Frauen übereinander? Nein, mitnichten! Es ist das Reich von Pierre-Alain und Madeleine Leutwiler, die sich intensiv der Haltung und Zucht der Lachtaube widmen. Diese Taube hat den Namen nicht von ungefähr erhalten. Tatsächlich sind ihre angenehmen Lautäusserungen dem vornehmen Lächeln einer Frau ähnlich.
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Namensgebung
Die Lachtaube wurde 1857 durch den schwedischen Zoologen Carl Jakob Sundevall erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Artbezeichnung roseogrisea bedeutet vom Rosa ins Grau übergehend. Der Gattungsname Streptopelia wurde 1855 von Prinz Charles Lucien Bonaparte eingeführt.
Besonderheit
Tauben fliegen in Stadtparks, sitzen auf Kirchtürmen und in Bahnhofhallen. Aber Tauben in der Wohnung halten? Daran denken die wenigsten. Tauben führen ein stiefmütterliches Dasein, nicht nur bei Vogelzüchtern, sondern auch bei Ornithologen. Der Volksmund spricht lediglich von Tauben. Dass es eine Vielzahl an Arten weltweit gibt, ist nur wenigen bekannt. Die Lachtaube ist nur eine davon
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