Am 25. Oktober wird die Uhr wieder eine Stunde zurückgestellt.Mit der Umstellung auf die Normalzeit wird es abends früher dunkel. Wer bisher noch bei Tageslicht nach Hause fuhr, ist nun bereits in der Abenddämmerung unterwegs – genauso wie viele Wildtiere auch. Rehe, Hirsche und Wildschweine sind zu dieser Zeit des Tages besonders aktiv und machen sich auf die Futtersuche, welche nicht selten über Strassen führt. «Die meisten Wildunfälle ereignen sich in Strassenabschnitten mit Wildwarnschildern während der Dämmerungsphase zwischen 5 bis 8 Uhr morgens und 17 bis 22 Uhr abends», wie der Touring Club Schweiz (TCS) in seinem Wildcrashtest warnt.
Die Zeitumstellung findet zudem in einer Jahreszeit statt, in der viele Tiere besonders gefordert sind. Sie bereiten sich auf den Winter vor, bauen Fettreserven auf, suchen nahrungsreiche Gebiete und unternehmen je nach Art teils grössere Wanderungen. Besonders tückisch sind nun Wald- und Feldränder. Dort können Tiere urplötzlich auf die Fahrbahn treten. Wer ein Tier sieht, sollte mit weiteren rechnen. Rehe und Hirsche sind häufig nicht allein unterwegs. «Auf ein Reh oder einen Hirsch folgt meist ein zweites oder drittes Tier», weist der TCS hin.
Mehr als die Hälfte stirbt im Strassenverkehr
Laut Eidgenössischer Jagdstatistik wurden 2024 bei den erfassten Wildarten 19’342 Tiere registriert, die im Strassenverkehr ums Leben kamen. Insgesamt erfasste die Statistik 37’346 Fälle von Fallwild. Über die Hälfte der Tiere davon verendete also im Strassenverkehr – lediglich bei 5172 Tieren wurde eine natürliche Todesursache registriert. Am häufigsten traf es Rehe mit 8023 Tieren, gefolgt von 6916 Füchsen und 3140 Dachsen. Über 90 Prozent machen diese drei Arten aus. Seltener fallen in der Statistik Wildschweine, Feldhasen, Hirsche und Gämsen dem Verkehr zum Opfer. Die Zahlen können jedoch trügen: Erfasst werden nur gemeldete Fälle. Tiere, die nach einer Kollision verschwinden und nicht gefunden werden, fehlen in der Statistik. Die tatsächliche Zahl der Verkehrsopfer dürfte deshalb höher liegen.
Nicht nur der Verkehr, sondern unsere gesamte Infrastruktur an Strassen und Schienen stellt für Wildtiere ein Problem dar. Die Verkehrswege zerschneiden Wanderachsen und erschweren den Tieren den Wechsel zwischen ihren Lebensräumen. Das BAFU spricht dabei von «unüberwindbaren Barrieren» für viele wildlebende Tiere. Wildtierkorridore, Brücken und Unterführungen sollen solche Verbindungen wiederherstellen oder erhalten und so auch die Sicherheit auf vielen Strassen für uns selbst erhöhen. Taucht plötzlich ein Reh im Scheinwerferlicht auf, geht es nämlich um Sekunden. Der erste Reflex vieler dürfte sein, dem Tier auszuweichen. Genau davon rät der TCS jedoch ab. Ein kontrolliertes Bremsmanöver ist in der Regel sicherer als ein abruptes Ausweichen in den Gegenverkehr, den Strassengraben oder gegen einen Baum.
Im Wildcrashtest hat der TCS die Folgen eines Zusammenstosses mit einem 55 Kilogramm schweren Hirschdummy untersucht. Dabei zeigte sich, dass ein Ausweichmanöver weit schlimmere Folgen haben kann als die direkte Kollision mit dem Tier. «Riskante Ausweichmanöver stellen für den Fahrzeuglenker, die Insassen und die übrigen Verkehrsteilnehmer die grössere Gefahr dar», hält der TCS fest. Wer in einem Gebiet unterwegs ist, das mit Wildwechsel ausgeschildert ist, sollte angepasst fahren – gerade bei Dämmerung. Das bedeutet: Geschwindigkeit reduzieren, den Fahrbahnrand im Blick behalten und bremsbereit fahren. Wildwarnschilder stehen nicht zufällig an den jeweiligen Standorten, sondern weisen auf Strecken hin, an denen Tiere regelmässig die Strasse queren. An besonders gefährdeten Stellen setzt man heute zusätzlich auf technische Hilfe. An besonders gefährdeten Stellen kommen zunehmend technische Warnsysteme zum Einsatz. Je nach System erkennen Sensoren Wildtiere in Strassennähe und warnen herannahende Autofahrende beispielsweise mit blinkenden Signalen. Andere Systeme arbeiten mit akustischen Reizen. Ziel ist es, die Zahl der Kollisionen zu reduzieren, ohne wichtige Wildwechsel dauerhaft zu unterbrechen.
Der Bann des Lichts
Auch das Fernlicht will mit Bedacht eingesetzt werden. Starkes Licht kann Wildtiere irritieren und desorientieren. Wer ein Tier auf oder neben der Fahrbahn entdeckt, sollte deshalb abblenden. Taucht Wild auf, gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren, abzubremsen und die Fahrspur zu halten. Und wenn es doch einmal kracht? Dann muss nach Art. 51 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes der Unfall der Polizei gemeldet werden. Wer den Unfall nicht meldet, macht sich strafbar, auch wenn das Tier nach der Kollision davonlaufen kann. Ein Reh, das von der Fahrbahn rennen oder noch auf den eigenen Beinen stehen kann, kann sich auch schwer verletzt haben. Unter Umständen stirbt es später qualvoll an den Folgen der Kollision. Die Meldung ist daher auch in diesem Fall wichtig und ermöglicht die Suche nach dem Tier. Für die betroffenen Autofahrenden geht es zudem um die Versicherung. Schäden durch eine direkte Kollision mit einem Wildtier sind in der Schweiz grundsätzlich über eine entsprechende Teilkaskoversicherung gedeckt. Bei Schäden, die infolge eines Ausweichmanövers entstehen, kann die Deckung anders aussehen und hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab. Nach einem Unfall sollte deshalb neben der Polizei auch die Versicherung informiert werden.
Der TCS empfiehlt:
Beim Auftauchen eines Tieres
- Licht auf Abblendung schalten; starkes Licht irritiert das Tier
- Geschwindigkeit verringern und falls möglich das Tier durch Hupen verscheuchen
- Wenn ein Tier die Fahrbahn überquert, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass noch weitere folgen
Beim Zusammenprall mit einem Wildtier
- Maximale Bremsleistung
- Lenkrad gut festhalten
- Fahrspur halten
- Auf panikartige und riskante Ausweichmanöver verzichten
Nach einem Wildunfall
- Warnblinker einschalten
- Unfallstelle mit Pannendreieck sichern
- Polizei benachrichtigen. Wildunfälle sind meldepflichtig. Die Polizei bietet die entsprechenden Fachleute auf
- Sich dem Tier nicht nähern
- Auf Polizei, Wildhüter, Jäger oder Tierarzt warten

