Der Frühstückstisch ist gedeckt, das Weggli mit feiner Konfitüre bestrichen – und plötzlich gesellt sich summend ein störender Gast zu Tisch. Eine Fliege schwirrt um den Leckerbissen und macht ihn streitig. Im Gegenzug eine wischende Handbewegung durch die Luft und sie ändert ihren Kurs. Nun fliegt sie das Glas mit dem Orangensaft an. Erneut wird versucht, sie vom «Zmorge» zu verscheuchen – vergeblich. Hartnäckig versucht sie, alles Mögliche anzufliegen, unter anderem die geplagte Person, die doch einfach nur gemütlich frühstücken will. Berührungsängste sind ihr scheinbar fremd! Kein Wunder, schmeckt sie doch mit ihren Füssen, an denen sich ihre Geschmacksrezeptoren befinden. Sobald auf etwas Passendem gestanden wird, wird der Rüssel ausgefahren und geschlürft.

Gerade die Stubenfliege sucht unsere Nähe. Sie lebt dort, wo Menschen, Tiere und organisches Material zusammenkommen: in Küchen, Ställen, bei Abfalltonnen oder Komposthaufen. Mist, Lebensmittelreste, Abfälle, Fäkalien – die Liste ihrer Ziele darunter geht noch weiter und ist lang. Viele davon können jedoch mit Bakterien und Pilzsporen übersät sein. An ihren Beinen und am Körper bleiben sie demzufolge haften. Landet die Fliege auf unserer Mahlzeit, überträgt sie die potenziellen Krankheitserreger. Dazu zählen auch Erreger wie Salmonellen oder andere Keime, welche Lebensmittel schneller verderben lassen.

Verhindern lässt sich dies nur schwer. Flink weicht sie unseren Fängen aus, besitzt sie doch jeweils über 3000 Einzelaugen in ihren beiden Facettenaugen. Mit diesen nimmt sie Bewegungen extrem schnell wahr und erkennt eine drohende Gefahr oft, bevor die geschwungene Hand überhaupt in ihre Nähe kommt. Auch ihr Flug ist beeindruckend: Eine Stubenfliege schafft etwa bis zu 150 Flügelschläge pro Sekunde, kann abrupt die Richtung wechseln und reagiert mit blitzschnellen Ausweichmanövern sowie enormer Beschleunigung. Ihre Vermehrung ist ebenso zügig: Ein Weibchen legt etwa 70 bis 150 weisse längliche Eier, bevorzugt dort, wo es feucht und nährstoffreich ist. Mist, Tierkot oder verrottende Essensreste sind für die Larven ideale Brutstätten. Unter günstigen Bedingungen dauert es nur etwa 10 bis 30 Tage, bis sich aus dem Ei wieder eine flugfähige Fliege entwickelt.

Schnell zur Stelle

Magisch lassen sich Fliegen von Gerüchen anziehen, dabei übernehmen sie auch eine wichtige Funktion in der Natur: Fliegenlarven bauen anfallendes organisches Material ab und gehören damit zu den Aufräumtrupps der Natur. Wenn plötzlich winzige Fliegen über dem Obst kreisen, hat die umgangssprachlich genannte Fruchtfliege Einzug gehalten. Die eigentlich genannte Taufliege wird von gärenden Früchten, Saftresten oder offen herumstehenden Lebensmitteln angelockt. Die Tiere entstehen dabei nicht einfach aus dem Nichts. Oft gelangen ihre Eier bereits vorher auf Früchte oder sie werden durch Gerüche aus der Umgebung angezogen. Auch sie besitzen einen kurzen Lebenszyklus und können sich daher rasch vermehren.

Schmeissfliegen erkennt man oft an ihrer Grösse im Vergleich zur Stubenfliege und – je nach Art – an ihrem auffällig metallisch glänzenden Körper. Sie gehören zu den ersten Insekten, die Aas aufsuchen. Ihre Larven spielen dann eine wichtige Rolle beim Abbau toter Tiere. Pferdemist und Kuhfladen sind hingegen Lebensraum für die deutlich kleineren Dungfliegen. Auf Weiden und in der Landwirtschaft gehören sie deshalb zum normalen Artengefüge. In gleichen Gefilden tummeln sich jedoch noch deutlich unangenehmere Gesellen. Zu den wohl unbeliebtesten Vertretern der Fliegen zählen die Bremsen. Ja, auch Bremsen gehören zu den Fliegen. Die Weibchen vieler Arten benötigen Blut für die Eierbildung und können mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen schmerzhafte Wunden verursachen. Besonders an warmen Sommertagen am See, im Wald oder auf Weiden werden sie zur lästigen Plage. Eine weitere blutraubende Art ist der Wadenstecher. Auch als Gemeine Stechfliege bekannt, kommt sie häufig in Ställen vor und sieht der Stubenfliege zum Verwechseln ähnlich. Sie lässt sich jedoch am Stechrüssel erkennen, der waagrecht unter dem Kopf herausragt.

Von Nervensägen bis zu Nutztieren

Nicht jede Fliege verdient ihren schlechten Ruf. Die Hainschwebfliegen sehen zwar mit ihren gelb-schwarzen Körpern oft wie vermeintliche Wespen aus, sind aber völlig harmlos. Häufig schweben sie wie kleine Helikopter über Blüten, verharren kurz in der Luft und verschwinden dann wieder mit einem schnellen Richtungswechsel. Viele dieser Arten bestäuben Pflanzen, weshalb sie als wertvolle Nützlinge gelten. Ihre Larven fressen zudem Blattläuse und helfen damit als natürliche Schädlingskontrolle. Die meisten Fliegenarten dienen zudem als wichtige Nahrung für Vögel, Fledermäuse, Amphibien und zahlreiche andere Tiere.

Apropos Nahrung: Hierbei spielt die Zucht der Schwarzen Soldatenfliege eine ganz besondere Rolle. Als wahre Verwertungskünstler fressen ihre Larven organische Reste und verwandeln diese in hochwertiges Protein. Was sonst im Abfall landet, kann so zu Futter für andere Tiere werden. Sie enthalten bis zu 42 Prozent Protein sowie 35 Prozent Fett und liefern zusätzlich Kalzium, essenzielle Aminosäuren, wie auch Laurinsäure. Die nährstoffreichen Larven sind so für Hühner, Fische, Reptilien, Amphibien sowie Ziervögel eine breit einsetzbare Proteinquelle in der Tierfütterung. Statt industriell hergestelltem Futter für jene Tiere bilden Küchenabfälle die Grundlage der einfach umsetzbaren Larvenzucht – das spart Kosten und fördert zudem eine schonende Kreislaufwirtschaft.

Fliegen in Überblick

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Tipps und Tricks gegen Stuben- und Taufliegen
Sauberkeit und Hygiene
Abfallkübel gut verschliessen und regelmässig leeren, besonders im Sommer. Rüstabfälle und organische Reste nicht offen stehen lassen.

Früchte richtig lagern
Obst mit einer Abdeckung schützen oder im Kühlschrank aufbewahren. Überreife Früchte möglichst rasch entfernen, da sie Taufliegen stark anziehen.

Feuchtigkeit und Futterreste vermeiden
Feuchte Stellen sowie Reste von Tierfutter in Küche und Umgebung beseitigen, da sie ideale Brutplätze für Fliegen bieten.

Sofort reagieren bei Befall
Befallsherde und potenzielle Brutquellen möglichst rasch beseitigen, sonst kann sich der Bestand schnell vermehren.

Fliegenschutz nutzen
Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen verhindern das Eindringen. Stark riechende Kräuter wie Pfefferminze können zudem abschreckend wirken.

Selbstgemachte Taufliegenfalle
Eine Schüssel mit Apfelessig und einem Tropfen Spülmittel befüllen, mit Frischhaltefolie abdecken und mit einer Gabel mit Löchern versehen.