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Der Waldkauz - Meister der Tarnung

Im Sommer ist der Waldkauz lautlos unterwegs. Der heimliche Nachtjäger lebt nicht nur im Wald. Auch in Wohnquartieren findet er sein Ruhelager, manchmal sogar in einem Stadtpark.

Geplauder an Tischen unter Baumkronen. Der von Bäumen gutbeschattete Aussenbereich des Restaurants in Thun im Berner Oberland läuft gut an diesem Sommertag. Trotz dem Treiben scheint ein tiefer Schlaf jedoch möglich. Zumindest für den Waldkauz. Er ruht in sicherer Höhe an den Stammgeschmiegt im schützenden Schatten des üppigen Kastanienlaubs. Niemand nimmt ihn wahr, obwohl er jeden Tag hier döst und sich erholt. Das Federkleid diesesMeisters der Tarnung gleicht den Mustern des Baumstamms.

Der Waldkauz kommt häufig vor in der Schweiz. Die Vogelwarte gibt einenGesamtbestand von bis zu 12'000 Paaren an. Obwohl er heimlich lebt, fanden Ornithologinnen und Ornithologen so einiges über ihn heraus. Zum Beispiel, dass Käuze ein Revier besetzen und sich lebenslang binden. Dieses Verhalten macht auch eine Bestandesschätzung einfacher.

Anfangs Jahr, wenn die kahlen Baumäste sich gegen den grauen Himmel recken, die Dämmerung früh einsetzt und Nebelschwaden durch die bewaldeten Hänge schleichen, macht sich der Waldkauzbemerkbar. Beispielsweise auch im Gehölz oberhalb der Stadt Thun. Wer mitten in der Nacht nicht schlafen kann, hört den Ruf aus dem Dunkeln.

Ob der Kauz alleine ist? Gut möglich, dass er seine Partnerin verloren hat und durch die Rufe ein herumziehendes junges Weibchen anlocken möchte. Vielleicht ist aber auch alles bestens, und er versucht lediglich, sich bei seiner Partnerin in ein gutes Licht zu rücken. Sie hält sicheventuell in der Nähe auf und lauscht den verheissungsvollen Lauten. Waldkäuzeunterhalten eine lebenslange Bindung, lassen sich aber Freiheiten. Nach Ablauf der Brutzeit bleiben beide im Revier, nächtigen aber an unterschiedlichen Orten und folgen ihrem je eigenen Programm. Ein Erfolgsrezept für die Waldkauzehe, die knapp zwei Jahrzehnte dauern kann. Gemäss Ringfunden ist bekannt, dass die Art durchaus 20 Jahre alt werden kann. Im März läuft das Männchen zur Hochform auf. Es ruft fast jeden Abend – und erhält Antwort von seinem Weibchen. Kommunikation im Dunkeln der Nacht. Sobald die beiden zusammengefunden haben, wird es still. Sie brauchen einige Zeit, um erneut innige Partner zu werden. Das einsame Umherstreifen in ihrem Revier scheint sie geprägt zu haben. Mit Beginn der Brutzeit ist das zeitlich befristete Einsiedlertum zu Ende.

Nistmöglichkeiten gesucht

Sobald das Männchen eine Baumhöhlegefunden hat, lockt es das Weibchen an und offeriert ihm Beute, zum Beispiel eine Maus. Doch das Weibchen nimmt nicht die erst beste Höhle an. Es trifft die Endauswahl. Da in den Schweizer Wäldern Holz regelmässig geerntet wird, mangelt es an Höhlen. Nistkästen für Waldkäuze sind deshalb durchaus sinnvolle Unterstützungsmassnahmen.

Das Weibchen legt zwei bis vier Eier und bebrütet sie alleine während ungefähr 28 Tagen. Die Jungen verlassen ab dem 29. Tag nach dem Schlupf die Bruthöhle. Oft fallen die Flaumbälle auf den Wald-boden und marschieren dann in einGestrüpp. Dort werden sie von den Eltern weiter versorgt. Erst ab dem Alter von 50 Tagen können sie ein ganz klein wenig fliegen. Bis zum 100. Lebenstag bringen die Eltern Nahrung wie Kleinvögel, Mäuse, manchmal auch Eichhörnchen, Amphibien oder Ratten. Bald schon beginnt dann für die nun flugfähigen Jungen die Suche nach einem eigenen Revier. Die hellen, unheimlichen Rufe hallen deshalb schon ab dem Herbst wieder durch den Wald.

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