Grünes Gras bis zum Horizont, vereinzelte Akazien. Dumpfe,muhende Laute, ununterbrochen, Tag und Nacht. Es ist Februar im Norden Tansanias. Tausende von Serengeti-Weissbartgnus beginnen im Norden Tansanias im südlichen Teil der Serengeti ihre Wanderung unweit des mächtigen Ngorongoro-Kraters. «In den nächsten Tagen werden sie alle ihre Kälber werfen», sagt Hussein Iddi. Der Safari-Führer kurvt seit über 30 Jahren Touristen durch die Savannen seines Landes. Und tatsächlich, am anderen Morgen steht wie durch ein Wunder bei fast jeder Gnu-Kuh ein Kalb mit hellbraunem Fell auf staksigen Beinchen.
Weit über eine Million Gnus machen sich auf die grosse Wanderung. Innerhalb kurzer Zeit werden etwa 500'000 Kälber gleichzeitig geboren. Der Auslöser für die gemeinsamen Wanderungen dieser Kuhantilopen sind die Regenzeiten und die damit verbundenen Futtervorkommen. Die Tiere folgen ihrer Futterquelle, dem grünen Gras, nach und legen so von Nord nach Süd pro Jahr bis zu 3000 Kilometer zurück.
Um auf den gefahrvollen Wanderungen zu überleben, ist das Wissen älterer Tiere essenziell. Deshalb ziehen viele Huftiere in Herden mit erfahrenen Gruppenmitgliedern, die den Lebensraum gut kennen.Kollektive Wachsamkeit schützt das Individuum besser. Zur Überlebensstrategiegehört auch, dass alle Kälber fast gleichzeitig geboren werden. Der Feinddruck verteilt sich so auf zahlreiche Junge. Das bringt manchen den Tod, weil solche Herden auch Raubtiere anziehen. Eine Mehrzahl aber überlebt, weil so viele Junge gar nicht aufs Mal von Löwe, Leopard und Co. gefressen werden können. Das Überleben der Gruppe steht über jenem des Individuums.
Auch für manche Vogelart ist es von Vorteil, wenn sich die Individuen zu einem Schwarm zusammentun. Starenschwärme beispielsweise sind manchmal so gross, dass sie den Himmel verdunkeln. Ein Greifvogel kann ein alleine fliegendes Individuum fixieren, das Gesamtbild eines Schwarms verwirrt ihn aber. Aus diesem Grund verdichten sich Stare im Schwarm sogar noch, wenn sich ein Räuber nähert. Gleich verhält es sich bei Fischen.
Mehr Augen sehen mehr
Eine Forschung brachte zutage, dass sich Stare im Flug an bis zu sieben Nachbarn ausrichten und dass Entscheidungen zur Richtungsänderung nicht unbedingt an der Spitze ausgemacht werden. Der Vogelzug im Schwarm bringt auch energetische Vorteile. Graugänse fliegen in V-Formation, Kraniche in Ketten. Nebst der Erfahrung von alten Zugvögeln profitieren Individuen so von Aufwindzonen und vom Windschatten. Auch Delfine schwimmen in Schulen, um erfolgreicher zu jagen. Beispielsweise, indem sie als Gruppe Fischschwärme einkreisen. Dabei kommunizieren sie miteinander mit einem komplexen System von Lauten.
In Regenwäldern sind verschiedeneVogelarten gemeinsam auf Futtersuche. Oft handelt es sich dabei um Insektenfresser, die punkto Nahrung eigentlich konkurrieren. Die einzelnen Vögel wissen aber, dass sie in einem Schwarm geschützter sind vor Feinden. Ein Individuum im Verbund mit anderen reduziert das Risiko, geschlagen zu werden, wenn viel andere potenzielle Beute auch zugegen ist. Ein Schwarmunterschiedlicher Arten stöbert zudem mehr Insekten auf – nach dem Prinzip «mehr Augen sehen mehr» –, und im Verbund gelingt es eher, bereits durchzogene oder unergiebige Gebiete zu meiden.
Schwarmintelligenz kommt immer dann zum Tragen, wenn alle im Schwarm oder der Gruppe ein gemeinsames Verhalten zeigen, welches das Individuum alleine nicht vollbringen könnte, ihm aber nützt.

