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Kichererbsen-Anbau im Kanton Baselland: Landwirtschaftsinnovationen trotz Herausforderungen

Auf einem Feld im Baselbiet wachsen Kichererbsen – noch immer eine Seltenheit in der Schweiz.

Auf einem Feld im Kanton Baselland stehen hellbraune, niedrige Pflanzen mit Kapseln, die im Wind rascheln. Es ist ein noch seltener Anblick in der Schweiz, dass Kichererbsen neben Mais und Weizen wachsen. René Ritter und Andreas Gass vom Leimenhof Wenslingen sind sehr darum bemüht, dass sich dies in Zukunft ändert. «Der Bedarf an pflanzlichen Proteinen ist gestiegen, nicht zuletzt durch den stärkeren Wunsch in der Bevölkerung, weniger Fleisch zu essen», erklärt Gass. Viele Konsumenten legen auch grossen Wert auf Umweltschutz, weshalb sie nachlokalen Produkten Ausschau halten.

Hülsenfrüchte werden jedoch primär im Ausland angebaut. Mit jährlichen über 13,5 Millionen Tonnen ist Indien mit Abstand der grösste Kichererbsenproduzent der Welt, gefolgt von Australien mit einer Million Tonnen und der Türkei mit rund 580'000 Tonnen. Die Schweiz taucht auf der Liste der Produktionsländer noch nicht einmal auf.

Alternative zu Fleisch

Ursprünglich stammt die Kichererbse (Cicer arietinum) wahrscheinlich aus dem Gebiet der heutigen Türkei, Irak und Iran. Sie gedeiht am besten im subtropischen, warm-trockenen Klima. In vielen Teilen der Erde ist sie ein wichtiges Grundnahrungsmittel und wird auch bei uns zunehmend gerne gegessen. Mit einem Eiweiss-gehalt von 19 Prozent kommt die Kichererbse fast an jenes von Rindfleisch (21–26 Prozent) und Poulet(24–26 Prozent) heran. Kein Wunder also, gelten sie zusammen mit Linsen und anderen Hülsenfrüchten als wichtige Fleischalternative.

Während der Leimenhof Fleischliebhaber mit hochwertigem Wagyu-Rind bedienen kann, behalten René Ritter und Andreas Gass daher auch die Freunde pflanzlicher Kost im Auge. «Regionale Produkte machen ökologisch viel mehr Sinn als solche aus dem Ausland, die unter Bedingungen hergestellt werden, die vielleicht auch dem einen oder anderen Konsumenten nicht gefallen dürften», bemerkt auch Marco Lorenzoni. Er ist Hofnachfolger von Andreas Gass. Zusammen mit René Ritter sucht er immer wieder nach neuen Wegen, um die Schweizer Landwirtschaft zukunftsfähiger zumachen. Denn: «Aktuell esse ich lieber Biorindfleisch vom Hof als Kichererbsen, die tausende Kilometer verschifft und im Ursprungsland vielleicht unter ökologisch bedenklichen Bedingungen angebaut wurden.»

Die diesjährige Linsenernte fiel staubig aus.
Die diesjährige Linsenernte fiel staubig aus.

Nachfrage nach lokalen Produkten

Mit Soja hat es die Schweiz bereits geschafft, eine ursprünglich exotische, proteinreiche Feldfrucht auch im Inland anzubauen, inklusive eigenem Saatgut. Doch das meiste davon landet als Tierfutter in den Trögen von Nutztieren und nicht als pflanzliche Proteine in den Regalen der Supermärkte. Deshalb setzen einige wenige Schweizer Landwirtschaftsbetriebe auf andere Hülsenfrüchte: Ackerbohnen, Linsen, Kichererbsen. «Wer nicht ausprobiert, der darf eine Idee auch nicht einfach so kritisieren», so René Ritter. Im Dreiergespann des Leimenhofs sei er eher der Optimist, sagt er selbst. Andreas Gass hingegen sehe alles etwas pessimistisch, Marco Lorenzoni stehe meist irgendwo in der Mitte.

So ist Andreas Gass auch nach dem sechsten Anbaujahr von Linsen nicht zufrieden mit dem Ergebnis: «Die knapp 500 Kilogramm Linsen, die wir ernten konnten, sind schmutzig und müssen noch gereinigt werden. So sehr wie dieses Jahr hat es hinter dem Mähdrescher noch nie gestaubt.» Das erste Jahr sei super gewesen, wirft René Ritter ein. Danach folgten zwei sehr schlechte Jahre. Woran es liegt, ist oft schwierig zu sagen, denn viele Faktoren spielen mit: Saatgut, Wetter, Schädlinge und Erntebedingungen. Die Ernte ist im Schnitt so klein, dass sie verpackt in haushaltsfreundliche Portionen im Hofladen verkauft wird und nicht an weitere Abnehmer zugestellt wird. «Bei Weizen weiss ich, dass der wächst und ich dafür Abnehmer finden werde», so Gass. Bei Linsen ist es immer ein Risiko: Ein Jahr läuft gut, ein anderes miserabel. Häufig ist der Linsenanbau wirtschaftlich eine «Nullrunde», was ihn im Vergleich zu traditionellen Feldfrüchten wie Mais oder Weizen wenig attraktiv macht.

Links: Mit einer speziellen Falle überwachen die Leimenhoflandwirte, ob der Baumwollkapselwurm im Anflug ist.Rechts: Wie wird die diesjährige Kichererbsenernte ausfallen? Die Landwirte des Leimenhofs zwischen Skepsis und Zuversicht.
Links: Mit einer speziellen Falle überwachen die Leimenhoflandwirte, ob der Baumwollkapselwurm im Anflug ist.Rechts: Wie wird die diesjährige Kichererbsenernte ausfallen? Die Landwirte des Leimenhofs zwischen Skepsis und Zuversicht.

Jedes Jahr neue Probleme

Noch etwas schlechter sieht es bisher bei den Kichererbsen aus. Das Dreierteam vom Leimenhof steht zwischen den erntereifen Pflanzen und öffnet vorsichtig einige der Kapseln, um die begehrten Erbsen darin zu begutachten. Manche sehen aus wie aus dem Bilderbuch, andere wiederum sind nur halb so gross wie normal oder haben dunkle Flecken. «Das will der Konsument natürlich nicht, wenn er sich grosse, helle Kichererbsen aus der Dose gewöhnt ist», bemerkt René Ritter. Die diesjährige Ernte hat er daher einem Betrieb versprochen, der die Kichererbsen zerkleinert und zu Dal, einem beliebten indischen Gericht, verarbeitet. Grundsätzlich kann man Kichererbsen nicht unverarbeitet verkaufen. «Keiner will zuhause stundenlang Kichererbsen kochen», so Ritter.

Wie die Linsen, sind auch die Kichererbsen jedes Jahr eine Überraschung wert. In einem Jahr erkrankt die Pflanze an Blattflecken, was den Geschmack nicht beeinflusst, aber die Optik. Übrig bleibt da nur die Verarbeitung zu Humus.

Gegen Krankheiten unternehmen können die Bauern wenig, denn die meisten Pflanzenschutzmittel sind für Kichererbsen noch nicht zugelassen. Im nächsten Jahr vermindert der Baumwollkapselwurm die Ernte, dann wieder regnet es zu viel und die Pflanzen wachsen nur kümmerlich. Sollte der Anbau einmal reibungslos funktionieren, freut sich René Ritter umso mehr: «Zum Glück sind Kichererbsen im Trend, so dass wir eigentlich genügend Abnehmer hätten». Kichererbsen wären dann lukrativer als Weizen.

«Wir sind alles in allem eigentlich positiv eingestellt und experimentieren gerne. Aber uns fehlen die Grundlagen», bedauert Ritter. So kann der Leimenhof nur mit Saatgut aus dem Ausland arbeiten, eine Schweizer Quelle für Kichererbsen- und Linsensamen gibt es bisher nicht. Wie dieses Saatgut behandelt wurde, ist oft unbekannt, welche Sorte in der Schweiz funktioniert, ebenso. So erfolgt auch das Aussäen auf gut Glück.

Dennoch denken die drei Leimenhoflandwirte nicht daran, das Handtuch zu werfen: Zusammen mit der Arbeitsgruppe Hülsenfrüchte Baselland arbeiten sie an Möglichkeiten, um den lokalen Anbau an proteinreichen Pflanzen voranzutreiben. Ein Experiment, welches dieses Jahr in die sechste Runde ging. Erst nach der Ernte können Ritter und seine Kollegen erneut Bilanz ziehen. Ob Linsen und Kichererbsen hierzulande eine Zukunft haben, steht daher noch in den Sternen.

Kichererbsen-Anbau im Kanton Baselland: Landwirtschaftsinnovationen trotz Herausforderungen
Wie wird die diesjährige Kichererbsenernte ausfallen? Die Landwirte des Leimenhofs zwischen Skepsis und Zuversicht.

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