Der Kakadu für die Wohnung

Nymphensittich
Nymphensittich
Kein Sittich hat eine solch dekorative Haube wie der Nymphensittich. Während die lauten Kakadus kaum im Wohnbereich gehalten werden können, sind Nymphensittiche ideale Pfleglinge.

Nymphensittiche sind attraktive Vögel. Die Geschlechtsunterschiede sind leicht festzustellen. Sie sind einfach zu beschaffen, untereinander verträglich, nicht so laut und ein Leben unter Menschenobhut gewohnt – also ideale Hausgenossen, was man von den grossen Kakadus nicht behaupten kann. Der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus), einziger Angehöriger der Gattung Nymphicus, ist das Bindeglied zwischen den Sittichen und Kakadus.

Viele Vogelliebhaber züchten sie. An jeder Ausstellung sind sie zu sehen, an Börsen verkaufen Züchter Nachzuchten. Wer also mit der Papageienhaltung liebäugelt und wem ein Wellensittich zu klein ist, der sollte sich näher mit dem Nymphensittich beschäftigen. Er ist eben ein richtiger Kakadu mit einer Haube, die er eng ans Köpfchen legen kann, sodass sie wie ein gewölbter Strich nach hinten zeigt. Dies macht das Männchen besonders beim Balzen. Meist werden die Haubenfedern aber buschig und halb aufgerichtet getragen. Bei Erregung oder wenn der Nymphensittich durch ein Geräusch oder durch etwas Besonderes, das er sieht, verunsichert ist, richtet er seine Federhaube ganz auf, sodass die Spitze sogar vornüber zeigt.

In der Naturfarbe sind Nymphensittiche aus­serordentlich schön: Graues nuanciertes Grundgefieder, weisse Flügeldecken, gelbes Köpfchen mit gelber Haube und rotem Wangenfleck. Beim Kopf des Weibchens ist das Gelb mit grauen Federn durchsetzt, die Schwanzfedern sind weiss gesprenkelt und nicht einheitlich grau. Vom Nymphensittich gibt es viele Farbmutationen. Gescheckte, weisse und Lutinos, also gelbe, sind die bekanntesten.

Finken und Tauben ideale Kumpane
In ihrem natürlichen Lebensraum, der sich über fast ganz Australien erstreckt, bevorzugen die pfeilschnellen Flieger offene Gebiete mit lockerem Baumbestand oder Parks und Gärten. Wälder oder baumlose Gebiete dagegen meiden sie. Sie bevorzugen dabei eher trockene Gebiete. Das heisst, dass sie im Winter mit der trockenen Heizungsluft in vielen Wohnungen gut zurechtkommen.

Nymphensittiche leben hauptsächlich in kleineren Schwärmen. Sie ernähren sich von Samen in Bäumen, fliegen zur Nahrungsaufnahme aber auch auf den Boden. So nehmen sie auch Getreidekörner von Feldern – bevorzugt Sorghum und Weizen. Es gibt im Handel fertige Samenmischungen für Grosssittiche. Apfel, Rüebli, Fenchel und frische Wildgräser gehören weiter zum Speiseplan.

Nymphensittiche können 20 Jahre und älter werden. Sie leben monogam. Ein Paar kann in einem Käfig von 100 × 60 × 80 Zentimeter gehalten werden, sollte aber regelmässigen Freiflug im Zimmer erhalten. Ein Kletterbaum ausserhalb des Käfigs bietet Landemöglichkeiten. Er lässt sich einfach selber aufstellen, indem frische Äste in einen Behälter mit Steinen gesteckt werden. Besser und interessanter ist aber eine Unterbringung in einer zimmerhohen Voliere von 2 × 1,50 Metern.

Die Vögel können vergesellschaftet werden, Wellensittiche, Finken- und Taubenarten sind ideale Kumpane. Auch in Gemeinschaft mit Rosakakadus werden Nymphensittiche gehalten. Man sollte sie nur brüten lassen, wenn Abnehmer für die Jungen vorhanden sind. Das Paar brütet mehrmals nacheinander und hat keine feste Brutzeit. Ein Gelege umfasst vier bis sechs Eier. Nachts brütet das Weibchen, tagsüber auch das Männchen. Nach 19 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungen, mit fünf Wochen fliegen sie aus, werden aber noch drei Wochen von den Eltern gefüttert. Ein Nistkasten sollte einen Innendurchmesser von etwa 18 × 24 Zentimeter haben, das Einschlupfloch einen Durchmesser von etwa 70 Millimetern.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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