Filigrane Farbwunder

Ziervögel: Rotkopf-Papageiamadinen
Papageiamadinen
Papageiamadinen sind Vertreter der Prachtfinken, die an exotischen Orten leben. Einige Arten werden auch in der Schweiz gehalten und gezüchtet. Sie zeichnen sich durch grünes Grundgefieder und durch fabelhafte rote, orange und blaue Farbtupfer aus.

Papageiamadinen sind filigrane Farbwunder. Eigen sind ihnen Grünanteile im Grundgefieder. Doch dabei bleibt es nicht. Sie haben rote Köpfe, blaue Wangen, Brustbereiche, das Grün läuft ins Orange und Rote aus. Die farbigen Exoten sind etwa so gross wie eine Blaumeise und haben ferne Herkunftsorte. Sie stammen meist aus tropischen Regenwäldern, manche auch aus Gärten indonesischer Inseln, Neuguineas und abgelegener Südseeinseln. Die Tropenvögel wurden im 19. und 20. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben. Von Importen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen die Vögel ab, die heute noch bei Züchtern in der Schweiz leben und an Ausstellungen ab und zu präsentiert werden.

Etliche der besonderen Papageiamadinen gelangten in die Schweiz, und zwar zu Romuald Burkard (1925 – 2004) nach Zürich und später nach Baar ZG. Der Soziologe leitete die Sika-Werke und unterhielt eine einzigartige Papageiensammlung in seiner bekannten, immensen Baarer Voliere. Er tat sich aber auch in der Haltung und Zucht der Papageiamadinen hervor. Beispielsweise 1965 lieferte ihm Heinrich Bregulla (1930 – 2013) Bambus-Papageiamadinen, die er im Norden der Philippinen-Insel Luzon gefangen hatte. Bregulla und Burkard sind dafür verantwortlich, dass die Papageiamadinen überhaupt unter Menschenobhut etabliert werden konnten. Bregulla spürte die Juwelen auf, Burkard gelang es, etliche Arten erstmals hierzulande zu züchten.

Eingewöhnung vor Ort
Der Elektromaschinenbauer Bregulla brach 1959 mit dem Passagier-Frachtschiff Thaitien zu den Neuen Hebriden auf und plante, während acht Monaten auf eigene Rechnung zu reisen und Vögel zu beobachten. Daraus wurden dann fast 21 Jahre. Ab 1980 richtete er sich in Vanuatu in der Südsee ein und führte von dort verschiedene Forschungs- und Sammelexpeditionen nach Neukaledonien, auf die Fidschi-Inseln, nach Tonga, zu den Salomonen und den Philippinen durch. Heute ein souveräner Staat, gehörte Vanuatu einst zu den britisch-französischen Hebriden.

Schliesslich wurde Bregulla mit der Neugestaltung des Botanischen und Zoologischen Gartens auf Neukaledonien betraut. Er brachte als Erster die Buntkopfpapageiamadine, die Königs-, Manila- und Bambus-Papageiamadine lebend nach Europa. Die Vögel aus vorherigen, kleinen Importen sind damals längst gestorben gewesen. Es gelang nicht, sie durch Zucht zu erhalten. Das war dann mit den Importen von Bregulla anders, denn er gewöhnte sie bereits in der Südsee an andere Nahrung. 

Aufgrund ihrer tropischen Heimat sind Papageiamadinen wärmeliebend, aber nicht alle Arten. Am Fangplatz der Bambus-Papageiamadine mass Bregulla beispielsweise eine Nachttemperatur von etwa 13 Grad, sodass schliesslich auch Romuald Burkard berichten konnte, dass diese Vögel nicht empfindlich seien und auch bei kühlen Temperaturen vital in der Aussenvoliere flögen.

Friedliebende Arten
Bambus-Papageiamadinen wurden in der Vergangenheit in der Schweiz nicht bei Burkard, sondern bei Heinz Lüthi aus Zürich gezüchtet. Er hielt sie in bepflanzen Innen- und Aussenvolieren. 1991 berichtete er in der Zeitschrift «Gefiederter Freund», dass sie sich zum Schlaf in Ficus-Bäumen traubenartig niederliessen. In einer Voliere von 7,5 × 1,6 × 3 Meter brüteten drei Paare in Holznistkästen, in die sie Kokosfasern eintrugen. An der Ausstellung des Stieglitz Oberwallis 2018 stellte der Züchter Marco Garbely aus Visp VS Bambus-Papageiamadinen aus. 

Alle Papageiamadinen baden gerne und ausgiebig in flachen Schalen. Das konnte man im Vivarium von Johns kleiner Farm in Kallnach BE beobachten, als dort Rotkopfpapageiamadinen und Forbes-Papageiamadinen lebten. Volieren für Papageiamadinen sollten stets gut bepflanzt sein. Die Rotkopfpapageiamadine ist am häufigsten unter Menschenobhut in der Schweiz. Es handelt sich um einen friedlichen Prachtfinken. Das ist auch bei der Lauchgrünen Papageiamadine so. Es ist ein Vogel mit unglaublichem Farbenspiel im Gefieder, das von blau über grün, gelb, orange bis zu rot schillert.

Erfolge an der SwissBird
Der junge Züchter Robin Costa aus Yverdon-les-Bains VD züchtet mit zwei Paaren in gros­sen Flugkäfigen. Sie seien auch untereinander überhaupt nicht aggressiv, sagt er. Mit einem Paar gelingt ihm die Aufzucht in einem halb offenen Nistkasten. Das andere Paar lege zwar befruchtete Eier, ziehe die Jungen aber nicht auf. Da es sich um eine unter Menschenobhut seltene Art handelt, lässt er die Jungen dieses Paares von Japanischen Mövchen aufziehen. An einer Ausstellung in Ependes VD zeigte Costa seine Papageiamadinen in bepflanzten Vitrinen. Darunter war auch die Forbes-Papageiamadine, die nicht nur von Timor, sondern auch von den Tanimbar-Inseln stammt.

Systematik der Papageiamadinen

Einst wurden alle Papageiamadinen in der Gattung Erythrura geführt. Der deutsche Systematiker Edmund Wolters teilte sie dann in drei Gattungen auf. Die Bambus-Papageiamadine bildet die einzige Art der Gattung Reichenowia. Die Gattung Erythrura, die Eigentlichen Papageiamadinen, umfasst mit der Manila-Papageiamadine und der Lauchgrünen Papageiamadine zwei Arten. Die Gattung Amblynura, die Südsee-Papageiamadinen, ist mit neun Arten die grösste. 

Der Berner Züchter Hans Graber gewann 2015 an der nationalen Vogelausstellung SwissBird mit einer Coloria- oder Buntkopf-Papageiamadine. Sie stammt aus dem nördlichen Mindanao in den Philippinen. Ihre Haltungsgeschichte begann 1964 mit Romuald Burkard. Er erhielt eine Sendung von Heinrich Bregulla, der die Vögel bereits an Kolbenhirse und Glanz gewöhnt hatte. Die Erstzucht gelang wohl nicht zuletzt darum 1965 in der Schweiz, 1966 pflanzten sie sich schon in zweiter Generation fort. Mit der Peales Papageiamadine von den Fidschi-Inseln trat beispielsweise Ruedi Baumgartner aus Kirchdorf AG mit einem Siegervogel an der SwissBird 2015 an die Öffentlichkeit.

Papageiamadinen können mit einer Prachtfinkenfuttermischung ernährt werden. Es ist darauf zu achten, dass sie nicht verfetten. Gefrostete Insekten ergänzen während der Zucht den Futterplan. Keimfutter und Wildgräser sind beliebt. Samoa-, Königs- und Kleinschmidts Papageiamadinen werden nicht mehr gehalten und in ihre entlegenen Ursprungsgebiete reisen kaum Leute. Vielleicht macht sich wieder mal ein Vogelliebhaber oder eine -liebhaberin auf ins Südseeparadies wie einst Heinrich Bregulla. Und wenn er oder sie erstmal bei den Papageiamadinen in tropischer Vegetation auf Inseln inmitten des blauen Ozeans ist, wird der Rückreisetermin vielleicht auch ungewiss.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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