Von Gemalten Astrilden fasziniert

Gemalter Astrild
Prachtfinken
Der Berner Züchter Hans Graber erwarb vor 40 Jahren seine ersten Gemalten Astrilde. Seither ist er dieser Art treu geblieben. Er züchtet sie noch immer in seinem Vogelzimmer.

Hans Graber mit seinem sonoren Berndeutsch, der Brille und gräulich braunem Haarkranz gehört zu Versammlungen von Vogelzüchtern wie die Aare zu Bern. Aktiv war der Präsident des Ziervogelvereins Astrild Thun viele Jahre auch im Vorstand des ehemaligen Parus, heute Ziervögel Schweiz. Der 74-Jährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass man keine grossen Ländereien benötigt, um sich auf dem Gebiet der Vogelhaltung und -zucht hervorzutun.

Graber züchtet seine Vögel in Bern in einem Zimmer seiner Wohnung. Auf beiden Seiten des Raums hat er Zuchtkäfige angebracht, vorne scheint Tageslicht durch das Fenster. Zusätzlich beleuchtet er mit LED-Röhren, die senkrecht zwischen den Käfigen montiert sind. Im Altersheim Domicil Steigerhubel, das ganz in der Nähe liegt, betreut Graber zudem eine Schwarmvoliere mit australischen Prachtfinken und Sittichen.

Der Züchter ist begeistert vom Astrild, nicht nur weil sein Verein diesen Namen trägt, sondern insbesondere wegen einer speziellen Art: Gemalte Astrilde gehören seit 40 Jahren in seine Vogelsammlung. «Ich habe einen emotionalen Bezug zu diesen Vögeln.» Es sei das äussere Erscheinungsbild, das ihn damals dazu bewog, sich auf diese Art einzulassen, sagt er. Spitzer Schnabel, rote Gesichtsmaske und Bauch, weisse Tupfen auf dem schwarzen Flankengefieder, bräunlicher Rücken – die Gemalten Astrilde sind elegante Schönheiten. 

Gemalte Astrilde

Graber streicht einen weiteren Vorteil der Art heraus: Die Geschlechter unterscheiden sich äusserlich. Nur das Männchen hat eine ausgedehnte, tropfenartige rote Färbung auf dem Brustgefieder. Das Weibchen besticht durch mehrheitlich runde, weisse Tupfen und hat nur ein kleinwenig Rot auf der Brust. Auch die rote Gesichtsmaske ist beim Weibchen weniger leuchtend und ausgedehnt.

Schlafen auf Steinen
Heisser Wind säuselt über rötliche Steine, wirbelt Sand auf, der sich in Büscheln von Spinifexgräsern verfängt, kein Baum, kein Strauch weit und breit, ebene Landschaft wechselt sich mit sanften Hügeln ab. Der Lebensraum des Gemalten Astrilds im zentralen und westlichen Australien ist karg und trocken. Darum hält sich die Art vorwiegend auf dem Boden auf und ernährt sich von den Samen des Spinifex-Grases, die sie mit ihrem spitzen Schnabel aus Gesteinsritzen pickt und zur Brutzeit damit auch Insekten erbeutet.

Dort, wo sich Gesteinsschichten auftürmen, fühlt sich der Gemalte Astrild besonders wohl. Die Vögel nächtigen auf Felsplatten. Sie streifen paarweise, oft aber auch in Gruppen, umher. Immer mehr siedelten sich im Lauf der letzten 100 Jahre Menschen in ihrem Lebensraum an, bauten Farmen auf, gruben Wasserlöcher, um das Vieh zu tränken. Davon profitiert der kleine Vogel besonders, hängt doch sein Leben stark von den hier sonst raren Wasserquellen ab. Und so lebt der Gemalte Astrild heute auch in Gärten und ruht da gerne in Büschen auf Ästen.

Der Schlüssel zur Haltung und Zucht einer Art sind immer die Kenntnisse zum Freileben. Viele Züchter geben den Gemalten Astrilden Steine in ihre Zuchtboxen, auf denen sie ruhen. Das hat den Vorteil, dass sie darauf gleich auch ihre Nägel abwetzen. Grundsätzlich halten sich Gemalte Astrilde auch unter Menschenobhut gerne auf dem Boden auf. Darum sollte das Futter dort gereicht werden.

Hans Graber betont, dass trockene Luft für die Haltung und Zucht dieser Art essenziell sei. Darum eignet sie sich auch so gut für die Zimmerhaltung, wo besonders im Winter, wenn geheizt wird, trockene Bedingungen herrschen. 60 Prozent sei ein absoluter Maximalwert, so Graber.

«Ich habe einen emotionalen Bezug zu diesen Vögeln.»
Hans Graber
Züchter von Gemalten Astrilden

Er warnt vor dauerfeuchten Stellen in der Voliere, die entstehen, wenn die Vögel stets am gleichen Ort baden. Das führe zum Tod, denn dort würden sich Bakterien und Pilze bilden, denen die Astrilde nicht gewachsen seien. Der Züchter sagt: «Um dem vorzubeugen, belege ich den Boden mit Moos, die Schubladen der Boxen statte ich mit mehreren Lagen Zeitungspapier aus.»

Sonderbares Verhalten der Nestlinge
Graber hält die Art ausserhalb der Zuchtzeit in Gruppen, nach Geschlechtern getrennt. Zur Zucht setzt er gezielt Paare zusammen. Er empfinde Männchen mit viel Rot im Brustgefieder als besonders schön, dies entspreche aber nicht dem Bewertungsstandard der Zuchtrichter. Graber hat die Erfahrung gemacht, dass als Nistunterlage Tannenzweige gerne akzeptiert werden. Mit Baumrinde, Erdkrümel und Moos wird eine Nestmulde gebildet. Aus Grashalmen wird ein Kugelnest mit seitlichem Einschlupf geformt. Das Männchen singt und bewegt den Kopf hin und her, um das Weibchen für sich zu gewinnen. Vibriert das Weibchen mit dem Schwanz und bleibt es auf der Stelle sitzen, wird es vom Männchen beflogen.

Das Gelege umfasst vier bis sechs Eier und wird von beiden Paarpartnern bebrütet. In der Nacht allerdings brüte immer das Weibchen, hat Hans Graber beobachtet. Die Vögel brüten etwa ab dem vierten Ei, die Brutdauer beläuft sich auf etwa 14 Tage. «Das Verhalten der Nestlinge ist sonderbar.» Beim Betteln legen sie den Kopf auf die Seite und strecken den weit aufgesperrten Schnabel vibrierend von schräg unten her dem Altvogel entgegen. Junge Prachtfinken haben alle individuelle Rachenzeichnungen. Diejenige des Gemalten Astrilds sei speziell, streicht der Prachtfinkenliebhaber heraus. Mit dreieinhalb Wochen sind die Jungen vollständig befiedert und sehen dem Weibchen ähnlich. 

Ausserhalb der Zucht erhalten Grabers Prachtfinken trockene Körner und Kolbenhirse, manchmal auch halb reife Grassämereien, die er während der vegetationsreichen Zeit sammelt und einfriert, damit er sie immer zur Verfügung hat. Kalk reicht er immer, ins Trinkwasser träufelt er wöchentlich ein flüssiges Multivitaminpräparat. In der Zuchtzeit ist das Futterangebot reichhaltiger. Keimfutter und halb reife Sämereien gibt es täglich. Zudem füttert der Züchter Wiesenameiseneier, gefrostete Insekten aus dem Futterhandel und selbst gezüchtete Enchyträen.

Im Alter von 23 bis 25 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Jetzt kümmert sich hauptsächlich das Männchen um sie, da das Weibchen häufig mit einer zweiten Brut beschäftigt ist. Graber hat beobachtet, dass, sobald die Jungen fliegen können, sie damit beginnen, Körner aufzunehmen. Drei Wochen später sind sie selbstständig. Die Umfärbung des Gefieders beginne bald und sei drei Monate nach dem Ausfliegen abgeschlossen.

Hans Graber betont, dass Weibchen mindestens ein Jahr alt sein sollten, bevor man mit ihnen züchtet, denn sie litten häufig an Legenot. Er habe mit dem Produkt «Vi De 3 flüssig», das in der Schweiz in Apotheken erhältlich sei, gute Erfahrungen gemacht und gebe vor dem Zuchteinsatz einige Tropfen ins Trinkwasser. Derzeit züchtet Graber gerade wieder mit vier Paaren Gemalten Astrilden. 

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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