Seit 30 Jahren widmete sich ein Forschungsprojekt in Südafrika der Rückzüchtung des beinahe streifenlosen Quaggas. Die Tiere sind eine Unterart des Zebras und waren einst in Südafrika heimisch. Wie die Initianten des Projektes mitteilten, mussten die Quaggas im 19. Jahrhundert den Schafen und Ziegen der Kolonialherren weichen. Sie wurden von den Kolonialisten und der lokalen Bevölkerung intensiv gejagt und schlussendlich ausgerottet.

Keine echten Quaggas

Das «Quagga-Project» versucht gezielt die Streifen der Zebras zu reduzieren. Bei jeder Paarung wird darauf geachtet, dass Tiere mit möglichst wenig Streifen verwendet werden. Der Nachwuchs sollte dann mindestens genau so wenig Streifen haben oder noch weniger, wie die Projektleitenden informieren. Der Bestand liege mittlerweile bei 200 Tieren, 20 davon ähneln den Quaggas.

Betont werden muss jedoch, dass die Tiere dem Quagga nur ähneln. Die Evolution selbst ist nicht umkehrbar. Man nenne die streifenlosen Zebras deshalb auch «Rau-Quagga», angelehnt an den geistigen Gründer des Projekts, den Zoologen Reinhold Rau. Plump gesagt handelt es sich bei den Tieren nur Zebras ohne Streifen und nicht um Quaggas. Trotzdem hält man an diesem Projekt fest, denn die Hoffnung auf mehr Touristen, welche die aussergewöhnlichen Tiere beobachten wollen, ist gross.

Die Urart bleibt unerreicht

Der Begriff Rück-Züchtungen sei im Allgemeinen irreführend, schreibt das Wissenschaftsmagazin Spektrum.de. Es werde impliziert, dass die Urart rückgezüchtet werden könne, was aber gar nicht möglich ist. Bei Rückzüchtungen werde lediglich versucht Tiere zu finden, welche ähnliche Merkmale haben wie die ursprünglichen Tiere.

Wer ähnlich aussieht, wird gepaart – so, dass die Nachkommen der ausgestorbenen Art gleichen. Beim Beispiel der Zebras geht es um ein bestimmtes Merkmal, nämlich die Anzahl Streifen. Ein treffenderer Begriff für diese Art von Züchtungen sei deshalb «Abbildungszüchtungen».

Gezüchtete Auerochsen

Nicht nur bei den Zebras gibt es Versuche, das Ursprüngliche wieder zu erlangen: In Deutschland gab es in den 1920er Jahren ein Projekt zur Rückzüchtung des Auerochsens, eine Kuhart, die immer mehr vom Menschen verdrängt und 1627 ausgerottet wurde. Auerochsen beweideten die grossen Grasflächen Europas und Asiens. Dieses Projekt war erfolgreich, doch auch bei diesen Kühen handelt es sich nur um Tiere, welche ähnlich aussehen wie Auerochsen.

Rückzüchtungen werden oft gemacht, um eine ökologische Nische wieder zu schliessen. Doch man wirft die Frage auf, ob es nicht besser wäre, die Tiere und Pflanzen zu schützen, die wir heute noch haben. Rückzüchtungen, oder besser Abbildzüchtungen, seien keine Lösung, um ausgestorbene Tierarten zurückzuholen.