Ungewisse Situation im Brieftaubensport

Brieftauben im Freiflug

Die Brieftauben sind zurzeit nur im Freiflug über ihren Taubenschlägen.

Rita Schmidlin

Wegen Covid-19
Brieftauben dürfen zurzeit in vielen Ländern nur im Freiflug vom Schlag fliegen. In der Schweiz ist das private Training erlaubt, aber keine Auflässe vom Kabinenexpress

Nicht nur Grossanlässe wie die Olympischen Sommerspiele oder die Fussball-Europameisterschaft sind dieses Jahr abgesagt worden. Der Sport leidet allgemein unter den gegenwärtigen Einschränkungen. Davon betroffen ist auch der Brieftaubensport. Der Schweizerische Brieftaubensport-Verband SBV hat seine Mitglieder auf der Website informiert: «Wir bitten euch, sich an die Auflagen des Bundesamtes für Gesundheit BAG zu halten. Tauben dürfen demnach privat trainiert werden, jedoch nicht mit dem Kabinenexpress und schon gar nicht im Ausland. Sobald sich die Lage entschärft hat, werden wir sofort die nötigen Bewilligungen einholen und unsere Mitglieder informieren.» 

Das Präsidium des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. hat sämtliche Trainings- und Wettflüge von Organisationen des Verbandes bis auf Weiteres untersagt. Ob die Nationalflüge stattfinden können, wird Ende Mai entschieden. In Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien und Holland sind sogar private Trainings verboten. 

Hans Burkhard, Präsident des Regional-Verbandes Ostschweiz, lässt seine Tauben vom Morgen bis am Abend im Freiflug. Die Paare sind immer noch zusammen, haben noch je ein Junges im Nest und legen nun zum zweiten Mal. Sie trainieren gut am Schlag. Burkhard muss deshalb nicht mit ihnen wegfahren. Wann die Wettflugsaison beginnen wird, kann auch er im Moment nicht sagen, sicher nicht wie vorgesehen im Flugprogramm Anfang Mai. Geduld ist angesagt, alles hängt von möglichen Lockerungen durch Beschlüsse vom Bundesrat ab.

«Die gefiederten Freunde machen immer Freude.»
Emil Ditzler
OK Swiss Derby des Alpes

Das private Training verläuft gut
Die Brieftaubensportler der Deutschschweiz machen Wettflüge mit Auflässen aus Deutschland und Frankreich. Ob es dafür Bewilligungen geben wird, ist zurzeit offen. Die Romands haben es einfach, sie fliegen aus Richtung Osten und haben die Linie Kreuzlingen – Genf (290 Kilometer) dafür gewählt. Das private Training verläuft gut, jeweils mit höchstens fünf Züchtern und der vorgeschriebenen Minimaldistanz am Auflassort. Die Tauben von älteren Kollegen werden mitgenommen, da diese sonst zu Hause bleiben müssten. 

Das Einsetzen der Tauben kann ebenfalls dank der elektronischen Erfassung mit wenigen Personen und dem nötigen Abstand erfolgen. Der Auflass der Tauben bietet kein Problem, wie auch die Ankunft im Taubenschlag.

Emil Ditzler vom OK des Swiss Derby des Alpes hofft darauf, dass bald das normale Leben wieder möglich sein wird. Er findet, dass die Brieftaubensportler zum Glück ein Hobby haben, das von diesem schlimmen Ereignis ein wenig ablenkt: «Die gefiederten Freunde machen immer Freude», sagt er. Einige Vorbereitungen wurden getroffen. Die Einlieferung der Tauben wird über den ganzen Monat Mai möglich sein. Die Erfahrung in Derby-Schlägen habe gezeigt, dass es keine Rolle spielt, wenn die Jungtauben bereits 60 bis 80 Tage alt sind. Auch in diesem Alter lassen sie sich noch problemlos eingewöhnen und zeigen dann die entsprechenden Leistungen. 

«Wir haben relativ kurze Trainingsflüge von 20 bis 90 Kilometer, diese werden wir in der zweiten Hälfte Juli im Zwei-Tage-Rhythmus durchführen können», sagt Ditzler. Im August und in den ersten zwei Wochen September können dann die drei Wertungsflüge, der Halbfinal und der Final ab Mendrisio über 222 Kilometer gestartet werden. Einige angemeldete Teilnehmer werden wahrscheinlich die Tauben nicht zeitgerecht einliefern können, so die Sportfreunde aus Spanien. Auch mit den Tauben aus Bulgarien könnte es Probleme geben. Eine ganze Anzahl befindet sich bereits im Derbyschlag. Das OK und alle Brieftaubensportler hoffen trotz aller Probleme auf eine gute Saison. 

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