Handys auf der Spur

Reportage
In der Strafanstalt Pöschwies hilft Dusty beim Aufspüren hereingeschmuggelter Handys. Bis ihm das gelang, benötigte er ein intensives Training.

Gefängnismauern sollten eigentlich sichere Bollwerke sein. Doch das ist reine Theorie. Erst kürzlich wieder wurde anlässlich einer Gerichtsverhandlung bekannt, dass ein wegen Pädophilie verurteilter Strafgefangener ein Handy mit kinderpornografischen Bildern und Texten bei sich hatte. Ein anderer Gefangener verbreitete mit einem Smartphone gewaltverherrlichende Videos in den sozialen Medien. Internetfähige Mobiltelefone sind in Gefängnissen verboten, weil sich damit auch Zeugen einschüchtern oder eine Flucht organisieren lässt.

Um das zu verhindern, steht den Aufsehern in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH ein vierbeiniger Gehilfe zur Seite. Dusty ist ein Deutscher Schäferhund, der als erster in der Schweiz für das Aufspüren von Datenträgern abgerichtet wurde. «Nichts ist so verlässlich wie eine Hundenase», sagt Hundeführer Jürg Berger.

Dusty rieche es sogar noch, wenn ein Handy bereits von einem Ort entfernt worden sei. Bestandteile wie Metalle oder Lithium sondern winzige Mengen an Duftstoffen ab. Der Spürhund reagiert daher auch auf Gegenstände wie USB-Sticks, SIM-Karten oder Fernbedienungen. «Dusty hat im Gefängnis schon mehrmals Smartphones aufgespürt», bestätigt Berger. Wie oft das der Fall war, darf er nicht bekannt geben.

Gerne hätte man bei einem Training zugeschaut. Doch aufgrund der Pandemie ist zurzeit nur ein Online-Meeting möglich. Während Berger am Bildschirm Auskunft gibt, wartet «Dusty vom grauen Indianer», wie der Hund mit vollem Namen heisst, geduldig in einer Zimmerecke. Kein Mucks ist von dem wohlerzogenen Tier zu vernehmen.

Zur Belohnung wird gespielt
Es sei ein Familienhund, erklärt Berger. Am Abend nimmt er ihn stets mit nach Hause. Bevor er für die spezielle Aufgabe eingesetzt wurde, erhielt Dusty eine Ausbildung, die ein ganzes Jahr dauerte. Sie verlief nach dem gleichen Muster wie etwa bei einem Drogenspürhund: Stäbchen aus Hartwatte – sogenannte Sokks – werden mit einer Substanz versehen und daraufhin in ein durchlöchertes Plastikrohr gesteckt. Dieses wird dem Hund zum Riechen hingehalten und danach versteckt. Das Trainingsmaterial stammt von einer Firma in Deutschland. Welche Stoffe genau verwendet werden, ist nicht bekannt.

Mit der Zeit werden die Sokks durch echte digitale Geräte ersetzt. Die Trainer verstecken sie zum Beispiel in Taschen oder im Kofferraum eines Autos. Wenn Dusty ein Handy entdeckt, zeigt er dies jeweils an, indem er bewegungslos an der betreffenden Stelle verharrt. Darauf signalisiert Jürg Berger mit einem Klick-Zeichen, dass die Aufgabe erfüllt ist. Der Hund wird mit einem wilden Spiel belohnt. Er darf an Berger hinaufspringen und mit ihm um ein Beisskissen ringen. Manchmal gibt es auch einen Leckerbissen.

«Für den Hund ist das Ganze ein Spiel», weiss der erfahrene Hundeführer. Der knapp fünfjährige Dusty sei abends jeweils sehr zufrieden, weil er eine Aufgabe habe, aber auch müde. Die spezielle Fähigkeit muss etwa alle ein, zwei Wochen mit einem erneuten Training aufgefrischt werden. Doch wenn der Hund den Geruch einmal kenne, vergesse er ihn kaum mehr, erklärt Berger. 

Regelmässig sucht der Diensthundeführer mit seinem geruchsensiblen Tier die Gefängniszellen sowie das Gelände ab. Die direkte Kontrolle von Personen wird jedoch weiterhin von Menschen vorgenommen. Berger ist mit seinem Vierbeiner auch regelmässig bei der Arealüberwachung im Einsatz. Zusammen schreiten sie die Aussenmauer der grossen Anlage ab.

Immer mehr Handy-Riechhunde
Die beiden sind ein eingespieltes Team. «Ich muss meinen Hund gut lesen können», sagt Berger. Natürlich sei das Tier nicht 100 Prozent zuverlässig. Dies sind auch technische Detektionsanlagen nicht, wie sie in Regensdorf und in anderen Gefängnissen verwendet werden, um Mobiltelefone zu entdecken. 

In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies ist unterdessen bereits ein zweiter Hund im Einsatz, der auf digitale Geräte spezialisiert ist. Die empfindlichen Hundenasen scheinen zu den bewährtesten Mitteln zu gehören, weshalb sie immer mehr Organisationen entdecken. Zum Beispiel arbeiten mittlerweile auch die Strafanstalt Solothurn in Deitingen sowie die Stadtpolizei Zürich mit Handy-Spürhunden.
 

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