Zu Besuch bei Pfüdi und Co.

Tierärztin Janina Werner untersucht den etwas schlecht gelaunten Kater Muffin vor seiner Box.

Tierärztin Janina Werner untersucht den etwas schlecht gelaunten Kater Muffin vor seiner Box.

Adrian Baer

Im Tierheim
Vor allem Katzen und Hunde, aber auch Schweine, Güggel und verschiedene Kleintiere sind im Tierheim Pfötli für eine unterschiedlich lange Zeit untergebracht. Früher oder später findet jedes auch noch so eigene Tier den passenden Menschen.

Faro und Baju begreifen die Welt nicht mehr. Aufgeregt stehen die beiden Pudelmischlinge am Gitter und bellen und winseln, was das Zeug hält. Alle anderen Hunde des Tierheims Pfötli in Winkel ZH wurden bereits für ihren Morgenspaziergang abgeholt. Faro und Baju hingegen müssen noch warten. Schwein Happy und zwei prächtig bunte Güggel stimmen grunzend und krähend in den Wehgesang mit ein. Von 17 bis 8 Uhr herrsche bei den Hunden Nachtruhe, erzählt Tierpflegerin Maureen Hofer, während sie mit kräftigen Bewegungen eine Decke ausklopft. Bevor die Hunde von ihrem halbstündigen Spaziergang zurück sind, müssen ihre Boxen gereinigt und die verschiedenen Futter bereitgestellt sein. «Ich muss Gas geben», sagt Hofer und lacht. 

Im Gegensatz zu anderen Tierheimen sind im Pfötli in der Regel keine «Freiwilligen» mit den Hunden unterwegs. Laut Mediensprecherin Jana Bauer hat man sich auf anspruchsvolle Hunde spezialisiert, um die sich entsprechend ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger kümmern. Immer mit dem Ziel, die Hunde möglichst gut zu trainieren und auszubilden und ihre Chancen auf ein gutes Zuhause zu erhöhen.

Für einmal lauter Katzen

Während Hofer mit flinken Schritten von Box zu Box eilt, geht es eine Türe weiter etwas ruhiger zu und her. Sauber geputzte und mit dem nötigen Inventar ausgerüstete Terrarien sowie auf beiden Seiten des Raumes installierte Boxen mit Gitterfronten warten auf Neuankömmlinge. Jedes Tier (ausser den Hunden) wird in den ersten Tagen oder Wochen nach seiner Ankunft in einer der drei Absonderungsstationen untergebracht. Der beschränkte Raum ermögliche es ihm, die Tiere, ihr Verhalten und nicht zuletzt ihre Ausscheidungen zu beobachten, sagt Tierpfleger Peter Barmettler, der gerade auf dieser Station Dienst hat. Muffin beispielsweise hat heute noch kein Wasser gelöst. Dies gilt es im Auge zu behalten. Der imposante Kater wurde mit entzündeten Augen und voller Zecken im Wald gefunden und im «Pfötli» abgegeben. 

Überhaupt sind heute ausschliesslich Katzen da. Obwohl Barmettler als ausgebildeter Wildtierpfleger und erfahrener Halter von Grossechsen auch für andere Tierarten bestens gewappnet wäre. «Mir gefällt die Abwechslung», sagt er über seine Arbeit. «Und dass man besonders gut auf die Hygiene achten muss.» Schliesslich sei bei jedem Tier bei Eintritt unklar, ob es an Krankheiten leide, mit denen es seine Mitbewohner anstecken könnte. «Dass ich mich im Bereich Seuchen und Hygiene weiterbildete, kommt mir hier zugute.» 

Tierpflegerin Maureen Hofer beim Putzen im Tierheim Pfötli.

Aslan und Toprak jedenfalls scheinen gesund und munter. Vor allem der rotpelzige Aslan lechzt nach Aufmerksamkeit. Mit weicher Pfote angelt er durch die Gitterstäbe nach den Besuchern und reibt sein Köpfchen an ihren Händen. «Der findet schnell ein neues Zuhause», ist Barmettler überzeugt. Dies zumindest, sofern die tierärztliche Untersuchung keine verborgenen Krankheiten ans Licht bringt, die aufwendige und teure
Therapien nötig machen.

Wurmbefall, Pilz und Schnupfen

Grössere Eingriffe werden in der Partner-Kleintierpraxis ACR AG in Winterthur durchgeführt. Heute wurde unter anderem Kater Pfüdi für seine Erstuntersuchung in die Praxis gebracht. Seine Box in der Station ist darum leer. Einzig ein Warnschild an der Gitterfront erinnert an Pfüdi und daran, dass im Umgang mit ihm Vorsicht geboten ist. «Er greift einen an», sagt Barmettler. Darum wird der Kater auch sediert, während die Tierärztin Röntgenbilder macht, impft, chipt, entwurmt, Zahnstein entfernt, die Analdrüsen entleert und die Krallen schneidet. 

Vor Ort im Tierheim ist inzwischen Tierärztin Janina Werner eingetroffen. Die kleine schwarze Alamia ist heute Morgen im «Pfötli» ihr erster Patient. Wurmbefall, Pilz und Schnupfen, so die Diagnose. «Vier Monate plus, die Zähne brechen durch», sagt der erklärte Katzen-Freak mit einem Blick ins kleine Maul, bevor sie – vom lautstarken Schnurren behindert – die Herztöne abhört. Bei ihrer Arbeit mit den Tierheimtieren gehe es nicht nur ums Geld, sagt Werner: «Ich sehe es als meine moralische Verpflichtung an.» Dass sie Teil dieser extrem wertvollen Arbeit im «Pfötli» sein könne, mache sie glücklich. 

Auf dem Schragen wurde die kleine Alamia inzwischen von Extrem-Schmuser Aslan
abgelöst. Der ist so glücklich über die Zuwendung, dass ihn der Stich der grossen Chip-Nadel kaum zu stören scheint. Anschliessend wird Kater Sligo noch von seinem Halskragen befreit, bevor die Arzt-Visite im oberen Stock bei Nymphen- und Wellensittichen, einem Meerschweinchen mit Durchfall und noch mehr Katzen weitergeht. 

Ebenfalls im oberen Stock sind die Katzen untergebracht, welche die erste Station verlassen konnten und einer Vermittlung bereits einen Schritt näher sind. Obwohl Tierpflegerin Carmen Keller heute in diesem Bereich das Sagen hat, setzt sich Minkas Stimme durch. Die langhaarige Katzendame ist offensichtlich mehr Aufmerksamkeit gewohnt und folgt den Besuchern mit ihren leuchtend grünen Augen auf Schritt und Tritt. Während ihr Revier mit allerlei Liegeplätzen und Klettermöglichkeiten kaum zu wünschen übrig lässt, hat es Kitty nebenan deutlich karger. Nach einem operierten Oberschenkelbruch sollte die Katze auf keinen Fall springen. 

Kater Tayo macht keinen gesunden Eindruck. Der magere Tiger fällt zwei Mal von seinem erhöhten Sitzplatz und hat schon mehrmals erbrochen. Weitere Untersuchungen sind geplant. Seine Zukunft ist ungewiss. «Irgendetwas stimmt nicht mit ihm», sagt Keller und schüttelt bekümmert den Kopf. 

Auch kranke Tiere haben Chancen

Bei guten Therapie- und Heilungschancen nähme man auch hohe Kosten in Kauf, um etwa komplizierte Brüche beim Spezialisten operieren zu lassen, sagt Jana Bauer. Auch eine Krankheit, die eine lebenslange Therapie nötig mache, wie etwa eine chronische Darmkrankheit, sei kein Grund, ein Tier zu euthanisieren. Zwar seien junge gesunde Büsi einfacher zu vermitteln. Es gebe aber auch Leute, die sich bewusst für ein anspruchsvolleres Tier entscheiden würden. 

Auch der grimmige Pfüdi, der inzwischen von seinem Tierarztbesuch in Winterhur zurück ist und sich in der hintersten Ecke seiner Box versteckt, hat eine hoffentlich gute Zukunft vor sich. Für ihn wird ein Platz gesucht, an dem er gut versorgt und gleichzeitig nicht mit zu viel menschlicher Nähe überfordert wird. 

Geschichten aus dem Tierheim Pfötli: Audiobeitrag (1)

Geschichten aus dem Tierheim Pfötli (2): Audiobeitrag

Geschichten aus dem Tierheim Pfötli (3): Audiobeitrag

Autor

Andrea Trueb

Andrea Trueb

Andrea Trueb hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ in Luzern absolviert und die letzten zwanzig Jahre auf verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Ihr Privatleben teilt sie unter anderem mit Sittichen und Katzen.

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