Architekten, Tänzer, Pipitrinker

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Die Mützenrobbe kann ihre Nase aufblasen, um Weibchen zu beeindrucken.
Enrique Aguirre/Shutterstock.com
Tiere auf der Balz
Säugetiere, Vögel, Fische: Quer durch das Tierreich existieren witzige, bizarre und wunderschöne Balzrituale. Eine kleine, exotische Auswahl. 

Laubenvogel
Der Architekturpreis unter den Balzern geht wohl an die Laubenvögel. Von ihnen gibt es rund 20 Arten in Australien und Neuguinea, und die meisten von ihnen wissen ganz genau, wie sie ihren Weibchen imponieren können. Als ob es nicht reichen würde, dass sie hervorragende Sänger sind und die Stimmen vieler anderer Vögel imitieren können, bauen die Männchen ihren Angebeteten auch noch kunstvolle Liebesnester. Der Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus) beispielsweise putzt erst den Waldboden säuberlich heraus und baut dann aus Zweigen eine Laube, mehr als doppelt so hoch wie er selbst. Anschliessend geht’s ans Sammeln: Der Laubenvogel sucht sich – mit Vorliebe blaue – Gegenstände von rundherum zusammen und schmückt die Laube damit. Schliesslich ist – wie so oft in der Tierwelt – Damenwahl. Wer die schönste Laube baut, kriegt die meisten Weibchen ab.

Der Laubenvogel gibt alles (Video: BBC):

Mützenrobbe
Die Mützenrobbe (Cystophora cristata), auch einfach Klappmütze genannt, trägt ihre Nase auf der Stirn. Oder zumindest eine Art Nasen-Wucherung, die aussieht wie die namensgebende Mütze. Das erwachsene Männchen kann sie mit Luft aufblasen, bis sein Kopf rund doppelt so gross aussieht, wie er eigentlich ist. Auf Typen, die so viel Luft im Schädel haben, fahren die Weibchen offenbar ab. Und auch konkurrierende Männchen lassen sich durch mächtige Mützen oftmals abschrecken, sodass es zwar selten zu Kämpfen kommt – dafür dann aber zu umso heftigeren. Die Nasen-Ballon-Show geht gar noch weiter: Bläst sich der Robbenmann stark genug auf, flutscht ihm die Schleimhaut aus dem linken Nasenloch und bläst sich zu einem pinkfarbenen Fleischballon auf. Sexy, oder?

Die Mützenrobbe bläst die Nase auf (Video: National Geographic):

Kugelfisch
Der Weissflecken-Kugelfisch (Arothron hispidus) hat Wissenschaftler mit seinen Hochzeitsvorbereitungen lange vor Rätsel gestellt. Nicht etwa, weil er sich zu einer stacheligen Kugel aufbläst; das tut er bei Gefahr und nicht zum Imponieren. Vielmehr ist er für Gebilde zuständig, die mit Fug und Recht als «Kornkreise des Meeresgrunds» bezeichnet werden können. Sechs Wochen lang wälzt er sich durch den lockeren Sand in den Tiefen des Pazifiks und formt damit eine Art Nest, zwanzigmal so gross wie er selbst, kreisrund und hübsch gefurcht. Nun ist es am Fischweibchen, den schönsten Sandkreis auszuwählen, in dem es sich schliesslich für gerade mal ein paar Sekunden mit dem fleissigen Männchen paart. Die Struktur des Kreises, so vermuten Forscher, soll die darin abgelegten Eier davon abhalten, in die sieben Weltmeere abzudriften.

Der Weissflecken-Kugelfisch ist ein wahrer Künstler (Video: BBC):

Pfauenspinne
Während viele Balzrituale speziell auf die Vorlieben der Weibchen einer bestimmten Art zugeschnitten sind, schafft es das Pfauenspinnenmännchen (Maratus), die breite Masse zu begeistern. Anders sind die fast acht Millionen Youtube-Aufrufe kaum zu erklären, die ein Video von ihrem Balztanz erreicht hat. Zugegeben, hinterlegt mit etwas Elektro-Musik und Didgeridoo-Gebrumme wirkt er noch imposanter, aber der Spinnenmann hat die Moves auch so absolut drauf. Ein paar Schritte links, Arme in die Luft, ein paar Schritte rechts, und dann das farbenfrohe Hinterteil in die Höhe – da kann jede Boygroup einpacken. Jetzt muss nur noch das Spinnenweibchen Gefallen daran finden.

Pfauenspinnen haben im Internet viele Fans. Videos wie dieses sind der Grund (Video: Peacockspiderman):

Winkerkrabbe
«Hallo! Hierher! Nimm mich!» – Winkerkrabben (Uca) in der Balzzeit sehen immer irgendwie aus, als wollten sie alle verzweifelt das einzige Taxi am ganzen Strand erwischen. Jedes Männchen steht dann auf dem Grundstück vor seiner Wohnhöhle und reckt im Takt seine eine, überdimensionierte Schere hoch und runter. Dieses Gewinke passiert bei allen werbenden Männchen gleichzeitig. Kein Wunder also, kommen die Weibchen bald herbeigekrabbelt und suchen sich den passenden Partner aus. Meist ist das derjenige mit der imposantesten Schere. Die Männchen fechten damit übrigens auch Rivalenkämpfe aus. Und, haben Wissenschaftler herausgefunden, manchmal verteidigen sie gar ihre Nachbarn gegen stärkere Rivalen. Der vermutete Grund: Lieber ein Weichei auf dem Terrain nebenan als einen, der einem die Weibchen streitig macht. 

Winkerkrabben beim Winken (Video: Love Nature):

Kranich
Wie im Ballett sieht es zuweilen beim Tanz der Kraniche aus. Tausende von Vogelbeobachtern pilgern jedes Jahr nach Japan zu den Mandschurenkranichen (Bild) oder nach Schweden zu den Graukranichen, wenn sie an ihre Brutplätze zurückkehren. Tausende Tiere, Männchen und Weibchen, springen dann durch die Gegend, trompeten mit in die Luft gerecktem Schnabel, werfen Grashalme durch die Luft und verbeugen sich mit ausgebreiteten Flügeln. Das Ritual gehört zwar zur Balz, aber nicht ausschliesslich: Auch Jungvögel sind mit von der Partie, und auch ausserhalb der Paarungszeit kann man Kraniche beim Tanz sehen. Die anmutigen Bewegungen haben den italienischen Komponisten Ludovico Einaudi zu einem Klavierstück inspiriert. Der Titel: «Crane Dance».

Die Manduschrenkraniche beim Tanz (Video: Love Nature):

Giraffen
Kampflos kommen Giraffenmännchen kaum je zum Zug. Wie bei vielen Säugetieren, die in Herden leben, müssen sie sich zuerst einmal den Platz zuoberst in der Hierarchie ergattern. Dazu ist Kampfgeschick gefragt; die Hals-gegen-Hals-Kämpfe sehen dabei spektakulär und gefährlich aus, sie enden aber meist glimpflich. Der Chef des Harems hat nun das Recht, seine Weibchen zu begatten – sofern diese denn wollen. Um herauszufinden, wann genau die Damen empfänglich sind, haben sich die Giraffenmänner zum Östrogen-Test auf vier Beinen entwickelt. Sie stelzen den Weibchen hinterher, stupsen ihnen mit der Nase an die Blase und bringen sie so zum Pinkeln – direkt in das Maul des Männchens. Per Geschmacksprobe findet dieses nun heraus, ob es Zeit für den Eisprung ist und ob sich die Paarung lohnt. Das ist doch mal Romantik.

Das Giraffenmännchen probiert den Bisi des Weibchens (Video: MeiLover101):

Autor

Matthias Gräub

Matthias Gräub

Matthias Gräub kümmert sich bei der «Tierwelt» um die Porträts. Weil er dort mehr mit Menschen als mit Tieren zu tun hat, kompensiert er seinen Tierlidrang mit Zoobesuchen, Waldspaziergängen und Wanderungen in der Natur. Könnte er auswählen, bestünden seine Berner Stadtmusikanten aus Alpaka, Luchs, Laufente und Nacktmull. Das gäb ein Konzert!

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