Bärtierchen leben auf dem Mond

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Die weniger als einen Millimeter grossen Bärtierchen können so einiges aushalten.
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Nach Crash-Landung
Gibt es Leben auf dem Mond? Wahrscheinlich, und zwar Bärtierchen. Dort angekommen sind sie wegen einer israelischen Bruchlandung.

Wir sind nicht allein! Dieser Ansicht sind anhand der riesigen Anzahl Sterne und Planeten in unserer Galaxie so einige – trotzdem hat man bis jetzt noch keine Anzeichen von ausserirdischem Leben gefunden. Seit April 2019 könnte es aber sein, dass es zumindest auf dem Mond Lebewesen gibt. Es handelt sich allerdings weder um den Mann im Mond noch um irgendwelche andere Aliens, sondern um höchstirdische Bärtierchen. Wie das Magazin «Wired» diese Woche berichtet, stürzte am 11. April nämlich die unbemannte israelische Raumsonde «Beresheet» auf den Mond. Mit an Bord hatte sie gespeicherte Daten über die Menschheit, DNA-Proben und einige Tausend dehydrierte Bärtierchen.    

Bärtierchen – wir erinnern uns ­– sind diese mikroskopisch kleinen Lebewesen, die als die härtesten Tiere der Welt gelten. Sie können in fast allen möglichen und unmöglichen Lebensräumen überleben. Beim Dehydrieren wird das Wasser in ihren Zellen durch ein Protein ersetzt, das die Zellen in eine Art Glas verwandelt und erstarren lässt. In diesem ausgetrockneten Ruhezustand können die Bärtierchen unter extremsten Bedingungen überleben, wie zum Beispiel im Vakuum, unter 1200-fachem Atmosphärendruck, unter 1000-fach stärkerer Strahlendosis als jedes andere Tier und einige Minuten bei -272 Grad Celsius. Also ein Grad über dem absoluten Nullpunkt, der bei -273 Grad Celsius oder 0 Kelvin liegt und bei dem alles stillsteht und damit alles Leben zu existieren aufhört. Wen wunderts da noch, dass 2007 nachgewiesen werden konnte, dass Bärtierchen auch im Weltraum überleben – natürlich ohne Schutzanzug?    

Überlebenschancen gross
Diese Bärtierchen also sind nun auf dem Mond bruchgelandet. Dorthin geschickt hatte sie der amerikanische Unternehmer Nova Spivack. Er ist der Gründer der Arch Mission Foundation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das gesammelte Wissen der Menschheit als Backup im Weltall zu bewahren. Zu diesem Zweck ertüftelten Spivack und sein Team eine «Mondbibliothek», auf deren speziellen Nickel-Seiten unter anderem fast die ganze englische Wikipedia, tausende von Büchern und die Zaubertricks von David Copperfield gespeichert sind. Dazwischen, in Kunstharz eingegossen, finden sich DNA-Proben von Spivack selbst und 24 anderen Personen, und auf einem Klebeband obendrauf die dehydrierten Bärtierchen.    

Ob die Mondbibiothek noch intakt ist, ist unbekannt. Für Lukasz Kaczmarek, Astrobiologe und Bärtierchen-Experte von der polnischen Universität Posen scheint es aber wahrscheinlich, dass die Bärtierchen den Crash überlebt haben. «Bärtierchen können Asteroiden-Einschläge auf der Erde überleben», sagt er im englischen «Guardian». «Ein kleiner Einschlag wie dieser ist nichts für sie.» Dehydriert können Bärtierchen jahrelang überleben. Den Mond besiedeln können sie aber nicht, da es dort kein Wasser gibt, um sie in den aktiven Zustand zurückzuversetzen. «Es sollte aber möglich sein, sie zurück zur Erde zu bringen und sie dort ins Wasser zu geben», sagt Kaczmarek. «Dann sollten sie wieder auferstehen.»

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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