Bartgeier Schils wieder zurück in der Schweiz

Bartgeier im Flug
Der Bartgeier gibt im Flug mit seiner Flügelspannweite von bis zu 2,9 Metern ein imposantes Bild ab.
Jayhem/CC BY-SA 2.0
Nach Holland-Reise
Der Schweizer Bartgeier Schils hat seinen Ausflug nach Holland beinahe mit dem Leben bezahlt. In Holland wurde er eingefangen, aufgepäppelt und wieder in die Schweiz zurückgebracht.

Jetzt fliegt er wieder in den Alpen. Schils war im Februar 2014 im Zoo de la Garenne VD geschlüpft und wurde im Alter von einigen Monaten im sankt-gallischen Calfeisental ausgewildert. Vor drei Wochen wurde der mittlerweile gut einjährige Vogel vom Fernweh gepackt. Er machte sich auf den Weg in die Fremde.

Was der junge Bartgeier nicht wissen konnte: Je weiter nördlich er kam, desto flacher wurde das Land und desto weniger Nahrung fand er, wie die Stiftung Pro Bartgeier (SPB) am Montag mitteilte. Als Gebirgsvogel, der von Aas lebt, fresse er nämlich vor allem Knochen toter Huftiere, sagte SPB-Geschäftsführer Daniel Hegglin zur Nachrichtengentur sda.

Weil Schils vor der Auswilderung einen Sender umgeschnallt bekommen hatte, wussten die Verantwortlichen der Stiftung stets, wo der Ausreisser war: In einem grossen Bogen zog er über Paris an den Ärmelkanal und via Belgien nach Holland. Für die Reise benötigte er etwa eine Woche, wie Hegglin sagte.

Die Stiftung informierte umgehend die holländischen Vogelschutzkollegen. Die staunten nicht schlecht, als auf einmal ein Bartgeier im flachen Land sass. Sie fingen das stark geschwächte Tier ein. Schils war halb verhungert und verdurstet. Während rund zehn Tagen päppelten die Holländer den jungen Bartgeier auf, dann brachten sie ihn zurück in die Schweiz.

Nach letztem Arzt-Check wieder in den Bergen
Am vergangenen Freitag habe der Tierarzt des Natur- und Tierparks Goldau SZ den jungen Vogel nochmals gecheckt, sagte Hegglin. Reflexe, Kondition, Gefieder - alles war bestens. Das Tier konnte am Wochenende wieder in Freiheit entlassen werden.

Diesmal wählten die Zuständigen das eidgenössische Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt. Dort war Schils laut Hegglin im Herbst schon ein paar Mal gewesen. Er kennt also die Gegend. Zudem hat er Gesellschaft, wurden doch dort soeben drei diesjährige Junggeier ausgewildert, und die Bartgeier werden gut überwacht.

Schils ist mit bald anderthalb Jahren ausgewachsen. Bartgeier werden fünf bis sieben Kilo schwer und erreichen Flügelspannweiten von bis zu 2,9 Metern. Erst mit fünf bis sieben oder acht Jahren werden sie geschlechtsreif.

Im Alpenraum werden Bartgeier seit 1986 ausgewildert. In der Schweiz seit 1991. In dieser Zeit wurden hier 41 Jungvögel in Freiheit gesetzt. 85 Prozent von ihnen überlebten das erste Jahr. Das zweite Jahr überstanden gar 95 Prozent. Laut Hegglin kommt es immer wieder vor, dass junge Bartgeier ausbüxen. Die meisten kämen von selbst zurück.

Kommentare (0)