Das Geheimnis der Monarchfalter

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Der Monarchfalter ist wegen seiner Wanderung über mehrere Generationen der am besten erforschte Schmetterling Nordamerikas.
PHOTOPRESS/Verkehrshaus
Tierwelt 15/2013
Keiner wusste, wo Monarchfalter den Winter verbringen. Ein kanadischer Zoologe investierte Jahrzehnte geduldiger Arbeit – und am Ende half ihm der Zufall. Ein neuer 3D-Film zeigt die Reise dieser geheimnisvollen Schmetterlinge.

Der Himmel auf der riesigen Leinwand im Luzerner Filmtheater hängt voller Schmetterlinge, dank 3D-Brille sieht man sie zum Greifen nah. Die Kamera verfolgt sie hoch in der Luft bei ihrer Wanderung quer durch den amerikanischen Kontinent. Dazu erzählt der Film die erstaunliche Geschichte, wie Fred und Norah Urquhart dem Geheimnis der Monarchfalter auf die Spur kamen. Der kanadische Zoologieprofessor (1911–2002) hatte sich seit seiner Kindheit den Kopf zerbrochen, wohin die prächtigen Schmetterlinge jeden Herbst ziehen, wenn sie die Region rund um die Grossen Seen verlassen. 

Seine Forschung begann 1938 und dauerte fast 40 Jahre. Er versuchte, die Falter zu markieren, um bei gefundenen Tieren die Herkunft feststellen zu können. Was bei Zugvögeln mit Ringen oder bei Hirschen mit Ohrmarken funktioniert, klappt bei den federleichten und fragilen Schmetterlingen nicht. Urquhart fand nach langem Experimentieren eine Etikette, die sich eignete. 

Ein amerikanischer Textiltechniker kam dem Geheimnis der Falter auf die Spur
Nun brauchte er Helferinnen und Helfer für seine Aktion. Da er durch Fernsehsendungen und Bücher populär war, gelang es ihm, ein Heer von 4000 Freiwilligen zu mobilisieren. Abertausende von markierten Schmetterlingen reisten während Jahren ab – aber es fand sich keine Spur ihres Winterquartiers.

Fred und Norah Urquhart klapperten mit dem Geländewagen Tausende von Kilometern ab und suchten in allen Gegenden Amerikas, die sich geografisch und meteorologisch als Winterquartier für die Monarchen eignen könnten. Zwar zeigten die Fundstellen markierter Tiere ein bestimmtes Muster auf der Landkarte, aber ein Ziel war nicht ersichtlich. Da hatte der amerikanische Textiltechniker Kenneth Brugger, der in Mexiko arbeitete und durch einen Zeitungsartikel von den Arbeiten der Urquharts wusste, ein überraschendes Erlebnis: Bei einer Autofahrt während eines heftigen Gewitters prasselten plötzlich Tausende tote Monarchfaltern auf die Strasse. Urquhart war verblüfft: Mexiko war also das geheimnisvolle Ziel der grossen Wanderung.

Es brauchte nochmals viel Geduld und mühsame Fahrten ins mexikanische Bergland, bis Brugger und seine Frau Catalina 1975 den Wald fanden, in dem Millionen von Monarchfaltern an den Bäumen ruhten. Professor Urquhart, schon im Pensionsalter, eilte in die schwer zugängliche Region und entdeckte unter den zahllosen Monarchfaltern einen, der eine Markierung trug, die kanadische Schüler angebracht hatten. Damit war der Beweis erbracht: Die Tiere flogen von Kanada nach Mexiko, um dort den Winter zu verbringen, für die am weitesten gereisten sind das 4000 Kilometer über Stadt und Land, Berge und Wasser.

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Ein fliegender Schwarm Monarchfalter ist ein beeindruckender Anblick. Bild: PHOTOPRESS/Verkehrshaus

Ihr Weg ist den Faltern völlig unbekannt
Heute sind die Wanderungen der Monarchfalter sehr gut erforscht: Im Frühling fliegen die Tiere aus der mexikanischen Sierra Nevada in den Süden der USA. Auf texanischen Feldern zum Beispiel legen die Weibchen Eier, dort schlüpfen ihre Kinder. Diese zieht es später, wenn es zu trocken wird, nordwärts zu den Grossen Seen. Sie legen ihre Eier dort, und es schlüpfen die Enkel der in Mexiko weggeflogenen Tiere. Diese sind besonders kräftige Flieger, die dann, wenn der Winter naht, die Reise nach Mexiko unter die Flügel nehmen. Sie landen genau dort, wo ihre Grosseltern ein knappes Jahr zuvor weggeflattert sind. Das ist das Erstaunlichste an dieser Wanderung: Die Tiere fliegen zielsicher über mehrere Tausend Kilometer einen Weg, den sie nie zuvor gegangen waren und den ihnen auch keine Alttiere weisen können. Auf geheimnisvolle Art wird das Wissen über die Generationen vererbt. 

Der Film im Filmtheater des Verkehrshauses zeigt eindrücklich, wie die in Amerika sehr populären Tiere leben. Aber auch, welche Gefahren ihnen drohen, weil sie auf ganz spezielle Lebensräume und Futterpflanzen angewiesen sind. Chantal Derungs, Biologin im Papiliorama in Kerzers FR, betonte bei der Première, dass auch Schweizer Schmetterlinge gefährdet seien. Gartenbesitzer sollten doch nicht zu sehr pützeln, sondern einen Teil der Natur überlassen oder sogar geeignete Blumen anpflanzen, um die Schmetterlinge beim Überleben zu unterstützen.

Der Dokumentarfilm «Flight of the Butterflies 3D» (Der Flug der Schmetterlinge in 3D) ist im Filmtheater des Verkehrshauses in Luzern täglich zu sehen. Er dauert 45 Minuten und ist Deutsch gesprochen.
Infos: www.filmtheater.ch

 

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