Der Borkenkäfer tut auch Gutes

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Der Buchdrucker ist ein natürlicher Teil des Waldkreislaufs.
James Lindsey at Ecology of Commanster/CC BY-SA 2.5
Sihlwald
Der gefürchtete Borkenkäfer war diesen Sommer wieder ein grosses Thema. In Wirtschaftswäldern verursacht er Schäden, im Naturwald ist er aber Teil des Ökosystems.

Der Buchdrucker ist der in der Schweiz am weitesten verbreitete Borkenkäfer. Er mag Fichten und befällt geschwächte oder frisch gefällte Bäume. Fichten leiden besonders unter dem Klimawandel. Sie vertragen Trockenheit und Hitze nur schlecht. So geschwächt haben die Nadelgehölze keine Chance gegen den Buchdrucker. Das Waldsterben in Zusammenhang mit dem Borkenkäfer war auch diesen Sommer wieder ein Thema.  

Dabei gehört der Buchdrucker durchaus zum Ökosystem, wie der Wildnispark Zürich in einer Medienmitteilung schreibt. In Wirtschaftswäldern mit Fichtenmonokulturen ist er gefürchtet und unerwünscht. Durch Holzschläge mit zusätzlichem Entrinden versucht man in zu bekämpfen.  

In einem naturbelassenen Wald wie dem Zürcher Sihlwald setzt der Buchdrucker aber wichtige Prozesse in Gang: Durch die absterbenden Fichten kommt an zuvor dunklen Standorten plötzlich Licht bis zum Boden. Junge Bäume, die bisher im Schatten ausharrten, streben dem Licht entgegen. Auf grösseren Flächen beginnen Pionierarten wie Holunder, Birken oder Weiden zu wachsen. Eine neue Generation Wald entsteht.  

«Der Borkenkäferbefall ist eine natürliche Methode, anhand welcher der Sihlwald über Jahrzehnte in ein einzigartiges Mosaik aus unterschiedlichen Baumarten und Baumgenerationen verwandelt wird», erklärt Isabelle Roth, stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin des Bereichs Naturwald der Stiftung Wildnispark Zürich in der Medienmitteilung.  

Zurück zum Urwald
Auf den neu entstandenen Flächen wachsen genau jene Baumarten, die dem Standort und den Gegebenheiten vor Ort in diesem Moment am besten entsprechen. Ausserdem bieten die absterbenden und toten Fichten noch während Jahren wichtigen Lebensraum für unzählige Tiere, Pilze, Moose und Flechten. Die Borkenkäfer selbst sind Nahrungsquelle für Spechte, Schlupfwespen und Buntkäfer.  

Der einst intensiv genutzte Sihlwald wird seit dem Jahr 2000 nicht mehr bewirtschaftet und soll sich nun mit natürlichen Prozessen langsam zurück in einen Urwald verwandeln. Seit 2010 trägt er das Label «Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung». Im Mai wurde das Label um weitere zehn Jahre verlängert («Tierwelt Online» berichtete).

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