Der Schwachpunkt der Bärtierchen

Bärtierchen

Kann der Klimawandel sogar Bärtierchen in die Knie zwingen?

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Sie gelten als quasi unzerstörbar, sie überleben Radioaktivität, extreme Temperaturen bis fast zum absoluten Nullpunkt und es gibt sie sogar auf dem Mond: Bärtierchen. Forscher haben aber nun herausgefunden, was die winzigen Tiere in die Knie zwingt.

Bärtierchen sind Überlebenskünstler. Der Grund dafür ist ihre Fähigkeit zu dehydrieren. Dies tun sie, indem spezielle Proteine in ihren Zellen alle Flüssigkeit zu einer Art Glas erstarren lassen und so die darin eingeschlossenen Moleküle schützen, wie Forscher aus North Carolina 2017 im Fachamagzin «Molecular Cell» schrieben. Nun kann sie fast nichts mehr zerstören. Selbst hohe Strahlendosen, extremer Druck oder das Vakuum kann ihnen nichts anhaben. Sogar auf dem Mond gibt es wahrscheinlich lebende Bärtierchen (lesen Sie hier mehr dazu) und sie überleben sogar einige Minuten bei Temperaturen, die nur knapp über dem absoluten Nullpunkt liegen. Dem Punkt, an dem alles Leben stillsteht.

Doch nun glauben dänische Biologen, herausgefunden zu haben, was die selbst die widerstandfähigen kleinen Bärtierchen besiegen könnte. Es ist ein mächtiger Feind. Einer, mit dem auch unzählige andere Lebewesen auf der Erde zu kämpfen haben: der Klimawandel.

Bärtierchen aus dem Dachhengel
Dies zeigten die Forscher der Universität Kopenhagen in einem Experiment, dessen Resultate sie Anfang Januar im Fachjournal «Scientific Reports» veröffentlichten. Das Team untersuchte Bärtierchen der Art Ramazzottius varieornatus aus einem Dachhengel in der dänischen Kleinstadt Nivå. Setzten sie aktive Bärtierchen 24 Stunden lang einer Temperatur von 37,1 Grad aus, starb die Hälfte von ihnen. In einem weiteren Test liessen sie die Bärtierchen sich erst an die höheren Temperaturen gewöhnen: Erst zwei Stunden bei 30 Grad, dann zwei Stunden bei 35 Grad. Nach dieser Akklimatisierungsphase hielten die Tiere ein kleines Bisschen wärmere Temperaturen aus: Nun starb die Hälfte nach 24 Stunden bei 37,6 Grad.

Dehydrierte Bärtierchen können zwar Temperaturen von 151 Grad überleben – aber nur eine halbe Stunde lang. Sind sie den hohen Temperaturen länger ausgesetzt, liegt die 50-Prozent-Sterblichkeitsrate nach einem Tag bei 63,1 Grad. «Dehydrierte Bärtierchen sind viel robuster und können höhere Temperaturen aushalten als aktive Bärtierchen», sagt Studienerstautor Ricardo Neves in einer Medienmitteilung. «Aber die Zeit, während der sie die hohen Temperaturen aushalten müssen, ist ganz klar ein limitierender Faktor.»

Bärtierchen überall
Ähnliches schrieben 2018 italienische Forscher: Sie fürchteten, die antarktische Bärtierchen-Art Acutuncus antarcticus werde sich nicht schnell genug an die Veränderungen des Klimawandels anpassen können.

Bärtierchen sind enorm vielfältig. Ungefähr 1100 Arten sind bekannt – wahrscheinlich gibt es aber noch viele mehr. Sie kommen auf der ganzen Welt vor und leben sowohl in Gebirgen als auch in Regenwäldern, im Süss- und im Salzwasser. Sie bevölkern aber auch andere feuchte Lebensräume. Viele von ihnen leben auf Moosen – und einige eben auch in Dachrinnen.

Es bedarf wohl weiterer Studien mit anderen Arten, um genauer zu wissen, wie sensibel die Bärtierchen auf den Klimawandel reagieren. Doch scheint es, als könne der selbst diese als unzerstörbar geltenden Tiere bezwingen.

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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