Die Geister der Berge sind bedroht

Schneeleopard

Schutz den Schneeleoparden: Tierschutzorganisationen hoffen, dass der «Geist der Berge», wie die Grosskatze genannt wird, langfristig überleben kann.

Kwadrat/Shutterstock

«Internationaler Tag des Schneeleoparden»
Der Schneeleopard könnte laut dem WWF bald dem Eisbären den Rang ablaufen und zum neuen Symboltier des Klimawandels werden. Der heutige «Internationale Tag des Schneeleoparden» ruft zum Schutz der Art auf.

Der Appell erscheint jeweils am 23. Oktober prominent auf den Webseiten vieler Tier- und Umweltorganisationen: Am «Internationalen Tag des Schneeleoparden» erinnern sie daran, dass die Tiere zu den am stärksten bedrohten Grosskatzen der Welt gehören.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beispielsweise nennt Gründe für diese prekäre Situation: Die Klimaveränderung sei einer der Ursachen, dass die Populationen laufend schrumpfen. Wilderer machten illegal Jagd auf das begehrtes Fell der Schneeleoparden. Ihre Knochen werden auf dem Schwarzmarkt verkauft, meist für die asiatische Medizin. Vor fünf Jahren startete der Nabu aus diesem Grunde eine Aktion: Gemeinsam mit der bhutanesischen Regierung machte er sich an die Erfassung der Bestände im südasiatischen Staat.

Eindringliche Worte findet auch der WWF. «Der Schneeleopard könnte bald dem Eisbären den Rang ablaufen und zum neuen Symboltier des Klimawandels werden», bedauert Georg Scattolin, WWF-Artenschutzexperte, auf der Webseite der Organisation. Die Gründe verortet auch er in der Klimaerwärmung. Sie führe dazu, dass sich die Baumgrenze aufgrund der Erderwärmung immer weiter nach oben verschiebt. Für die Schneeleoparden ist das ein Problem: Sie benötigen weite offene, unbewaldete Hochgebirgsregionen. Mit der Veränderung verringere sich ihr ohnehin zerstückelter Lebensraum immer weiter.

Schneeleoparden im Zoo Basel

Die prekäre Situation ist auch dem Zoo Basel bewusst: Die Hauptbedrohung für den Bestand der Schneeleoparden seien fehlende Beutetiere. Sie würden durch das Vieh der Bauern verdrängt. Ausserdem würden Schneeleoparden getötet, weil sie Nutztiere jagen, schreibt er. Den Befund untermalt der Zolli auf seiner Webseite mit aktuellen Zahlen: 75 Prozent aller frei lebenden Schneeleoparden leben in China, Indien, Kirgisistan, der Mongolei und Pakistan. Nur noch 4000 bis 6500 Tiere sind in einem riesigen Gebiet beheimatet, das die Gebirgsregionen (bis 4500 Meter über Meer) Zentralasiens umfasst.

Schneeleoparden sind Rekordhalter
Schneeleoparden brauchen ein grosses Habitat, um an genügend Nahrung zu kommen. In den extremen Regionen des Hochgebirges ist die Beutedichte gering. Deshalb können ihre Streifgebiete in der Natur bis zu 500 Quadratkilometer gross sein – ein Rekord in der Welt der Katzen. Aber auch sonst sind die eleganten Tiere Rekordhalter: etwa in Bezug auf ihre Sprungweite – bis zu 16 Meter können sie erreichen. Zudem ist ihr Fell so dick und lang wie bei keiner anderen Katze. 

Auffälligkeiten gibt es des weiteren beim Körperbau. Im Vergleich zu anderen Grosskatzen haben Schneeleoparden einen besonders langen Schwanz und eine kurze Schnauze. Brüllen können die Tiere übrigens nicht: Die Beschaffenheit ihres Kehlkopfs lässt nur ein Schnurren zu. 

Wer schon einmal einen Schneeleoparden beim Fressen beobachtet hat, wird Ähnlichkeiten mit den Kleinkatzen entdeckt haben: Wie sie verzehren sie ihre Beute im Sitzen, während Löwen und Tiger vor ihr liegen und sie mit ihren Pranken festhalten. 

Schneeleoparden im Zoo Zürich

Schutzprogramme für die Schneeleoparden
Dass die Art Schutz braucht, daran will der internationale Tag der Schneeleoparden erinnern. In dem Zusammenhang ruft er unzählige Projekte und Organisationen in Erinnerung. Vereine wie der Snow Leopard Trust setzen sich für den Schutz der Tiere ein. 

Der WWF indes berichtet über einen ehrgeizigen Aktionsplan, den die Regierung in Nepal beschlossen hat: «Das Land will den Kampf gegen die Wilderei verstärken und Korridore einrichten, damit die Tiere zwischen ihren zerstückelten Lebensräumen wandern können». Das erläutert WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin auf der Webseite des österreichischen Ableglers der Organisation. Es bleibe zu hoffen, dass andere Schneeleoparden-Länder diesem Beispiel folgen, damit der «Geist der Berge», wie die Grosskatze genannt wird, langfristig überleben kann.

Wie es zum «Internationalen Tag des Schneeleoparden» kam
Dass der 23. Oktober als «Internationaler Tag des Schneeleoparden» gefeiert wird, geht auf eine Zusammenkunft vor sieben Jahren zurück. Damals setzten sich zum ersten mal in der Geschichte alle zwölf Länder Zentral- und Südasiens zusammen – notabene all diejenigen, in denen der Schneeleopard vorkommt –, um über den Erhalt der Art zu beraten. Aus dieser Zusammenkunft resultierte ein Schutzprogramm. Es hatte zum Ziel, bis zu diesem Jahr die 20 wichtigsten Gebiete für den Schneeleoparden unter Schutz zu stellen. Seither denkt man jeweils am 23. Oktober an die Schneeleoparden. 

Der Zoo Basel hat sich dazu etwas ganz besonderes einfallen lassen: einen Zeichnungswettbewerb. Das Thema: Was ist das Besondere am Schneeleopard und warum sollte er geschützt werden? Ist es ihr wunderschönes Fellmuster oder ihr majestätisches Auftreten? Am Welt-Schneeleoparden-Tag zeigt der Zolli alle Zeichnungen auf der Webseite und 50 davon werden danach im Zolli-Shop für zwei Wochen ausgestellt. Damit setzt er ein Zeichen: Nämlich, dass der «Internationale Tag des Schneeleoparden» nicht nur auf 24 Stunden einmal im Jahr beschränkt, sondern länger nachklingen soll. 

Hier geht es zum Zeichnungswettbewerb des Zoos Basel

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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