Diebische Affen auf Bali haben es auf Ihr Smartphone abgesehen

Javaneraffe im Uluwatu-Tempel mit geklauter Brille

Im Gegensatz zum unglücklichen Besitzer dieses Exemplares hier bekam die «Tierwelt»-Redaktorin ihre Brille mit nur ein paar Kratzern wieder zurück.

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Bali
Die Javaneraffen im Uluwatu-Tempel auf Bali klauen Touristinnen und Touristen gerne ihre Wertsachen und fordern Lösegeld in Form von Essen dafür ein. Eine neue Studie zeigt nun: Die erfahrensten Affen wählen gezielt die wertvollsten Dinge aus und geben sich nicht mit schlechtem Essen zufrieden.

Vor einigen Jahren passierte es der «Tierwelt»-Online-Redaktorin: Beim Besuch des Uluwatu-Tempels auf der indonesischen Insel Bali sprang ihr in einem Moment der Unachtsamkeit ein Javaneraffe auf den Kopf, klaute ihr mit flinken Fingern die Brille von der Nase und machte sich flugs wieder davon. Einheimische hatten zuvor davor gewarnt, lose Schmuckstücke, Haargummis oder dergleichen zu tragen – aber ohne Brille geht es halt nun einmal nicht. Die Episode dauerte nur etwa eine Sekunde, jagte der «Tierwelt»-Redaktorin einen gehörigen Schrecken ein und stellte sie vor ein Problem: Wie kriegte sie nun ihre Brille wieder zurück?

Die diebischen Javaneraffen in Balis Touristenattraktionen sind bekannt. Im «Monkey Forest» beim Ort Ubud sind die schlauen Primaten zum Beispiel aktiv – und eben auch im hoch auf den Klippen gelegenen Uluwatu-Tempel. Dort war einer der Aufpasser unterdessen mit den Affen am Verhandeln. Vom sicheren Dach herunter beäugten diese die dargebotene Mangostane. Die Frucht schien den Ansprüchen zu genügen. Die Javaneraffen liessen sie zu sich hochwerfen und warfen im Gegenzug schliesslich die Brille zurück.

Hier hat ein Javaneraffe erfolgreich einen Riegel gegen eine Sonnebrille eingefordert – der Sonnenbrille ergeht es aber nicht gerade gut

Lieber Smartphone als Hut
Eine im Januar in den «Philosphical Transactions B» der britischen Royal Society veröffentlichte Studie hat nun das Verhalten der Tempelaffen genauer unter die Lupe genommen. Das Team um den Verhaltensbiologen Jean-Baptiste Leca von der kanadischen Universität Lethbridge beobachtete und quantifizierte die Diebstähle und inszenierte für die Affen Situationen, in denen sie sich entscheiden mussten, etwas Wertvolles oder weniger Wertvolles zu stehlen.

Wie Leca und sein Team schreiben, sei der Tauschhandel mit dem Diebesgut etwas, was nur die Uluwatu-Affen tun. Andernorts klauen die Tiere den Menschen lieber gleich das Picknick. Ausserdem fanden die Forschenden heraus, dass die Javaneraffen ihr Diebesgeschick während ihrer Jugend lernen, um damit als Erwachsene Tiere Erfolg zu haben. Je älter ein Affe dann ist, desto eher klaut er wertvollere Dinge. In den experimentellen Szenarien schnappten sich erfahrene Diebe gezielt Brillen und Smartphones statt Schuhe und Hüte. Diese Tiere bewiesen ausserdem ökonomisches Denken und Verhandlungsgeschick und gaben die geklaute Ware nur gegen mehr oder besseres Essen zurück.

Eine zähe Verhandlung: Der Affe lässt sich nicht so leicht abspeisen

Erstes Token-System im bei wilden Primaten
Das Verhalten werde über Generationen weitergegeben, sei erlernt und unterliege sozialen Einflüssen, schreiben die Forschenden. Es könnte sich um das erste belegte «kulturell aufrechterhaltene Token-System» bei wilden, nichtmenschlichen Primaten handeln. Ein Token-System bezeichnet in der Psychologie ein System, in dem Token wie Münzen oder Chips eingesetzt werden, um ein gewünschtes Verhalten zu erzielen. Die Javaneraffen brauchen also die gestohlenen Objekte als Token, um die Menschen dazu zu bringen, ihnen Essen zu geben. Als nächstes möchten die Forschenden die Evolution dieses Systems bei den Affen betrachten. Dies könne auch Erkenntnisse über frühe Geldsysteme bei Menschen bringen.

Ihre Brille erhielt die «Tierwelt»-Redaktorin übrigens mit einigen Kratzern am Gestell und einem ebensolchen im Glas zurück. Sie entschied sich daraufhin für ein neues Modell.

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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