Drei neue Affenarten auf Madagaskar entdeckt

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Äusserlich sind sich die Tiere der verschiedenen Mausmakiarten sehr ähnlich. Dieses Exemplar gehört zur neu beschriebenen Art Microcebus ganzhorni.
Giuseppe Donati
Artenvielfalt
Wissenschaftler haben drei neue Mausmaki-Arten beschrieben. Damit sind nun 24 Arten dieser Lemuren bekannt. Vor zwanzig Jahren hatte man noch erst zwei Arten gekannt.

Mausmakis sind kleine, nachtaktive Affen. Sie kommen wie alle Lemuren nur auf Madagaskar vor – und sie sehen sich alle sehr ähnlich mit ihrem braunen Fell und den riesigen Augen. Einzelne Arten lassen sich nur mit Hilfe genetischer Methoden unterscheiden. Ein Team aus deutschen, amerikanischen und madagassischen Wissenschaftlern hat mittels genetischer Analyse nun drei neue Arten nachgewiesen.

Wie gross der Unterschied zwischen zwei Tieren sein muss, damit es sich um eine neue Art handelt, wird immer wieder in Fachkreisen diskutiert. «Durch den Einsatz neuer, objektiver Methoden zur Bewertung von genetischen Unterschieden zwischen verschiedenen Individuen konnten wir mehrere unabhängige Belege dafür finden, dass diese drei Mausmakis neue Arten darstellen», sagt Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Ausserdem bestätigte die Analyse den Status der zuvor beschrieben 21 Arten. Erst vor drei Jahren hatten dieselben Forschergruppen zwei neue Mausmaki-Arten beschrieben.

Bessere Methoden, Expeditionen in abgelegene Gebiete
Zu den Mausmakis gehört auch der kleinste Primat der Welt, der nur 30 Gramm schwere Madame Berthe's Mausmaki. Ihn haben Wissenschaftler des DPZ im Jahr 1993 entdeckt. Neben besseren analytischen Methoden tragen Expeditionen in abgelegene und schwer zugängliche Waldgebiete dazu bei, dass die Vielfalt dieser entfernten Verwandten des Menschen immer besser bekannt wird. «Das exakte Verbreitungsgebiet einzelner Arten zu kennen ist notwendig, um funktionierende Schutzgebiete auszuweisen», sagt Kappeler, der seit über 20 Jahren an der Freilandstation des DPZ auf Madagaskar forscht.

Der neu entdeckte Ganzhorn's Mausmaki (Microcebus ganzhorni) wurde nach dem Hamburger Ökologen Jörg Ganzhorn benannt, der sich seit Jahrzehnten für die Erforschung und den Schutz von Lemuren einsetzt. Ganzhorn initiierte in den 1990er Jahren auch die Feldforschung des DPZ in Madagaskar. Ebenfalls im Südosten Madagaskars lebt Microcebus manitatra. Der dritte im Bunde, Microcebus boraha, ist nach seinem Fundort auf der Insel Sainte Marie (auf madagassisch Nosy Boraha) benannt.

Die mehr als 100 bekannten Lemurenarten sind mehrheitlich in ihrem Bestand bedroht. Hauptursachen sind Brandrodung und Bejagung.

Originalpublikation:
Scott Hotaling, Mary Foley, Nicolette Lawrence, Jose Bocanegra, Marina Blanco, Rodin Rasoloarison, Peter Kappeler, Meredith Barrett, Anne Yoder and David Weisrock (2016): Species discovery and validation in a cryptic radiation of endangered primates: coalescent based species delimitation in Madagascar's mouse lemurs. Molecular Ecology.
DOI: 10.1111/mec.13604

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