Eine Forschungsgruppe um Marta Manser von der Universität Zürich hat sich mit dem Gruppenzusammenhalt von Erdmännchen bei der Futtersuche befasst und festgestellt, wie sie es anstellen, sich nicht zu verlieren. Bei der Beutesuche im Sand richten die Tiere nämlich den Kopf nach unten, können also keinen Blickkontakt halten. Stattdessen halten sie durch Zurufe Kontakt.

Dabei orientieren sich die Tiere offenbar an der Ruf-Dichte, um ihre eigene Position im Verhältnis zum Grossteil ihrer Gruppe zu bestimmen. Sie folgen der Richtung, wo viele Individuen häufig rufen, einem sich bewegenden «vokalen Hotspot», berichteten die Forschenden kürzlich im Fachblatt «Royal Society Open Science».

Das stellten Manser und ihre Mitarbeiterin Gabriella Gall fest, indem sie einer Gruppe futtersuchender Erdmännchen im Kuruman River Reserve in Südafrika Aufnahmen vorspielten und dadurch zwei entgegensetzte Ruf-Hotspots am vorderen und am hinteren Ende der Gruppe erzeugten. Die Tiere teilte sich daraufhin in zwei Gruppen, folgten also dem ihnen am nächsten gelegenen Hotspot.

Rufe geben Aufschluss über Paarungsbereitschaft
In einer weiteren Studie, die am Mittwoch im Fachblatt «PLOS One» erscheint, haben Manser und ihr Team ausserdem untersucht, warum verschiedene Individuen in der Erdmännchen-Gruppe mit unterschiedlicher Frequenz Rufe ausstossen. Stress konnten sie zumindest im Kontext der Futtersuche als Grund ausschliessen: Das zeigte sich nach Analyse von Tonaufnahmen sowie von Stresshormon-Konzentrationen im Kot der Tiere.

Stattdessen zeigte sich, dass insbesondere hierarchisch hochgestellte Weibchen und einjährige Männchen viel mehr Rufe ausstiessen als andere Gruppenmitglieder. Ausserdem riefen sie während der Paarungszeit bis zu fünfmal häufiger als ausserhalb dieser Zeit. Demnach können die Erdmännchen aus den Rufen Informationen über Geschlecht, sozialen Status und Paarungsbereitschaft der anderen ziehen.