Erste Art des Jahres ausgestorben

Schwertstör
Chinesische Forscher haben die wohl erste Tierart im Jahr 2020 für ausgestorben erklärt. Der bis zu sieben Meter lange Schwertstör hat die Errichtung von Staudämmen am chinesischen Jangtse-Fluss nicht überlebt.

Der Jangtsekiang ist mit mehr als 6300 Kilometern der drittlängste Strom der Welt. In ihm wurden fast 500 Fischarten gezählt, viele davon nur hier. Nun ist es eine weniger: Chinesische Forscher haben in einem Artikel im Fachmagazin «Science of The Total Environment» eine der charismatischsten Arten dieses einzigartigen Ökosystems für ausgestorben erklärt.

Die Wissenschaftler hatten in den Jahren 2017 und 2018 das gesamte Flussbecken durchsucht. Insgesamt fingen sie dabei 332 Fischarten. Eine Art aber fehlte völlig: der Schwertstör (Psephurus gladius), ein laut den Wissenschaftler bis zu sieben Meter langer Stör, der sich vor allem von kleinen Süsswasserfischen und Krebschen ernährt.

Respektive ernährte. Die Forscher geben nämlich nach der jüngsten erfolglosen Suche die Hoffnung auf, dass sich irgendwo noch einige Exemplare dieses einzigartigen Fischs finden werden. Der Schwertstör wurde nämlich im Jahr 2003 das letzte Mal gesichtet, die Wissenschaftler gehen davon aus, dass er schon zwischen 2005 und 2010 ausgestorben sein könnte.

Wanderfisch, der nicht mehr wandern kann
Die Gründe dafür liegen einerseits in der Überfischung der Art: Noch in den 1970er-Jahren wurden um die 25 Tonnen Schwertstör aus dem Jangtse gefischt. Dann allerdings nahm die Population drastisch ab, auch weil der Fisch in seiner Bewegungsfreiheit gestört wurde: Schwertstöre waren Wanderfische, die zur Laichablage flussaufwärts wanderten.

1981 errichtete der Mensch den Staudamm von Gezhouba, 2003 etwa 40 Kilometer oberhalb davon die Drei-Schluchten-Talsperre, das grösste Wasserkraftwerk der Welt. Damit hatte der Schwertstör wohl endgültig keine Überlebenschance mehr. Und vielleicht nicht nur er: Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, fanden sie in ihrer Untersuchung auch von 140 Fischarten keine Spur, die früher im Jangtse nachgewiesen worden waren. «Die meisten davon», schreiben sie, «müssen als höchst gefährdet bezeichnet werden.»

Autor

Simon Koechlin

Simon Koechlin

Simon Koechlin ist Chefredaktor der «Tierwelt». Als Biologe freut er sich über jedes Tier, das er zu sehen bekommt – egal ob flauschig, flaumig oder schleimig. Um einen Schmetterling oder eine Schwebfliege zu fotografieren, rennt er auch mal in Schlarpen durch seinen Garten.

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