Es droht ein «völliges Zusammenbrechen eines Ökosystems»

Korallenriff

Bedrohte Ökosysteme: Den Korallenriffs geht es schlecht.

Volodymyr Goinyk/Shutterstock

Korallenriffe könnten in 50 Jahren ausgestorben sein
Korallenriffe im westlichen Indischen Ozean könnten in 50 Jahren verschwinden. Mit dramatischen Folgen für Mensch und Umwelt. Das ist das Resultat einer neuen Studie.

Es war eine schillernde und ergreifende Installation, die Videokünstlerin Pipilotti Rist 2018 in Zusammenarbeit mit dem WWF schuf (Link zum Video). Eine Explosion der Farben und Formen, verfremdet zwar, aber immer noch deutlich als Lebensraum Meer erkennbar. Die darin enthaltenen Formen liessen sich rasch deuten: als Korallenriffe. Die Aufmerksamkeit war den Bildern gewiss, was nicht nur an der bekannten Künstlerin lag. 

Der Aufwand war gerechtfertigt. Im Jahr der Korallen, das der WWF damals ausrief, sollte eine breite Öffentlichkeit darauf sensibilisiert werden, dass es den Tieren und dem Ökosystem, das sie bilden, nicht gut geht. Im Gegenteil: Es stirbt weltweit ab. 

Die jüngste traurige Nachricht wurde am Dienstag in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature Sustainability» veröffentlicht. Forschende gehen aufgrund ihrer Beobachtungen davon aus, dass die Korallenriffe im westlichen Indischen Ozean in 50 Jahren verschwunden sein werden. Grund dafür ist – einmal mehr – die Erderwärmung. Darauf reagieren die Tiere äusserst empfindlich, denn sie trifft die Riffe in verschiedenster Hinsicht. Studien, über die «Tierwelt online» berichtete, zeigen zwar mitunter, dass sich Korallen immer besser höhere Temperaturen anpassen können.

Aber die Grenze ist dennoch rasch erreicht. Zudem zieht ein wärmeres Klime eine Menge anderer Folgen nach sich. Der Meerespiegel steigt an. Stürme werden intensiver, das Wasser saurer. Für Kaltwasserkorallen ist es heikel, wenn sich Strömungen ändern. Denn damit ändert sich auch die Nahrungszufuhr. Diese wiederum hängt von der Ozeanzirkulation ab. Es sind komplexe und fragile Zusammenhänge. 

Videoinstallation zum Thema «Korallenriff» von Pipilotti Rist

Winziger Flächenanteil mit gigantischer Wirkung

In der neuen Studie ist unter anderem zu lesen, dass Korallenriffe nur 0,2 Prozent des Meeresgrundes bedecken. Das mag wenig sein. Doch der geringe Flächenanteil entfaltet eine riesige Wirkung. Korallenriffe seien die Kinderstube eines Viertels aller Meeresfische, schreibt etwa der WWF. Und verweist darauf, dass sich unter ihnen diverse Arten befinden, die für unsere Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Schreite die Zerstörung der Korallen weiter voran, wäre die primäre Nahrungsquelle und damit das Einkommen sowie die Lebensgrundlage von über 800 Millionen Menschen schwer beeinträchtigt. Intakte Korallenriffe schützen zudem gegen Stürme und Erosion, was mit dem Absterben wegfallen könnte. Dann wären weite Flächen der Ozeane tot. 

Gleichermassen dramatisch ist das Fazit der aktuellen Studie. Die von den Forschern vorgestellten Ergebnisse beziehen sich in erster Linie auf die Korallen an der Ostküste Afrikas, schreibt die Nachrichtenagentur «Keystone». In dieser Weltregion drohe in den nächsten Jahrzehnten ein «völliges Zusammenbrechen des Ökosystems». Die Schäden seien auf Jahrzehnte hinaus «irreversibel». 

Korallen mit Fisch

Die Forschungen wurden vom kenianischen Ozeanischen Institut Cordio ausgeführt und von der Weltnaturschutzunion (IUCN) unterstützt. Sie deckten 12'000 Quadratkilometer Korallenriffe ab. Die grösste Gefahr besteht der Studie zufolge für die Korallenriffe vor Mauritius, den Seychellen, den Komoren und Madagaskar, die zugleich beliebte Urlaubsziele sind. (sda/afp)

Video-Beitrag über die Korallenriffe auf den Seychellen

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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