Essen, was unter die Räder kommt

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Ein totes Opossum mag nicht gerade appetitlich aussehen, doch seine Verwertung in der Küche wäre eigentlich sinnvoll.
Richard from Kansas City / flickr.com / cc-by
Road Kill
Verkehrsunfälle mit Tieren sind unvermeidlich. Statt die Kadaver zu verbrennen, lassen sich daraus Fleischgerichte zubereiten. Das galt lange als hinterwäldlerisch, nun wird es modern.

Bewusste Konsumenten sind oft unzufrieden mit dem Fleisch, das in den Läden angeboten wird. Zu viel Fett, vollgepumpt mit Hormonen und Antibiotika, zu teuer; ausserdem gibt es Bedenken bezüglich Tierhaltung und Umweltverträglichkeit der Aufzucht. Es gäbe jedoch auch Fleisch, das keinen dieser Nachteile mitbringt: «Road kill» – jene Tiere, die bei Zusammenstössen mit Fahrzeugen getötet wurden.

20'000 Wildtierunfälle werden in der Schweiz jährlich gemeldet, hinzu kommen wohl zehntausende, von denen die Behörden trotz Meldepflicht nie erfahren. Wenn tote Tiere rasch nach ihrem Tod in der Pfanne landen und lang genug gekocht werden, um allfällige Würmer abzutöten, lassen sich aus ihnen gesunde Gerichte zubereiten.

Fleisch für Bedürftige und Hinterwäldler
In den USA ist es in einigen Staaten erlaubt, überfahrene Tiere mitzunehmen und zu essen. Auf diesem Weg gelangen Hirsche, Elche, Bären, Waschbären, Füchse auf die Teller. Das Potential ist gross: Eine Versicherungsgesellschaft schätzte für das Jahr 2012 immerhin 1'232'000 auf der Strasse getötete Hirsche, wie die Site modernfarmer.com berichtet. Das Verspeisen von Roadkill gilt allerdings als hinterwäldlerisch. In manchen Staaten wird das Fleisch auch an Bedürftige verteilt.

Seit einigen Jahren machen nun aber umweltbewusste Pioniere von sich reden, die bewusst Road Kill verspeisen, um die Kadaver einer sinnvollen Verwertung zufliessen zu lassen. Zum Beispiel Alison Brierly, die sich als nomadische Schamanenkünstlerin und «road kill recycler» bezeichnet. Sie führt ein bewusst einfaches Leben und berichtet in einem Blog darüber. Tote Tiere vom Strassenrand verwertet sie nicht nur als Nahrung, sondern fertigt daraus auch Objekte aus Pelz oder Knochen.

Das Eulencurry ist speziell beliebt
Einen weniger spirituellen Zugang zu Road Kill hat Jonathan McGowan, ein englischer Tierpräparator, der zu einiger Bekanntheit in den Medien gekommen ist. Seit über dreissig Jahren isst er kein Fleisch – es sei denn, er findet es am Strassenrand. Und das kommt ziemlich oft vor. Er kennt die neuralgischen Stellen in seiner Wohngegend im Süden Englands und wenn er Fleisch zum Abendessen will, macht er die Tour, wobei er oft gegen ein Dutzend Tierkadaver findet. Bei seinen Freunden sei besonders das Eulencurry beliebt, aber auch Fuchsfleisch komme gut an, sagte er gegenüber der britischen Tageszeitung «The Daily Mail».

Er ist überzeugt, dass diese Tiere ein besseres Leben hatten als diejenigen, die aus der klassischen Fleischproduktion stammen. Auch die Tierschutzorganisation PETA schreibt auf ihrer Website: «Wenn Leute Tiere essen wollen, ist Roadkill besser als Fleisch aus dem Supermarkt.» Es sei gesünder, da es keine Zusatzstoffe enthalte. Zudem seien die Tiere weder kastriert, noch enthornt, noch in anderer Weise misshandelt worden.

Vorsicht: Gesundheitsrisiken
Allerdings möchten wir an dieser Stelle davor warnen, den nächstbesten Tierkadaver nach Hause zu nehmen und zu kochen. McGowan hat beispielsweise einmal einen Raben gefunden, der nicht überfahren sondern vergiftet worden war – ein Laie hätte den Unterschied wohl erst zu spät bemerkt. Auch Wildfleisch ist nicht immer gesund – in der Schweiz gelangt deshalb nur in den Verkauf, was von einem Tierarzt kontrolliert wurde. Wir empfehlen, sich bei einem Tierunfall an seine Pflicht zu halten und den Unfall dem Wildhüter zu melden. Auch wenn dieser dann den Kadaver der Verbrennung zuführt.

Merkblatt des Schweizer Tierschutz zum Vermeiden von Verkehrsunfällen mit Tieren

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