Fragwürdige Hilfe für Sperber von Gericht gebüsst

Sperber sitzt auf einem Felsen

Ein Sperber (Accipiter nisus) brachte einem Zürcher Vogelfreund eine Busse ein. 

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Hohe Busse
Er wollte Ende Winter 2021 einem ausgehungerten Sperber helfen und verstiess dabei gegen mehrere Gesetze: Das Zürcher Bezirksgericht hat am Donnerstag einen 67-jährigen Mann zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt.

Der Einzelrichter am Bezirksgericht sprach den Schweizer der mehrfachen Tierquälerei, des Vergehens gegen das Jagdgesetz und der mehrfachen Missachtung der Tierhaltungs-Vorschriften schuldig. Es verhängte eine bedingte Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine 300-Franken-Busse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Rentner, Präsident eines kleinen Vogelvereins in Zürich, der unter anderem die Voliere eines Gemeinschaftszentrums betreut, hatte Ende Februar 2021 beobachtet, wie sich ein offensichtlich hungriger Sperber auf die Voliere stürzte. Er prallte ins Gitter und blieb benommen liegen. Der Mann hob ihn auf und setzte ihn in einen kleinen Käfig, um ihn aufzupäppeln.

Fünf Wochen später kam die Polizei für eine Kontrolle vorbei und entdeckte den geschützten Greifvogel. In einem anderen, engen und niedrigen Käfig, sassen zwei Hühner und eine Taube. Die Beamten beschlagnahmten den Sperber und liessen ihn später frei. Die Taube liess der Mann fliegen, die Hühner verschenkte er.

Vogel war «verstört und aufgeregt»

Der Beschuldigte erklärte, er habe den Sperber in den kleinen Käfig gesetzt, damit er sich nicht habe verletzen können. Er sollte «nur fressen und zu Kräften kommen». Dann habe er ihn wieder freilassen wollen. Er habe Futter für ihn gekauft, unter anderem drei Tauben bei einem Züchter. Von einem Bauernhof habe er zwei Hühner geschenkt bekommen, eines davon sei ebenfalls für den Sperber gedacht gewesen, eines habe er noch am selben Abend selber essen wollen, erzählte er dem Richter. Da sei aber die Polizeikontrolle dazwischengekommen.

Laut Gericht hat der Beschuldigte mit dem Einfangen und Einsperren des geschützten Wildvogels gegen das Jagdgesetz verstossen. Das Tier sei damit fünf Wochen zu lang in dem zu engen Käfig gehalten worden. Dies sei tierquälerisch gewesen.

Als die Polizei den Vogel fand, sei er «gar nicht mehr angeschlagen» gewesen, sondern bloss «verstört und aufgeregt». Auch die Hühner und die Taube seien in einem zu kleinen Käfig gewesen. Indem er die Tauben zwar betäubt, aber lebendig, dem Greifvogel hingelegt habe, setzte der Beschuldigte sie laut Gericht einem qualvollen Tod aus. Und schliesslich habe er die nicht mehr benötigte Taube - ein Heimtier - einfach fliegen lassen.

«Grenzen überschritten»

Der Richter attestierte dem Beschuldigte, er habe «plausibel erklärt» dass er nur habe helfen wollen. Bei all seinen Handlungen habe er aber «die Grenzen des Legalen überschritten».

Auch, wenn der Beschuldigte viel Erfahrung habe im Umgang mit Vögeln, hätte er eine Fachperson beiziehen müssen, sagte der Richter. Das Schweizer Tierschutz- und das Jagdgesetz umfassten nun einmal zahlreiche Bestimmungen, die alle beachtet werden müssten. Der Beschuldigte versicherte, er werde von nun an stets das Tierspital anrufen, wenn er einen angeschlagenen Vogel finde.

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