Für geschickte Hände braucht es ein grosses Gehirn

Hanuman-Langure mit Jungtieren

Eltern müssen viel Zeit und Energie investieren bis der Nachwuchs selbständig ist – wie diese Hanuman-Langurenmutter mit ihren Jungen.

Karin Isler, ZOOM Erlebniswelt, Gelsenkirchen

Anthropologie
Je grösser das Gehirn eines Affen, desto geschickter seine Hände. Diese Regel gilt auch für den Menschen.

Erst im Alter von etwa fünf Monaten können Kinder erstmals gezielt greifen. Bis sie mit Messer oder Gabel essen oder die Schuhe binden können, dauert es nochmals fünf bis sechs Jahre. In diesem Alter haben viele Affenarten bereits ihren ersten Nachwuchs gezeugt. Menschen brauchen nicht nur länger, weil die Handgriffe schwieriger sind als etwa jene, die Lemuren oder Krallenaffen lernen. Menschen fangen auch viel später mit dem Lernen dieser Fähigkeiten an.

Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich haben nun untersucht, weshalb die Affen den Menschen den Rang ablaufen. Sie kamen zum Schluss, dass der Grund dafür die Grösse des Gehirns ist, wie die Universität am Freitag mitteilte.

Grosse Gehirne bei Geburt weniger entwickelt
Die Forschenden vermuten, dass grosse Gehirne wie jene des Menschen bei der Geburt weniger weit entwickelt sind als kleine Gehirne. Nur bei Säugetierarten, die so lange leben wie Menschen und somit genügend Zeit zum Lernen haben, habe sich ein grosses Hirn entwickelt, das komplexe Fingerfertigkeiten inklusive Werkzeuggebrauch ermögliche.

«Wir Menschen können nicht bloss zufällig so geschickt mit Händen und Werkzeugen umgehen. Unser grosses Hirn hat dies überhaupt erst ermöglicht. Ein kluges Köpfchen hat also auch ein geschicktes Händchen», wird Sandra Heldstab vom Anthropologischen Institut zitiert. «Dies macht deutlich, warum so wenige Arten unserem Weg folgen und warum wir Menschen zum technologisch vollkommensten Organismus auf diesem Planeten werden konnten.»

Alle lernen in der gleichen Reihenfolge
Unterschiede in der Fingerfertigkeit gibt es auch zwischen den Affenarten: Jene mit grossen Gehirnen wie Makaken, Gorillas oder Schimpansen können mit ihren Händen viel schwierigere Aufgaben lösen als solche mit kleinen Gehirnen wie Lemuren oder Krallenaffen.

Überraschend war gemäss den Forschenden, dass alle Affenarten ihre Fingerfertigkeiten in exakt derselben Reihenfolge erlernen. Die neuronale Entwicklung verläuft also in extrem starren Mustern, auch bei unterschiedlichsten Affenarten. Für ihre Studie beobachteten die Forschenden während mehr als sieben Jahren 36 Affenarten. Sie studierten 128 Jungtiere in 13 europäischen Zoos, jeweils von Geburt an bis zum Alter, in dem sie sämtliche Handgriffe erwachsener Tiere erlernt hatten.

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