Gleich und gleich gesellt sich gern

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Sexuelle Beziehungen zwischen Erpeln sind keine Seltenheit.
Brocken Inaglory / cc-by-sa
Homosexualität im Tierreich
Männchen mit Männchen, Weibchen mit Weibchen: Homosexuelles Verhalten im Tierreich zeigt sich bei Hunderten Arten – vom Sex über den Nestbau bis zur Aufzucht von Nachwuchs. Das kann aus biologischer Sicht durchaus sinnvoll sein.

Bei Albatrossen ziehen Weibchenpaare Nachwuchs auf, bei Trauerschwänen Männchenpaare. Bei Giraffen ist homosexueller Sex häufiger als heterosexueller. Zwergschimpansen sind bisexuell. Und in einer ganz neuen Studie aus Japan zeigen Forscher, dass sich bei Termiten Männchen nicht nur paaren, sondern auch gemeinsam ein Nest bauen.

Auf den ersten Blick scheint Homosexualität im Tierreich keinen Sinn zu ergeben. Gleichgeschlechtliche Paare können keine Nachkommen zeugen und müssten also nach dem Prinzip der Evolution aussterben. Wieso gibt es trotzdem hunderte von Tierarten, die homosexuelles Verhalten zeigen? In einigen Fällen haben sie dadurch tatsächlich biologische Vorteile.

Schwule Schwäne sind die besseren Eltern
So hat eine Forscherin in einer Kolonie von Laysan-Albatrossen mit Männchenmangel beobachtet, wie Weibchen jahrelang als Paare zusammenbleiben. Eine der Partnerinnen liess sich jeweils von einem Männchen befruchten, worauf sie mit ihrer weiblichen Partnerin ein Nest baute, brütete und den Nachwuchs aufzog. Im Folgejahr pflanzte sich dann das andere Weibchen fort. Die gleichgeschlechtlichen Paare trugen also dazu bei, ihre Kolonie zu stärken.

Bei den Trauerschwänen gibt es dagegen Männchenpaare, die Familien gründen. Bei ihnen genügt ein Seitensprung allerdings nicht, um an ein Ei zu gelangen. Entweder müssen sie eines stehlen – ein Verhalten, das unter anderem auch von schwulen Flamingo- und Pinguinpaaren bekannt ist. Oder, moralisch über alle Zweifel erhaben, sie kümmern sich um ein verwaistes Ei eines anderen Paares. Oft befruchten sie aber auch ein Weibchen und verscheuchen dieses, nachdem es das Ei gelegt hat. Das tönt unfreundlich, ist aber aus biologischer Sicht durchaus sinnvoll: Nachwuchs, der von zwei grossen, kräftigen Trauerschwanmännchen beschützt wird, hat die grösseren Überlebenschancen. Ähnliches kommt regelmässig auch bei Enten vor.

Homosexuelle Schafböcke und Meerschweinchen
Bei anderen Tierarten ist der Sinn des homo- oder bisexuellen Verhaltens nicht ganz so offensichtlich. So kommt es bei diversen Delfinarten wie dem Grossen Tümmler zu sexuellen Begegnungen mit dem gleichen Geschlecht. Bei Giraffen sind gleichgeschlechtliche Geschlechtsakte sogar weit häufiger als diejenigen zwischen Männchen und Weibchen. Bei den Meerschweinchen finden sich Männchen, die nicht am anderen Geschlecht interessiert sind und sich stattdessen gegenseitig mit Tänzen bezirzen. Auch schwule Schafböcke sind keine Seltenheit. Und bei den Zwergschimpansen ist Bisexualität die Norm.

Biologen haben für solches Verhalten schon einige Erklärungen geliefert. So soll es die sozialen Beziehungen innerhalb einer Gruppe stärken und dem Abbau von Spannungen dienen. Ohne die wissenschaftliche Brille lässt es sich aber viel einfacher ausdrücken: Sex macht den Tieren einfach Spass, egal ob homo- oder heterosexuell. Es mag ihnen nicht immer nützen, schadet ihnen aber auch nicht, sonst wäre dieses Verhalten nicht so häufig anzutreffen. Und noch etwas lässt sich nach dem Blick ins Tierreich mit absoluter Bestimmtheit sagen: Homosexualität ist nicht unnatürlich.

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