Gleitflieger, Weitspringer und Langschläfer

Graues Riesenkänguru

Ein Graues Riesenkänguru mit einem Baby, auch Joey genannt, im Beutel.

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Beuteltiere
Beuteltiere sind Säugetiere, die ihren Nachwuchs in einem embyroartigen Stadium auf die Welt bringen und dann in ihrem Beutel weiterentwickeln lassen. In Australien leben die meisten Vertreter der weltweit rund 320 Beuteltierarten. Eine Auswahl.

Känguru
Auf der Liste der bekanntesten Beuteltiere hüpfen die Kängurus (Macropodidae) problemlos auf den Spitzenplatz. Sie zieren in Australien Münzen, Briefmarken und das Staatswappen. Rund 45 Millionen Kängurus sollen alleine auf dem australischen Festland leben. Ihnen gehören über 60 Arten an, von denen 13 zur bekanntesten Gattung Macropus zählen: darunter so sprunggewaltige wie das Graue Riesenkänguru (Macropus giganteus, Bild oben), das über 13 Meter weit springen kann. Imposant ist auch das Rote Riesenkänguru (Macropus rufus, Bild unten), das eine Höhe von bis zu 1,80 Meter erreicht und bis zu 90 Kilogramm auf die Waage bringt. Damit ist es das grösste Beuteltier Australiens. 

Baumkänguru
Die Gattung der Baumkängurus (Dendrolagus) gehört zwar zur Familie der Kängurus, unterscheidet sich aber massgeblich von allen anderen Kängurus, weil sie in Bäumen leben und nicht hüpfen können. Von den 13 beschriebenen Arten sind elf auf Neuguinea beheimatet und nur zwei in Australien: das Bennett-Baumkänguru (Dendrolagus bennettianus, Bild) und das Lumholtz-Baumkänguru (Dendrolagus lumholtzi. Wie alle Baumkängurus haben diese beiden Arten längere Vorderbeine und kürzere Hinterbeine als Boden bewohnende Kängurus. Sie können bis zu neun Meter weit von Baum zu Baum springen. Während das Bennett-Baumkänguru 55 bis 65 Zentimeter gross wird, erreicht das Lumholtz-Baumkänguru eine Länge von 110 bis 130 Zentimeter.

Koala
Neben dem Känguru ist der Koala (Phascolarctos cinereus) das zweite grosse tierische Aushängeschild Australiens. Das possierliche Tier ist ein Beutelsäuger, obwohl es fälschlicherweise oft als Bär bezeichnet wird. Der Koala ist bekannt dafür, sich ausschliesslich von den Blättern und der Rinde der Eukalyptusbäume zu ernähren, weil sein Blinddarm nichts anderes verträgt. Die Blätter sollten aber möglichst wenige Giftstoffe enthalten, um nicht zur letzten Mahlzeit zu werden. Bevor sie in seinem Maul landen, beschnuppert der nachtaktive Koala die Blätter mit seiner markanten Nase gründlich und zerkaut sie sehr lange. Um die harten Fasern zu verdauen und dabei Energie zu sparen, schlafen Koalas bis zu 22 Stunden am Tag. Ihr Bestand liegt bei 40 000 bis 80 000. 

Wombat
Wombats (Vombatidae) leben im Osten und Süden Australiens sowie auf der Insel Tasmanien. Sie fallen durch ihre tapsigen Bewegungen auf, weshalb sie auch unter dem Namen Plumpbeutler bekannt sind. Es gibt drei Arten: der Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus, Bild), der Nördliche Haarnasenwombat (Lasiorhinus krefftii) und der Südliche Haarnasenwombat (Lasiorhinus latifrons). Das Fell ist je nach Art gelb-, grau- bis schwarzbraun. Gemeinsam haben alle Wombats einen walzenförmigen Körper, einen nackten Stummelschwanz, kleine Augen und einen breiten Kopf. Die Pfoten der 70 bis 120 Zentimeter grossen und 20 bis 40 Kilogramm schweren Beutler sind mit langen Krallen ausgestattet, die beim Graben hilfreich sind. Ein besonderes Merkmal ist der würfelförmige Kot.

Kletterbeutler
Zu der Familie der Kletterbeutler (Phalangeridae) gehören 29 Arten. Der bekannteste Verteter und gleichzeitig das häufigste Beuteltier überhaupt ist der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula, Bild), der mit Ausnahme der Wüstengebiete ganz Tasmanien und Australien bewohnt. Er lebt auf Bäumen, wird bis zu 55 Zentimeter gross und bis zu 4,5 Kilogramm schwer. In Neuseeland, wo Menschen ihn einführten, ist seine Population ohne Fressfeinde mittlerweile auf rund 70 Millionen Tiere angewachsen, was ihn zur Plage macht. Als gefährdet gelten dagegen alle 13 Arten der Kuskus (Phalanger), weil ihre Lebensräume, tropische Regenwälder, schwinden und ihr Fleisch begehrt ist. Die weissen, schwarzen oder rötlichen Tiere werden 32 bis 60 Zentimeter gross.

Gleitbeutler
Ein Dutzend Arten umfasst die Familie der Gleitbeutler (Petauridae). Sie kommen überwiegend in Ostaustralien und auf Neuguinea vor. Das auffälligste Merkmal ist die Gleitmembran, über die aber nur die Eigentlichen Gleitbeutler (Petaurus) verfügen. Diese Flughaut reicht von den Handgelenken bis zu den Knöcheln der 12 bis 32 Zentimeter langen und 80 bis 710 Gramm schweren Tiere. Die am weitesten verbreitete Art ist der Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps, Bild). Wegen seiner Nachtaktivität bekommen Menschen ihn trotzdem nur selten zu sehen. Die Vorderbeine des grau-braunen Gleitbeutlers haben fünf Finger, von denen der vierte länger ist. Diese scharfe Kralle dient dazu, Insekten unter Baumrinden hervorzuholen. 

Tasmanischer Teufel
Den Tasmanischen Teufel (Sarcophilus harrisii) gibt es nur noch auf der australischen Insel Tasmanien. Den satanischen Namen erhielt der schwarze Beutelteufel, weil seine Ohren bei Aufregung rot werden. Mit einer Kopfrumpflänge von 65 Zentimetern und sechs Kilogramm Körpergewicht ist er der grösste noch lebende Raubbeutler.

Beutelmarder
Beutelmarder (Dasyurus) sind ebenfalls Raubbeutler. Es existieren sechs Arten, im Bild der Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus), die alle durch ihre weissen Flecken auffallen und braunes oder graues Fell haben. Die 25 bis 75 Zentimeter grossen nachtaktiven Tiere sind über ganz Australien und einige Inseln verteilt. 

Numbat
Der Numbat (Myrmecobius fasciatus), auch Ameisenbeutler genannt, gehört zur Familie der Myrmecobiidae. Das 27 Zentimeter lange Tier ernährt sich fast ausschliesslich von Termiten. Die wegen des eingeschleppten Rotfuchses stark dezimierte Population umfasst nur noch rund 500 Tiere.

Nasenbeutler
Die Nasenbeutler beziehungsweise Beuteldachse (Peramelemorphia) fallen durch ihre langen, spitzen Schnauzen auf. Die Bodenbewohner sind so stark bedroht durch eingeführte Raubtiere, dass mindesten drei der 22 Arten bereits ausgestorben sind. Die Bestände des Kleinen Kurznasenbeutlers (Isoodon obesulus) aus Süd-Australien wurden vom aus Europa eingeschleppten Rotfuchs in den letzten Jahrzehnten dezimiert.

Honigbeutler
Der Honigbeutler oder Rüsselbeutler (Tarsipes rostratus) ist der einzige Vertreter der Familie Tarsipedidae. Er bewohnt in Südwestaustralien offene und halb offene Heide- und Buschlandschaften sowie offene Wälder. Mit rund zehn Zentimetern ist der Schwanz des mausähnlichen Beutlers länger als sein nur acht Zentimeter kleiner Körper. Umso grösser ist seine Bedeutung als Blütenbestäuber von Silberbaumgewächsen (Proteaceae). Denn beim Nektarnaschen wandert nicht nur der Honigbeutler, sondern auch die Pollen von Blüte zu Blüte. 

Autor

Oliver Loga

Oliver Loga

Oliver Loga ist stellvertretender Chefredaktor. Er betreut unter anderem die Pferderubrik, was er sehr schätzt, da seine Frau stolze Halterin von zwei vierbeinigen Isländern ist. Obwohl Oliver nicht selbst in den Sattel steigt, pflegt er zu ihnen ein ebenso inniges Verhältnis wie zu seiner anhänglichen Stubentigerin Palina. Ein wichtiger Bestandteil seiner Freizeit ist zurzeit das Nachahmen von Tierstimmen für seinen kleinen Sohn. Besonders hoch im Kurs stehen dabei die gurrende Spitzschopftaube und der röhrende Hirsch.

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