Grausam oder Tradition? Fuchsjagd spaltet Grossbritannien

Fuchsjagd mit Hunden und Pferden
Die traditionelle Fuchsjagd hat in Grossbritannien nach wie vor viele Anhänger. Morgen stimmt das Parlament über eine umstrittene Gesetzesänderung ab.
Beau Considine/CC BY-SA 3.0
Gesetzesänderung
Seit Tagen schlägt eine vorgeschlagene Aufweichung des Fuchsjagdverbots in Grossbritannien Wellen - nun ist die für Mittwoch vorgesehene Abstimmung kurzfristig abgesagt worden.

Reiter in roten Jacketts und weissen Hosen, umgeben von einem fröhlichen Hunderudel: Bilder von britischen Fuchsjägern wirken etwas aus der Zeit gefallen, aber irgendwie romantisch.

Sie stehen im krassen Gegensatz zu Fotos von halb zu Tode gehetzten, von aggressiven Hunden zerbissenen Füchsen, die dem wohl umstrittensten Sport Grossbritanniens zum Opfer gefallen sind. Seit Tagen ist das Thema auf der Insel wieder hoch aktuell.

Die Fuchsjagd mit Hunden ist in ihrer herkömmlichen Form eigentlich seit mehr als einem Jahrzehnt verboten. Vom Tisch war das Thema nie, die vielen Schlupflöcher erzürnen seitdem Tierschützer. Derzeit schlagen die Wellen wieder besonders hoch.

Ex-Beatle Paul McCartney hat sich eingemischt, seine Tochter Stella McCartney, der Sänger Morrissey und die Verhaltensforscherin Jane Goodall. Sie sind sich einig: Die Fuchsjagd ist ein «ekelhafter Blutsport».

Abstimmung abgesagt
Worum geht es? Vor gut zehn Jahren trat in England und Wales ein Jagdgesetz in Kraft, das verbietet, die Tiere mit Hunden zu jagen. Es gab ein politisches Erdbeben. Demonstranten stürmten das Parlament, 400'000 Menschen protestierten in London, aufgebrachte Fuchsjagdfreunde nannten das Gesetz eine «Kriegserklärung» an jahrhundertealte ländliche Traditionen.

Doch nun stellt die Regierung das Gesetz zur Debatte. Das Parlament in London sollte darüber entscheiden, ob künftig in England und Wales wieder ein ganzes Hunderudel die Füchse aufscheuchen darf. Seit vor gut zehn Jahren das Verbot der Fuchsjagd mit Hunden in Kraft trat, dürfen Jäger in England und Wales nur noch zwei Hunde zum Aufscheuchen einsetzen. Diese dürfen die Füchse aber nicht mehr totbeissen, der Jäger muss die Beute erschiessen. Das gilt auch für Schottland - dort sind aber mehr Hunde erlaubt. Die britische Regierung hatte vorgeschlagen, das englische und walisische Gesetz dem schottischen anzupassen und eine offene Abstimmung geplant.

Schotten lassen Muskeln spielen
Grund für die Absage ist, dass die 56 Abgeordneten der linken schottischen Nationalpartei SNP angekündigt haben, gegen die Änderung zu stimmen. Der Vorschlag hatte damit praktisch keine Chance mehr, weil ein Teil der regierenden Konservativen ebenfalls dagegen stimmen wollten.

Die seit der britischen Unterhauswahl starke SNP-Fraktion liess damit erstmals die Muskeln spielen und brachte der Regierung eine Niederlage bei. «Ich finde ihre Position völlig opportunistisch und anderweitig kaum erklärbar», sagte Premierminister David Cameron in London über die SNP-Abgeordneten. Bisher hatten diese sich in der Regel enthalten, wenn Gesetze sie nicht betrafen. SNP-Chefin Nicola Sturgeon sagte, wenn es eine Gelegenheit wie diese gebe, «die Regierung daran zu erinnern, wie schmal ihre Mehrheit ist, dann ist das eine Gelegenheit, die wir ergreifen.»

Befürworter halten Fuchsjagd für human
Die Fuchsjagd-Lobby, das ist vor allem die Countryside Alliance, ein Land-Verband mit etwa 100'000 Mitgliedern. Die Änderung bedeute, dass Bauern wählen könnten, «wie sie die Fuchspopulation auf die effektivste und humanste Art verwalten», sagte deren Direktor Barney White-Spunner. Mehrere Hunde seien effektiver als zwei.

Studien und Umfragen, die ihre Sicht der Dinge belegen, hatten beide Seiten vorzuweisen. Einer YouGov-Umfrage vom Januar zufolge sind 51 Prozent der Briten für das Verbot der Jagd mit Hunden, 33 Prozent dagegen. Auf dem Land ist die Mehrheit demnach knapper, aber mit 49 zu 39 Prozent trotzdem halbwegs deutlich. So leidenschaftlich wie 2004 stritten die Briten bis zwar nicht über die Fuchsjagd, das Thema war Zeitungen aber Titelseiten wert.

Sprengstoff lag in dem Thema, weil viele die Angelegenheit Fuchsjagd für eine Klassenfrage hielten. «Es geht um Dandys, um Menschen, die sich für Dandys halten oder armselige Typen, die nach der Gesellschaft von Dandys lechzen», schrieb etwa «Observer»-Kolumnistin Barbara Ellen. Sie sei selbst auf dem Land aufgewachsen, und dort sei niemand für die Jagd gewesen.

Eine Frage der Klasse?
Die Fuchsjagdgegner wunderte deshalb nicht, dass Premier David Cameron das Jagdverbot ablehnte. «Ich war immer ein entschiedener Unterstützer von ländlichen Sportarten», schrieb er vor der Parlamentswahl im Frühling im Magazin der Countryside Alliance. «Es ist meine feste Überzeugung, dass Menschen die Freiheit haben sollten, zu jagen, deswegen teile ich den Frust vieler Menschen über das Jagdgesetz.» 

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