Hier zieht kein Sturm auf, sondern ein Vogelschwarm

Radarbild eines Vogelschwarms über den Florida Keys

Die grünen, gelben und orangen Punkte sind Vögel, die dunkelblauen Flecken einzelne Regenschauer.

Screenshot / Public Domain

Radarbild
Ein Tweet der US-Wetterbehörde zeigt einen riesigen farbigen Fleck, der über die Florida Keys hinwegzieht. Es handelt sich dabei aber nicht etwa um einen Sturm, sondern um Zugvögel.

Wie in Europa fliegen auch die Vögel Nordamerikas im Winter in wärmere Gefilde – und machen sich im Frühling auf den Rückweg ins Brutgebiet. Dabei kommt es zu einer Wanderung von Millionen von Tieren, die je nach Art alleine oder in Schwärmen ziehen. Solche Schwärme wiederum können eine beträchtliche Grösse erreichen, wie Radaraufnahmen des Nationalen Wetterdiensts der USA eindrücklich beweisen.

So zeigt ein vom Wetterdienst auf Twitter veröffentlichtes Gif einen gigantischen Schwarm, der in der Nacht auf Montag über die der Halbinsel Florida vorgelagerten Keys hinwegzog. Die grünen, gelben und orangen Punkte stellen die nordwärts fliegenden Vögel dar. Es sind Hunderttausende. In dunkelblau sind ausserdem vereinzelte Regenschauer zu sehen.

Um welche Arten es sich dabei handelt, wisse man nicht, schreibt der Wetterdienst in den Kommentaren zum Tweet. So etwas ist auf den Radardaten nicht ersichtlich.

Dafür geben diese andere spannende Details preis, zum Beispiel, dass die Vögel auf Höhen von bis zu 914 Metern flogen. Und dass der Schwarm einen Radius von unglaublichen 145 Kilometern hatte, wie die Meteorologen der «Tampa Bay Times» sagten. Wobei der Radius des inneren, dichtesten Kern wohl nicht ganz so gross war. Trotzdem, zum Vergleich: Die Schweiz misst auf der Nord-Süd-Achse 220 Kilometer.

Das Vogel-Spektakel über den Keys dauerte mehrere Stunden und begann ungefähr um Mitternacht. Viele Vogelarten, die normalerweise tagaktiv sind, ziehen nämlich in der Nacht. Auch unsere einheimischen Vögel tun dies. Dabei orientieren sie sich am Sternenhimmel und am Magnetfeld der Erde (lesen Sie hier mehr dazu). Letzteres dient vermutlich als Backup bei schlechtem Wetter.

Forscher gehen davon aus, dass nachts fliegen gerade für kleine Singvögel kräftesparender ist, da die Luftmassen dann weniger turbulent sind. Grosse Vögel wie Greifvögel, die viel im Gleitflug unterwegs sind, können dagegen nachts nicht ziehen. Sie sind auf die durch Sonneineinstrahlung entstehenden Aufwinde angewiesen, auf denen sie sich durch die Lüfte tragen lassen. 

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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