Hoffnung für die seltenste Schildkröte der Welt

Jangtse-Riesenweichschildkröte

Das neu entdeckte Weibchen bei der Untersuchung.

WCS Vietnam

Jangtse-Riesenweichschildkröte
Die Jangtse-Riesenweichschildkröte galt eigentlich schon als verloren: 2019 starb das damals letzte bekannte Weibchen. Nun wurde in einem See in Vietnam ein neues Tier gefunden – ein Weibchen.

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte ist die grösste Süsswasserschildkröte der Welt. In ihrem eher kleinen Verbreitungsgebiet im Osten und Süden Chinas sowie im Norden Vietnams verlor sie nach und nach ihren Lebensraum. Ausserdem galt ihr Fleisch lange als Delikatesse und so wurden die behäbigen Tiere gejagt – und das bis wirklich fast zur Ausrottung.

Bis vor kurzen gab es nämlich nur noch ein einziges Exemplar der Art, dessen Existenz mit Sicherheit bestätigt werden konnte. Ein handelt sich um ein Männchen, das im Suzhou-Zoo in China haust. Im selben Zoo lebte bis im Frühling 2019 auch das letzte bekannte Weibchen. Dann starb es – und zwar ausgerechnet beim Versuch einer künstlichen Befruchtung («Tierwelt online» berichtete). Auch die legendäre Schildkröte vom Hoan-Kiem-See in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi gehörte dieser Art an. Sie starb aber 2016.

Neues Weibchen gefunden
Für die Art, so schien es seit dem Tod des letzten Weibchens, gab es keine Hoffnung mehr. Doch nun scheint doch noch nicht alles verloren zu sein. Im Oktober 2020 fanden Artenschützer im Dong-Mo-See in der Nähe von Hanoi eine weitere Jangtse-Riesenweichschildkröte. Genetische Untersuchungen liessen an ihrer Zugehörigkeit zu dieser Art keinen Zweifel – und auch nicht an der Tatsache, dass es sich um ein Weibchen handelt.

Nachdem es vorübergehend eingefangen wurde und Proben für Untersuchungen entnommen wurde, durfte es wieder in seinen See zurück. «Zu unser aller grosser Erleichterung war die Schildkröte gesund, stark und erpicht darauf, wieder freigelassen zu werden, was sie noch am selben Tag auch wurde», schreiben die Schildkrötenschützer vom Asian Turtle Program in einer Mitteilung.

Vermutlich noch ein Exemplar
«In einem Jahr voller Traurigkeit und schlechten Neuigkeiten, gibt uns die Entdeckung dieses Weibchens neue Hoffnung, dass diese Art gerettet werden kann», sagt Hoang Bich Tuy, Direktorin der Organisation Wildlife Conservation Society (WCS) Vietnam in der gleichen Mitteilung. «Wir in Vietnam sind fest dazu entschlossen, der Jangtse-Riesenweichschildkröte eine Chance zu geben.»

Und diese Chance könnte sie nicht nur in Form des jüngst gefundenen Weibchens und des Männchens aus dem chinesischen Zoo erhalten. Im Dong-Mo-See wird nämlich noch ein zweites Tier vermutet. Dieses soll im Frühling 2021, wenn die Wasserstände am niedrigsten sind, gesucht und wenn möglich zur Untersuchung eingefangen werden. Man hofft natürlich, dass es sich bei dieser zweiten Schildkröte um ein Männchen handelt. «So könnte sich diese seltenste Art der Welt paaren und Nachkommen hervorbrinbgen – entweder in einer halb-wilden Umgebung oder in Gefangenschaft in Vietnam.»

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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