Igel finden weniger Unterschlupf in Städten

Igel im Gras
In Städten finden Igel immer weniger Unterschlupf, glauben Biologen.
Tero Laakso/CC BY 2.0
Zürich
Zwar gibt es in der Stadt Zürich noch Igel in den Wohnquartieren, doch sie sind längst nicht mehr so verbreitet wie 1992. Das hat ein Forschungsprojekt des Vereins StadtNatur ergeben.

Die Forscher nutzen Beobachtungen der Bevölkerung und sogenannte Spurentunnel – Kartontunnel mit einer Art Stempelkissen, in denen die Igel Fussspuren hinterlassen – um das nachtaktive Tier fassbar zu machen. Von Mai bis Oktober 2016 gingen 351 Meldungen auf stadtwildtiere.ch ein, der Onlineplattform des Vereins, wie aus einer Mitteilung des Vereins StadtNatur vom Dienstag hervorgeht.  

Von 460 Spurentunnels, die auf dem ganzen Stadtgebiet ausgelegt wurden, wies nur jeder vierte Igelspuren auf. Die Forscher schliessen aus diesen ersten Ergebnissen, dass die Igel noch immer in vielen Stadtquartieren verbreitet sind. Es ist jedoch auch deutlich erkennbar, dass die Igeldichte stark variiert.  

Keine Igel am Zürichberg  
Waren die Insektenfresser vor 25 Jahren ausser in der Stadtmitte praktisch überall in Zürich zu finden, klaffen vor allem vom Seefeld bis zum Bucheggplatz grosse Lücken. Betroffen vom Igelrückgang ist auch Altstetten. «Das ist ein beunruhigender Hinweis», sagte Sandra Gloor vom Verein StadtNatur auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.  

Beunruhigend auch deshalb, weil die Forscher noch nicht wissen, was die Hintergründe für den Rückgang des Igels sind. Derzeit arbeiten sie daran, absolute Zahlen zur Igelpopulation in Zürich liefern zu können – etwa in dem sie die Tiere markieren.

Der Igel als Modell  
Einen Verdacht äusserte Wildtierbiologin Gloor allerdings bereits: Es könnte an der Verdichtung liegen. «Die Grünflächenanteile in der Stadt nehmen ab und auf den übriggebliebenen hat es mehr Menschen als zuvor», sagt sie.  

Eine Rolle spielen dürften nach Ansicht der Forscherin auch die vielen Ersatzneubauten, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden und noch immer entstehen. Sie sagt: «In den neuen Siedlungen hat es weniger oder keine Hecken und Sträucher, unter denen sich die Igel aufhalten können.»  

Verbindlichere Aussagen können die Forscher erst im Herbst machen, wenn die absoluten Zahlen zu Verfügung stehen. «Der Igel kann als Modell dienen für andere Arten, die weniger anspruchsvoll sind wie etwa der Fuchs», sagt Gloor.

 

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