Kadaver beleben das Ökosystem

Skelett eines Kamels

Kadaver – und Skelette – sind zwar nicht schön anzusehen. Als Nährstofflieferanten spielen vor allem erstere in der Natur jedoch eine zentrale Rolle. 

Sasha Medvedeva/Shutterstock

Ökologie
Sie sind kein schöner Anblick, aber aus ökologischer Sicht ein grosser Gewinn: Unter Kadavern sammeln sich hohe Konzentrationen von sonst seltenen Nährstoffen. Diese fördern den Wuchs von Pflanzen, die deutlich nährstoffreicher sind als diejenigen neben toten Tieren.

Ein Team von Forschenden der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat gemeinsam mit amerikanischen Kollegen im Yellowstone-Nationalpark untersucht, welche Mikroben sich unter von Wölfen gerissenen Bisons- und Wapitikadavern tummeln.

Demnach gedeihen unter einem Bisonriss ganz andere Bakterien und Pilze als unter einem Wapitiriss, wie die Forschenden im Fachmagazin «Functional Ecology» schreiben.

«Die toten Tiere sind so etwas wie Inseln in der Landschaft, auf denen sich Nährstoffe konzentrieren und sich die Artenvielfalt im Boden verändert»
Anita Risch, Ökologin

Nahrungsreiche Hotspots
Die mikrobielle Vielfalt unter den Rissen ist zwar geringer als im Boden neben Rissen. Denn die auf Kadaver spezialisierten Arten verdrängen andere Mikroben, wie die WSL in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Jedoch sammelten sich viele seltene Nährstoffe im Boden unter den Kadavern, die nährstoffreichen Pflanzen zugute kommen. «So entsteht in der Landschaft ein Mosaik von Hotspots mit überdurchschnittlich gutem Nahrungsangebot», sagte die WSL-Ökologin Anita Risch. «Die toten Tiere sind so etwas wie Inseln in der Landschaft, auf denen sich Nährstoffe konzentrieren und sich die Artenvielfalt im Boden verändert.»

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