Lachse im Rhein auf Rekordkurs

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Ab 2020 sollen Lachse wieder bis in die Reuss und die Limmat schwimmen können.
Michel Roggo / roggo.ch
Tag der Fischwanderung
Über siebzig Lachse sind dieses Jahr bereits auf dem Weg nach Basel beobachtet worden. 2016 könnte somit Rekordjahr werden. Doch noch gibt es Hindernisse – und diese machen auch den stark gefährdeten Europäischen Aalen zu schaffen.

Im vergangenen Jahr hatten es 220 Lachse geschafft, sich durch die Passage in Iffezheim im Elsass auf den Weg nach Basel zu machen. Dieser Rekord könnte nun bereits wieder übertroffen werden, wie der WWF anlässlich des Internationalen Tags der Fischwanderung mitteilt.

Lachse kehren jeweils in ihre Geburtsgewässer zurück, um dort zu laichen. Der Weg in die Schweiz wird ihnen aber noch von unüberwindbaren Hindernissen versperrt. Ab 2020 könnte der Lachs seine alten Laichgewässer wieder zurückerobern, bis dann müssen die letzten Kraftwerke am Rhein zwischen Strassburg und Basel für Fische passierbar sein. Auch das Kraftwerk Birsfelden in der Schweiz soll bis dann über eine Fischtreppe verfügen, der Atlantische Lachs könnte dann via Rhein und Aare auch in die Reuss und die Limmat schwimmen.

Von den internationalen Vernetzungsmassnahmen am Rhein profitiert laut WWF nicht nur der Lachs. In der Kontrollstation in Iffezheim wurden letztes Jahr auch rund 2000 Brachsen, 5200 Barben, 8000 Aale und über 18'000 Nasen beobachtet. Insbesondere die hohe Zahl der Nasen mache Hoffnung: Die in der Schweiz verbleibenden Restbestände dieser gefährdeten Fischart sind äusserst bedroht und eine Zuwanderung wäre daher höchst willkommen.

Aale brauchen Abstiegshilfen
Für Aale sieht die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva allerdings noch ein anderes Problem. Sie fordert für diese Fische nicht nur Aufstiegs-, sondern auch auf Abstiegshilfen. Denn die Rückreise Richtung Meer sei noch viel gefährlicher als der Aufstieg. Der Aal schwimme entlang der Hauptströmung, welche bei Kraftwerken direkt in die Turbinen führe.

Fischabstiegsanlagen fehlten vielerorts. So wandern gemäss Zahlen des Bundesamts für Umwelt (BAFU) jedes Jahr mehr als 90'000 Aale aus der Schweiz in den Hochrhein in Richtung Nordsee ab, aber nur jeder zehnte Aal schafft es bis zur Landesgrenze, wie Aqua Viva schreibt. Allein von unterhalb des Rheinfalls bis Basel muss ein Aal zehn Kraftwerke überwinden. Im Oberrhein folgen danachnoch einmal deren zehn.

Für den Europäischen Aal, den die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als stark gefährdet listet, sind diese Verluste einschneidend. Jedes Exemplar, das in zu seiner Geburtsstätte, der Sargasso-See östlich von Florida, zurückkehrt und sich dort fortpflanzt, sei wichtig zur Rettung des abnehmenden Bestandes. Deshalb soll die Wanderung flussabwärts sicherer gestaltet werden. Dazu müssten die 1000 sanierungsbedürftigen Wasserkraftanlagen um Fischabstiegsanlagen ergänzt werden, fordert die Organisation.

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