Manche treibens unbunt

Schwarz-weiss
Oft setzt die Natur auf spektakuläre Farben. Es geht aber auch schlichter: Viele Tiere beschränken sich auf schwarz und / oder weiss – das kann eine ganze Palette von Gründen haben. Eine Auswahl davon.

Warnung
Ums Überleben geht es auch beim Aposematismus, der Warnfärbung. Das schwarz-weisse Muster vieler Tiere signalisiert potenziellen Feinden, dass mit ihnen nicht zu spassen ist. So sollen die schwarzen Ohren des Pandas ebenso wie die Körperzeichnung des Honigdachses Angreifer abschrecken. Stinktiere machen durch ihre Färbung auf ihre chemische Waffe aufmerksam. Die hoch giftigen Warzenschnecken aus den pazifischen Korallenriffen zeigen anhand ihrer auffälligen Zeichnung ihre Ungeniessbarkeit. Dasselbe machen auch Schmetterlinge wie der Zebra-Schwalbenschwanz und die weisse Baumnymphe.

Tarnung
Im evolutionären Kontext dienen Schwarz und Weiss vor allem dem Überleben. Gut getarnte Tiere bleiben Feinden und Beute leichter versteckt. Weisse Tiere fallen im Schnee also nicht auf. Der schwarzweisse Schabrackentapir ist hingegen am Urwaldboden nur schwer auszumachen. Im und über dem Ozean ist eine Doppel-Tarnung gefragt: Russseeschwalbe, Tordalk, Pinguin und Orca bietet die schwarze Körperoberseite perfekten Sichtschutz von oben, die weisse untere Körperhälfte tarnt die Tiere von unten.

Klimaanpassung
Einige Tiere wechseln je nach Jahreszeit ihren Pelz. So tragen Schneehase, Polarfuchs und Schneehuhn nur im Winter weiss. Beim Sibirischen Hamster wird das Fell zudem weiss, sobald er sich für längere Zeit im Tageslicht aufhält. Das Fehlen von Pigmenten scheint die wärmeisolierende Struktur des Fells oder des Gefieders zu erhöhen. Der Zusammenhang zwischen Temperatur-Regulierung und Fellfarbe ist dennoch umstritten. Denn im Winter wäre Schwarz sinnvoller, da es die meiste Wärme aufnimmt. Für den evolutiven Wettlauf scheinen beim Griff in den Farbkasten deshalb mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen.

Mimikry
Manchmal ist die warnende Tracht nur vorgetäuscht. Um Feinde abzuschrecken kopiert so manches wenig wehrhafte, geniessbare Tier das Aussehen einer gefährlichen Tierart. So ist der harmlose Schlangenaal nach seinem Vorbild, der giftigen Gelblippen-Seeschlange, schwarz-weiss gestreift. Das libysche Streifenwiesel imitiert äusserlich einen Skunk und einige Ritterfalter bedienen sich beim Aussehen bei der oben erwähnten weissen Baumnymphe, um ihre Ruhe vor potenziellen Feinden zu haben.

Schädlingsabwehr
Entgegen landläufiger Meinung dienen die Streifen des Zebras weder der Tarnung, noch haben sie einen kühlenden Effekt. Es scheint, dass die Streifen vor der blut­saugenden Tsetsefliege schützen. Sie bewirken offenbar eine optische Täuschung, welche die Parasiten irritiert. Aus gesundheitlichen Gründen schwärzen sich auch die weissen Streifen des schwarzweiss gestreiften Nattern-Plattschwanzes in stark belasteten Gewässern. Dies nennt man Industriemelanismus. In der stark pigmentierten Haut der Seeschlange sammeln sich vermehrt schädliche Spurenelemente, deren sich das Reptil durch häufige Häutung entledigt.

Gendefekt
Der Schwarze Panther ist ein Leopard und verdankt seine Fellfarbe einer atypischen, übermässigen Pigmentierung. Solche sogenannten Schwärzlinge sind selten, finden sich aber ebenso unter Schlangen und Vögeln, zum Beispiel bei der Kreuzotter und einigen Finkenarten. Eine noch grössere Ausnahme ist die Pigmentlosigkeit, der Leuzismus, der bei einer Vielzahl von Tieren vorkommt. Zehn Prozent der Höckerschwäne in der Schweiz kommen so zu ihrem weissen Federkleid. Beim Albinismus hingegen sind alle Pigmentzellen vorhanden, jedoch fehlt ein Enzym für die Melaninproduktion. Ihr Fell erscheint weiss, Füsse und Schnäbel rosa und Augen rot.

Zucht
Manche Hunderassen wie etwa der Berger Blanc Suisse, aber auch Katzen- und Pferderassen werden gezielt weiss gezüchtet. Das kann Probleme mit sich bringen. So sind pigmentlose Augen empfindlicher für UV-Strahlung und Tumorbildung. Reinweiss gezüchtete Hunde und Katzen sind oft taub – haben sie ihre Genmuta­tionen von beiden Elternteilen geerbt, kann das von Blindheit über Fortpflanzungsunfähigkeit bis zum Tod im Embryo­stadium führen. Eine solche Zucht ist in der Schweiz verboten.

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