Nagetiergifte schaden auch Greifvögeln

Habicht auf Ast

Habichte aus dem Raum Berlin waren gemäss der Studie besonders mit Nagetiergiften belastet.

Jesus Giraldo Gutierrez/Shutterstock.com

Deutschland
Ratten und Mäuse gelten vielerorts als Plage und werden gerne mit Gift zur Strecke gebracht. Dieses reichert sich aber in der Leber von Greifvögeln an.

Viele Greifvögel sind nicht nur aktive Jäger, sondern verschmähen auch Aas nicht. Und je nachdem, wie dieses Aas zu Tode gekommen ist, fressen sie dabei allerhand Schadstoffe mit.  Dazu gehören – wie Forschende des Leibniz Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin in einer im Fachblatt «Environmental Research» erschienenen Studie zeigen – auch Nagetiergifte.

Diese werden in Deutschland in Ställen und zur Bekämpfung von Feldmäusen eingesetzt, finden aber auch Anwendung im städtischen Raum, wo zum Beispiel in den Kanalisationen die Ratten dezimiert werden sollen. Ein Forscherteam vom Leibniz-IZW untersuchte deshalb die Lebern von zwischen 1996 und 2018 gestorbenen Rotmilanen, Habichten, Sperbern, Seeadlern und Fischadlern.

«Wir fanden Rodentizid-Rückstände im Lebergewebe von mehr als 80 Prozent der untersuchten Habichte und Rotmilane», sagt Studienerstautor Alexander Badry gemäss einer Medienmitteilung seines Instituts. Bei 18 Prozent der Habichte und 14 Prozent der Rotmilane sei der Schwellenwert für akute Vergiftungen überschritten worden. Badry ist sich sicher: «Vergiftungen durch Rodentizide stellen eine wichtige Todesursache für Greifvögel dar.» Insgesamt wurden in mehr als 50 Prozent der Vögel Rodentizide im Lebergewebe nachgewiesen. In etwa 30 Prozent fanden die Forschenden mehr als eines der insgesamt sechs Nagetiergifte.

Stoffe reichern sich an
Starb ein Vogel in der Nähe von Siedlungen oder Industrieanlagen, war seine Leber eher mit Rodentiziden belastet. Da sich die Stoffe während eins ganzen Greifvogellebens anreichern, wiesen ältere Vögel mehr Gifte auf. Nicht alle Arten waren jedoch gleich betroffen. Bei Sperbern und Fischadlern sei die Akkumulation gleich null gewesen, während besonders Habichte und Rotmilane aus dem städtischen Raum an den Giften Schaden zu nehmen scheinen. Das liegt wohl daran, dass bei diesen beiden Arten mehr Aas auf dem Speiseplan steht. Seeadler wiederum leben eher weiter weg vom Menschen. Doch auch bei ihnen konnten die Gifte in geringen Konzentrationen nachgewiesen werden.

Für die Studienautoren ist klar, dass Nagetiergifte eine Bedrohung für Greifvögel darstellen. Sie trügen vermutlich zu den sinkenden Überlebensraten von Rotmilanen in Deutschland bei. Sie fordern deshalb eine Neubeurteilung der Rodentizide unter Einbezug von Faktoren entlang der Nahrungskette. Die EU und die Schweiz beurteilt die Gifte alle fünf Jahre neu und prüfen die Zulassungen. Ob bei der letzten Evaluation 2018 an die Greifvögel gedacht wurde, ist nicht bekannt.

Kommentare (0)