Pfuhlschnepfe bricht Weltrekord im Dauerfliegen

Pfuhlschnepfe im Flug

Aerodynamisch «wie ein Kampfjet» ist eine Pfuhlschnepfe im Flug. Dass es sich bei dieser hier um ein Männchen handelt, erkennt man an der rostroten Unterseite.

Dennis Jacobsen/Shutterstock.com

12'000 Kilometer nonstop
Eine GPS-besenderte Pfuhlschnepfe flog mehr als 12’000 Kilometer ohne Pause über den Pazifik von Alaska nach Neuseeland. Das ist der längste je gemessene Flug eines Vogels. Sie bricht damit den Rekord von 2007 – ebenfalls aufgestellt von einer Pfuhlschnepfe.

Am 16. September flog 4BBRW im Südwesten Alaskas los. Elf Tage und über 12’000 Kilometer später erreichte die Pfuhlschnepfe, ein Männchen, Neuseeland und landete in einer Bucht in der Nähe von Auckland. Die 12’000 Kilometer flog 4BBRW ohne Pause. Das berichtet der britische «Guardian».

4BBRW brach damit den Weltrekord für den längsten Vogelflug ohne Unterbruch. Den bisherigen Rekord hielt eine weibliche Pfuhlschnepfe namens E7 mit 11’690 Kilometern, die sie 2007 nonstop auf der gleichen Strecke flog. Für 4BBRW – der übrigens nach den Farben der Ringe an seinen Beinen benannt ist: blau, blau, rot, weiss – massen die Satelliten fast 1000 Kilometer mehr, nämlich 12’854 Kilometer. Die Forscher des von der holländischen Universität Groningen koordinierten Global Flyway Network, das die Wege von Watvögeln wie der Pfuhlschnepfe erfoscht, glauben jedoch, dass die tatsächliche Zahl näher an 12’000 Kilometern liegt, nachdem alle Fehler korrigiert worden sind.

«Design eines Kampfjets»
«Pfuhlschnepfen sind unglaublich energieeffizient und haben das Design eines Kampfjets», sagt der Ökologe Jesse Conklin zum «Guardian». «Lange, spitze Flügel und ein geschmeidiger Körperbau gibt ihnen grosses aerodynamisches Potential.» Die aerodynamische Form verringert den Luftwiderstand, die langen Flügel verhelfen zu schnellerem Fliegen. Vor dem Abflug kann eine Pfuhlschnepfe ihr Körpergewicht verdoppeln. Davon kann sie dann auf ihrer langen Reise zehren.

Ob, wie und wann die Pfuhlschnepfen auf ihren langen Flügen schlafen, ist noch nicht klar. Lange hatte man angenommen, dass Vögel im Flug mit einer Hirnhälfte schlafen. Neuere Erkenntnisse von Studien mit Vögeln an Land deuten aber darauf hin, dass die Tiere auch mit sehr wenig Schlaf auskommen, weshalb es auch sein könnte, dass sie im Flug gar nicht schlafen. Ein Team des Max-Planck-Instituts für Ornithologie und der Universität Zürich wollte es 2016 wissen und mass die Hirnströme von Bindenfregattvögeln («Tierwelt online» berichtete). Wie sich herausstellte, schlafen die Tiere im Flug sowohl mit einer als auch mit beiden Hirnhälften. Tatsächlich schlafen sie sehr wenig: meist sechs Minuten am Stück und das weniger als eine Stunde am Tag.

Erst schlafen, dann fressen
Bei Pfuhlschnepfen könnte Ähnliches der Fall sein. Wie Niels Rattenborg, der Erstautor der Fregattvogel-Studie, ebenfalls 2016 in einem Review schreibt, machen sich Pfuhlschnepfen bei ihrer Ankunft in Neuseeland nicht etwa als Erstes ans Fressen – sie schlafen erst mal. «Das deutet darauf hin, dass die Watvögel während des Flugs zumindest teilweise an Schlafentzug leiden.»

Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica) brüten in den arktischen Zonen Eurasiens und Alaska. Die fünf Unterarten steuern verschiedene Winterquartiere an. 4BBRW gehört zur in Alaska brütenden Unterart Limosa lapponica braueri, die in Neuseeland, Australien und auf den Inseln des Südpazifiks überwintert. Die in Nordskandinavien brütende Unterart Limosa lapponica lapponica dagegen überwintert wie die meisten europäischen Zugvögel klassisch in Afrika, und zwar an der ganzen Westküste des Kontinents sowie an den Küsten Westeuropas. In der Schweiz sind diese Pfuhlschnepfen ab und an beim Rasten auf dem Zug zu sehen, gemäss der Vogelwarte Sempach im Herbst mehr als im Frühling. Ganz selten sogar kommen sie auch als Wintergäste in der Schweiz vor.

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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