Robben-Bestand im Kaspischen Meer schrumpft

Kaspische Robbe schwimmt im Kaspischen Meer

Die Kaspischen Robben sind durch Fischerei, aber besonders durch die Erdölförderung im Kaspischen Meer gefährdet.

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Tierschützer warnen
Tierschützer beklagen einen starken Bestandsrückgang der Kaspischen Robbe. Nach Einschätzung des deutschen Naturschutzbundes Nabu ist die Gesamtpopulation der stark gefährdeten Art in den vergangenen 100 Jahren um 90 Prozent geschrumpft.

Am Kaspischen Meer werden demnach noch etwa 68'000 Tiere vermutet. Auf russischem Gebiet zählten Tierschützer in den vergangenen Wochen die Bestände. 500 Robben seien dabei registriert worden, sagte Marco Philippi, der beim Nabu für den Kaukasus zuständig ist, der Nachrichtenagentur DPA. Fünf Tiere seien mit einem Sender ausgestattet und von sieben weiteren Blut- und Gewebeproben genommen worden. Am Kaspischen Meer liegen Länder wie Russland, Kasachstan, Aserbaidschan und der Iran.

«Um allerdings verlässliche Aussagen über den gesamten Bestand im Kaspischen Meer machen zu können, müsste man im Winter zeitgleich in Russland und Kasachstan zählen, da die Tiere im Winter nach
Norden wandern, um auf dem Eis ihre Jungen grosszuziehen», sagte Philippi. «Solche Zählungen planen wir für die Zukunft.»

Gezielte Schutzmassnahmen

Im Frühjahr und Ende vergangenen Jahres waren insgesamt Hunderte verendete Robben an die russische Küste des Kaspischen Meeres gespült worden. Russische Behörden gingen davon aus, dass sie in Fangnetze geraten waren. Die Tiere gelten als stark gefährdet. Als Gründe nennen Experten etwa Wilderei, Ölförderung und Beifang. Ein anderer wesentlicher Punkt sei der durch den Klimawandel bedingte Rückgang der Eisflächen, sagte Philippi. «Dadurch schwindet der Lebensraum, den die Robben für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen.»

Welche Auswirkung das auf den Bruterfolg habe und welchen Einfluss Faktoren wie Jagd oder Wasserverschmutzung hätten, müsse nun dringend herausgefunden werden, um gezielte Schutzmassnahmen einzuleiten.

Wirren um das Kaspische Meer

Das Kaspische Meer ist eigentlich gar kein Meer, sondern der grösste See der Erde. Politisch hat dieser viel mitgemacht. Bis zum Fall der Sowjetunion definierten Verträge zwischen dem Iran und der UdSSR die Nutzung des Gewässer. Die in den 90er Jahren entstandenen Staaten Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan sahen sich im Nachteil. Das besonders, weil sie Förderungsrechte für Bodenschätze anstrebten. Das Kaspischen Meer hat ein enormes Vorkommen von Erdöl und Erdgas, das im Vergleich vieler anderer Förderregionen noch nicht ausgenutzt ist und von hoher Relevanz für die zukünftige Energieversorgung ist. Die Anrainerstaaten versuchen seit Jahrzehnten, die Förderrechte zu regeln.

Die Definition, ob das Kaspische Meer nun ein Meer oder ein Binnensee ist, ist dabei bedeutsam. Gilt es als Meer, so kontrollieren die umliegenden Staaten nur wenige Seemeilen von der Küste entfernt, die Mitte wäre internationales Gewässer, das von allen gemeinsam benutzt werden kann. Wird das Kaspische Meer aber als See definiert, müssen die Anrainer den Grund des Sees zu gleichen Teilen unter sich aufteilen.  2018 vereinbarten die Staaten Aserbaidschan, Iran, Kasachstan, Russland und Turkmenistan die Nutzung des kaspischen Meers unter eigenem Rechtsstatus. Weder als Meer, noch als See. Die Aufteilung des Grundes ist aber noch immer nicht geregelt. 

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